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    Sie sind hier:Home » Fokus » Legal/Compliance » Christine Lagarde soll Binance die MiCA-Lizenz verwehrt haben
    Laut WSJ-Bericht soll Lagarde die Binance-Lizenz in Griechenland gestoppt haben. Die HCMC bestreitet das, die EZB äussert sich nicht.

    Christine Lagarde soll Binance die MiCA-Lizenz verwehrt haben

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    von Redaktion cvj.ch am 18. September 2026 Legal/Compliance

    EZB-Präsidentin Christine Lagarde soll persönlich interveniert haben, um Binance die Lizenz für den EU-Markt zu verwehren. So steht es in einem Bericht des Wall Street Journal, den die griechische Börsenaufsicht zurückweist.

    Die EU-Verordnung MiCA regelt seit Dezember 2024 den Zugang zum europäischen Kryptomarkt. Eine einzige nationale Zulassung berechtigt somit dazu, Dienste in allen 27 Mitgliedstaaten anzubieten. Über den Antrag entscheidet die jeweilige nationale Aufsicht, in Griechenland also die Hellenic Capital Market Commission (HCMC). Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA koordiniert hingegen nur die einheitliche Anwendung der Regeln. Binance reichte den Antrag im Januar 2026 ein, mitten in der Übergangsfrist bis Ende Juni 2026. Gemessen an den grossen zentralen Handelsplätzen lag der globale Spot-Marktanteil der Börse Ende August 2026 bei rund 45%. Seit dem Vergleich mit US-Behörden über 4.3 Mrd. USD im Jahr 2023 steht sie unter verschärfter Beobachtung. Von mehr als 3'000 europäischen Krypto-Firmen erhielten bis zum Fristende jedoch nur rund 210 eine volle Zulassung, darunter Coinbase, Kraken, OKX und Crypto.com, nicht aber Binance.

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    Anfang Juni kippt die erwartete Genehmigung

    Nach Darstellung des Wall Street Journals lief das Verfahren lange günstig. Ende Mai 2026 signalisierten die griechischen Behörden den Quellen des Berichts zufolge, dass die Genehmigung bevorstehe. Der Antrag lag zu diesem Zeitpunkt bereits seit rund vier Monaten bei der Aufsicht. Dem Bericht zufolge bereitete Binance daher eine Ankündigung vor, samt Fototermin von Konzernchef Richard Teng mit Premierminister Kyriakos Mitsotakis. Kurz darauf drehte die Lage. Anfang Juni soll die HCMC dem Unternehmen jedoch mitgeteilt haben, der Prozess lasse sich ohne politische Rückendeckung nicht fortsetzen. Als Grund nennen die anonymen Quellen einen Anruf Lagardes bei Mitsotakis.

    Ebenfalls aus dem Bericht stammt die Angabe zum Ablauf innerhalb der ESMA. Die HCMC habe deren Digital Finance Standing Committee Anfang Juni mitgeteilt, den Antrag genehmigen zu wollen. Rund eine Woche später habe Binance erfahren, dass keine Lizenz erteilt werde. Als Begründung nennen die Quellen den englischen Begriff „convergence", also fehlende Konvergenz. Gesichert ist allein das Ergebnis. Die HCMC datiert die Rücknahme des Antrags auf den 16. Juni 2026, einen Tag vor der angesetzten Sitzung ihres Vorstands. Öffentlich machte die Börse den Schritt erst am 24. Juni. In seiner offiziellen Stellungnahme erklärte das Unternehmen, es werde die Zulassung in einem anderen EU-Mitgliedstaat verfolgen. Eine formelle Entscheidung traf die HCMC in der Sache nie.

    Der Zeitpunkt wiegt schwer. Vierzehn Tage nach der Rücknahme lief die Übergangsfrist ab. Ausserdem war eine neue Zulassung in dieser Frist praktisch nicht mehr zu erreichen. Der Rückzug beendete somit den regulären EU-Zugang der grössten Krypto-Börse der Welt.

    HCMC bestreitet die berichtete Intervention

    Die griechische Aufsicht bestreitet die Darstellung. Ihre Mitarbeiter hätten die ihnen zugeschriebenen Aussagen über eine Intervention Lagardes nicht gemacht, erklärte die Behörde. Laut Berichten prüfte sie den Antrag ferner unabhängig und allein nach europäischem und griechischem Recht. Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab. Formal besitzt die Notenbank unter MiCA ohnehin keine Zulassungskompetenz. Sie erteilt keine Lizenzen und prüft keine Anträge. Zulassungen sprechen ausschliesslich die nationalen Aufseher aus, die ESMA koordiniert deren Praxis.

    Entkräftet ist der Vorwurf damit trotzdem nicht. Eine fehlende formale Zuständigkeit schliesst einen Anruf beim Regierungschef eines Mitgliedstaats nicht aus. Lagarde hat wiederholt vor Bitcoin als Reserveasset gewarnt und Risiken von Stablecoins für die geldpolitische Souveränität der Eurozone thematisiert. Bereits im Juli kursierten ähnliche Gerüchte über eine persönliche Intervention der EZB-Chefin.

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    Binance verliert den EU-Marktzugang an Konkurrenten

    Während Binance den griechischen Antrag zurückzog, sicherten sich die Konkurrenten den EU-Zugang. Coinbase erhielt seine Zulassung zuvor von der luxemburgischen Aufsicht CSSF. Kraken, OKX und Crypto.com holten ihre Lizenzen ebenfalls fristgerecht. Das Passporting-Prinzip machte diese Genehmigungen sofort in allen 27 Mitgliedstaaten wirksam. Ab dem 1. Juli 2026 durften unlizenzierte Anbieter in der EU keine Dienste mehr erbringen. Binance stand ab diesem Datum ohne reguläre Zulassung da.

    Die Folgen für Nutzer waren unmittelbar. Rund 2 Millionen französische Kunden verloren zum Stichtag folglich ihren Handelszugang. Stand Mitte September 2026 hält das Unternehmen weiterhin in keinem EU-Land eine MiCA-Zulassung. Berichten zufolge laufen Verhandlungen mit der französischen Aufsicht AMF. Ein formeller Antrag war dort bis Mitte September hingegen nicht bestätigt.

    Zwischenzeitlich bedient die Börse europäische Kunden über die sogenannte Reverse-Solicitation-Ausnahme. Dabei wendet sich der Kunde von sich aus an den Anbieter, ohne dass dieser aktiv wirbt. Ein Teil des europäischen Handels läuft gleichzeitig über eine Einheit in Abu Dhabi. Die ESMA hat deshalb bei Binance nachgefragt, ob dies einem faktischen Rückzug aus der EU gleichkommt. Der Marktzugang der weltweit grössten Handelsplattform hängt damit an einer Ausnahmeregel, die die Aufsicht selbst infrage stellt.

    Der Fall wirft Fragen zur MiCA-Zulassungspraxis auf

    Über den Einzelfall hinaus berührt der Vorwurf das Grundversprechen von MiCA. Vor der Verordnung musste jede Börse in jedem Land einzeln eine Erlaubnis beantragen. Seit Dezember 2024 ersetzt ein Passporting-System diese Fragmentierung. Letztlich trägt dieses Modell nur, wenn nationale Behörden ausschliesslich nach den Regeln entscheiden. Informeller Druck aus Frankfurt auf einen Regierungschef würde diese Annahme aushebeln. Betroffen wäre ebenso jeder andere Antragsteller, nicht nur Binance.

    Gleichzeitig arbeitet die EZB am digitalen Euro, der als zentrales Projekt der Amtszeit Lagardes gilt. Das EU-Parlament stimmte im Juli 2026 mit 416 zu 169 Stimmen für Trilog-Verhandlungen. Kurz darauf wählte die Notenbank 36 Zahlungsdienstleister für eine Pilotphase aus, darunter Deutsche Bank, Revolut und Stripe. Der Start ist schliesslich für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen. Ein Emissionsbeschluss setzt zudem eine verabschiedete Verordnung und eine erfolgreiche Pilotphase voraus.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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