Präsident Donald Trump erklärte beim Krypto-Gipfel im Weissen Haus, die CFTC arbeite unter Chairman Michael Selig an einem regulierten Marktzugang für die Perp-Börse Hyperliquid in den USA. Die Aussage fällt knapp drei Monate nach der ersten CFTC-Genehmigung eines Bitcoin-Perpetual-Kontrakts.
Hyperliquid ist eine dezentrale Terminbörse für Perpetual Futures, also für Terminkontrakte ohne Verfallsdatum. Ein klassischer Broker sitzt nicht dazwischen. Die Plattform gilt als grösster Anbieter ihres Segments, operiert jedoch bislang offshore und ausserhalb der Zuständigkeit der US-Terminaufsicht. Der Senat bestätigte Selig im Dezember 2025 als 16. Chairman der Commodity Futures Trading Commission. Zuvor leitete er als Chief Counsel die Crypto Task Force der SEC. Bereits im April 2026 kündigte er vor dem Agrarausschuss des Repräsentantenhauses an, dezentrale Perp-Märkte wie Hyperliquid „onshoren“ zu wollen. Zuvor hatte dort Rep. Austin Scott (R-GA) verlangt, die Börse an die Standards regulierter US-Terminbörsen anzugleichen. Der Token HYPE reagierte auf Trumps Aussage mit einem zweistelligen Kursplus. CoinDesk meldete am Mittwochmorgen rund 11%, im Tagesverlauf weitete sich der Anstieg aus.
Selig soll Hyperliquid regelkonform in die USA holen
Zum Gipfel im Eisenhower Executive Office Building lud das Weisse Haus Führungskräfte aus der Krypto- und Technologiebranche. SEC-Chairman Paul Atkins und Patrick Witt, der Krypto-Berater des Präsidenten, nahmen ebenfalls teil. Ausserdem schickten Coinbase, Ripple, Gemini, Robinhood, Polymarket, Kalshi, a16z, Chainlink, Paradigm und die Digital Chamber Vertreter. Mit Kalshi und Polymarket sassen zwei Betreiber von Prognosemärkten am Tisch. Eine offizielle Teilnehmerliste veröffentlichte das Weisse Haus indes nicht. Die Runde bündelte somit Terminbörsen, Prognosemarkt-Betreiber und Risikokapital an einem Ort.
„Soweit ich weiss, arbeitet Mike [Selig] auch daran, Hyperliquid auf vollständig regelkonforme und legale Weise in die Vereinigten Staaten zu bringen […]“ - Donald Trump, US-Präsident
Gleichzeitig diente der Gipfel als Auftakt zur ersten öffentlichen Sitzung des CFTC Innovation Advisory Committee am Folgetag. Auf der Tagesordnung stehen Krypto, Prognosemärkte und künstliche Intelligenz. Das Gremium berät die Behörde zu Innovationsfragen. Die Formulierung des Präsidenten deckt sich daher mit einer Position, die der Behördenchef bereits im Frühjahr vertreten hatte. Spontan wirkte sie nicht.
KalshiEX-Genehmigung liefert Blaupause für Onshoring
Kalshi betreibt in den USA einen Prognosemarkt als CFTC-regulierte Börse. Ende Mai 2026 genehmigte die Kommission den Kontrakt BTCPERP der KalshiEX LLC. Es war der erste Kontrakt gänzlich ohne Verfallstermin, den die CFTC einer US-Börse förmlich bewilligte. Allerdings ging die Genehmigung weder an Coinbase noch an Hyperliquid selbst. Damit entstand erstmals ein Rahmen für rund um die Uhr handelbare Perpetual-Kontrakte auf digitale Rohstoffe. Solche Kontrakte gleichen die Differenz zum Spotpreis über periodische Finanzierungszahlungen aus.
Am selben Tag erteilte die zuständige Abteilung der Behörde Coinbase Financial Markets Inc. einen No-Action-Letter. Die als Futures Commission Merchant registrierte Einheit darf institutionellen US-Kunden seither Zugang zu Perpetual-Kontrakten auf digitale Rohstoffe an der Börse Deribit verschaffen, etwa auf Bitcoin, Ethereum und Solana. Deribit gehört seit August 2025 selbst zu Coinbase. Regulatorisch laufen diese Positionen als „foreign futures“. Der Zugang führt somit über eine registrierte US-Zwischenstelle und nicht über die Börse selbst. Zusammen definieren beide Entscheide folglich, wie ein Offshore-Perp-Markt legal an US-Kunden herankommt.
Für Hyperliquid zeichnen sich daraus zwei Wege ab. Möglich wäre eine Registrierung als Designated Contract Market oder der Status eines Foreign Board of Trade. Ersteres würde die Börse direkter US-Aufsicht unterstellen. Beide Varianten verlangen jedoch Kundenüberwachung, Meldepflichten und eine formale Aufsichtsbeziehung zur Behörde. Nach der Kalshi-Genehmigung stieg HYPE Ende Mai laut Branchenberichten auf ein damaliges Rekordhoch von 67.24 USD. Ein belegter Zusammenhang zwischen Entscheid und Kursbewegung fehlt allerdings.
Traditionelle Terminbörsen drängen auf Hyperliquid-Aufsicht
Widerstand kommt von den etablierten Terminbörsen. Berichten zufolge verlangen ICE und CME Group von der CFTC, Hyperliquid zur Registrierung zu zwingen. Beide verweisen auf schärfere Kundenüberwachung und eine durchgehende US-Aufsicht. Zudem warnen sie vor Manipulationsrisiken bei globalen Ölpreisen, die sich über Perpetual-Kontrakte abbilden lassen. Beide Häuser betreiben selbst regulierte Terminbörsen in den USA. Rohstoffkontrakte berühren damit den Preisfindungsmechanismus der Märkte, an denen sie ihr Kerngeschäft betreiben.
Aus dem Umfeld der Börse kommt Widerspruch. Das im Februar 2026 gegründete Hyperliquid Policy Center argumentiert, das geltende US-Recht sei nicht auf Derivatemärkte auf öffentlichen Blockchains zugeschnitten. Finanziert wird die unabhängige Non-Profit-Organisation über eine Spende der Hyper Foundation von 1 Mio. HYPE, rund 29 Mio. USD. Ausserdem stellt sie Effizienz und Transparenz von On-Chain-Orderbüchern in den Vordergrund. Wie gross der Vorsprung der Plattform tatsächlich ist, bleibt hingegen umstritten. Je nach Tracker und Messmethode reichen die Angaben zum Anteil am On-Chain-Perp-Volumen von rund 38% bis über 70%. Die Bandbreite zeigt, wie unscharf die Datenlage bei On-Chain-Volumen ist.
Der gesetzliche Rahmen fehlt weiterhin. Der CLARITY Act soll die Zuständigkeiten von SEC und CFTC für digitale Vermögenswerte trennen. Im Juli 2025 verabschiedete ihn das Repräsentantenhaus mit 294 zu 134 Stimmen. Im Senat kommt die Vorlage seither nicht voran. Mehrheitsführer John Thune beantragte Anfang August Cloture zur Motion to Proceed, also den Abschluss der Debatte über die blosse Aufnahme der Beratung. Diese rein prozedurale Abstimmung folgt am 15. September 2026. Sie benötigt 60 Stimmen, die Republikaner halten hingegen nur 53 Sitze. Bis zu einer Einigung muss die Behörde ihre Entscheide deshalb auf bestehendes Terminmarktrecht stützen.








