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    Der Protocol Cluster der Ethereum Foundation hat 62 EIPs bewertet und setzt Dezember 2029 als Ziel für eine quantensichere Ethereum-L1.
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    Quantum-Computing: Ethereum peilt sichere Blockchain bis 2029 an

    von Redaktion cvj.ch am 8. September 2026 Hintergrund

    Die Ethereum Foundation hat 62 Verbesserungsvorschläge für das kommende "Hegotá-Upgrade" bewertet und zwei davon als zwingend eingestuft. Bis Dezember 2029 soll die Ethereum-Blockchain dadurch vollständig quantensicher sein.

    Ein Ethereum Improvement Proposal, kurz EIP, ist der formale Weg, auf dem eine Änderung am Kernprotokoll vorgeschlagen wird. Der Protocol Cluster der Ethereum Foundation versammelt jene Forschungs- und Entwicklungsgruppen, die solche Änderungen über alle Client-Teams hinweg koordinieren. Hegotá folgt der alphabetischen Namenskonvention aus Devcon-Städten und ist damit das nächste grosse Netzwerk-Upgrade nach Glamsterdam. Die Bewertung erschien auf dem Blog der Stiftung, erarbeitet von rund 60 Forschern und Ingenieuren aus neun Teams sowie einzelnen Fachexperten. Erstmals steht dabei eine gemeinsame Liste statt getrennter Team-Einschätzungen. Zusammen kamen 397 Tier-Bewertungen zustande, im Schnitt 6.4 pro Vorschlag, bei den umstrittensten bis zu neun.

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    FOCIL und Frame Transactions als Pflichtprogramm für Hegotá

    Nur zwei der 62 Vorschläge erreichten das höchste S-Tier, das der Cluster mit „must-ship" umschreibt. Der erste ist EIP-7805, in der Entwicklerszene als FOCIL bekannt, kurz für Fork-Choice Enforced Inclusion Lists. FOCIL setzt auf der Consensus-Ebene an, wo ein Komitee aus Validatoren erzwingt, dass gültige Transaktionen aus dem öffentlichen Mempool in den nächsten Block aufgenommen werden, damit ein dominanter Block-Builder sie nicht mehr aussortieren kann. Damit adressiert er die Zensurresistenz, also eine der heikelsten Schwachstellen einer Blockchain, deren Blockproduktion sich auf wenige spezialisierte Akteure konzentriert hat. Die Frage ist für Ethereum nicht theoretisch, seit ein Grossteil der Blöcke über eine Handvoll professioneller Builder läuft.

    Der zweite Pflichtvorschlag heisst Frame Transactions und trägt die Nummer EIP-8141. Er liegt auf der Execution-Ebene und verankert Account Abstraction nativ im Protokoll. Eine Transaktion zerfällt in programmierbare „Frames" für Validierung, Gas-Zahlung und Ausführung. Wallets könnten dann eigene Signaturverfahren einsetzen, Gas-Zahlungen sponsern lassen und Aktionen bündeln, ohne dafür auf Off-Chain-Betreiber angewiesen zu sein. Der erste dieser Punkte macht den Vorschlag für die Quantenfrage zentral, denn wer das Signaturverfahren eines Kontos frei austauschen kann, hat den Migrationspfad zu quantensicheren Verfahren bereits zur Hälfte gebaut.

    An beiden Kandidaten hängen Begleitvorschläge im A-Tier. Zu FOCIL gehört EIP-8369, das die Eignungsprofile für die Komitee-Teilnahme regelt. Bei Frame Transactions sind es EIP-8250 zu Keyed Nonces und EIP-8272 zu Recent Roots. Das sichere Ausliefern beider Kandidaten und der Test ihres Zusammenspiels gelten dem Cluster als zentrale technische Verpflichtung dieses Forks. Alles Weitere ordnet sich dem unter.

    Erstmals eine gemeinsame Tier-Liste statt Team-Meinungen

    Bislang äusserten sich die einzelnen Client- und Forschungsteams getrennt zu anstehenden Änderungen am Kernprotokoll, ohne gemeinsame Rangfolge. Die nun veröffentlichte Tier-Liste ist die erste gebündelte Bewertung des Protocol-Clusters für ein einzelnes Netzwerk-Upgrade. Jeder Vorschlag erhielt im Schnitt 6.4 unabhängige Einstufungen, und wo sich die Teams uneinig waren, stieg diese Zahl auf bis zu neun. Wer Ethereum als Infrastruktur-Investment hält, bekommt damit erstmals ein quantifiziertes Bild davon, wie breit ein Vorschlag getragen wird.

    Unterhalb der beiden S-Tier-Einträge landeten 15 Vorschläge im A-Tier, die mitgeliefert werden sollen. Dazu kommen acht Einträge im B-Tier und sieben im C-Tier. Abgelehnt wurden 28 EIPs mit dem Vermerk „Declined for Inclusion", also fast die Hälfte des gesamten Feldes. Zwei weitere Vorschläge wurden bewusst nicht bewertet, weil dazu erst Betriebsdaten aus dem Glamsterdam-Mainnet vorliegen müssen. Auffällig ist die Härte der Auswahl. Der Cluster nutzt die Liste sichtbar als Instrument, um den Umfang des Forks klein zu halten, statt möglichst viele Anliegen unterzubringen.

    Für die Aussenwahrnehmung wiegt der Verfahrenswechsel fast schwerer als der Inhalt. Ethereums Kernentwicklung galt lange als schwer lesbar, weil sich Prioritäten nur aus verstreuten Calls, Foren-Threads und Einzelmeinungen rekonstruieren liessen. Eine einzige Liste mit nachvollziehbaren Stufen verschiebt diese Debatte in ein Format, das auch ausserhalb der Entwicklerkreise prüfbar ist.

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    Der Zeitplan bis 2029 lässt wenig Spielraum

    Das eigentliche Ziel der Stiftung liegt nicht bei Hegotá, sondern mehrere Forks dahinter. Bis Dezember 2029 sollen alle drei Ebenen des Protokolls quantensicher sein, also Execution, Consensus und Data. Für die Planung geht das Team von einem möglichen „Q-Day" ab 2030 aus. Gemeint ist der Tag, an dem Quantencomputer die heute verwendete Kryptografie brechen könnten. Diese Annahme ist bewusst aggressiv gewählt, denn die meisten glaubwürdigen Schätzungen setzen den Zeitpunkt deutlich später an. Mindestens bis Januar 2027 gilt die Frist intern als nicht verhandelbar, danach soll der Stand mit externen Fachleuten neu bewertet werden.

    Rechnerisch ist der Fahrplan eng. Glamsterdam ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen, und Client-Teams können realistischerweise erst danach mit der Implementierung von Hegotá beginnen. Von dort bis Dezember 2029 bleibt ein durchschnittlicher Takt von 7.2 Monaten pro Fork, ein Tempo, das bei den mehrjährigen Vorlaufzeiten früherer Protokolländerungen wie The Merge 2022 oder Dencun 2024 kaum Verzögerungen verträgt. Ein einziger verschobener Fork kostet davon rund sieben Monate.

    Hegotá selbst ist dabei nicht der Post-Quanten-Fork. Er ist der Fork, der darüber entscheidet, ob die späteren Post-Quanten-Upgrades überhaupt im Zeitplan bleiben. Einen minimal funktionsfähigen Post-Quanten-Meilenstein setzt der Cluster bei einem Platzhalter an, den er „J*" nennt. Die volle Quantenresistenz ist für „L*" vorgesehen. Zwischen heute und diesem Punkt liegen also mehrere Forks, deren Namen noch nicht einmal feststehen.

    Ethereums Frist orientiert sich an Google und Microsoft

    Das Datum ist kein Alleingang der Krypto-Branche, denn Google, Cloudflare und Microsoft haben eigene Migrationsziele für Post-Quanten-Kryptografie gesetzt, und an diesen unabhängigen Fahrplänen richtet sich die Dezember-2029-Frist aus. Für institutionelle Halter ist das die relevantere Einordnung. Ethereum verschiebt sein Sicherheitsniveau nicht in unbekanntes Terrain, sondern in den Takt, den die Betreiber der übrigen kritischen Internet-Infrastruktur ohnehin ansteuern. Ein Protokoll, das dabei zurückbliebe, wäre irgendwann das schwächste Glied in einer sonst migrierten Kette.

    Zugleich ist Quantenresistenz nur einer von fünf parallelen Forschungssträngen, die der Protocol Cluster über mehrere Forks hinweg verfolgt. Daneben laufen Arbeiten an schnellerer Finalität, an Privatsphäre, am State-Wachstum und an der zkEVM. Jeder dieser Stränge konkurriert um dieselben Entwicklerressourcen und um Platz in denselben Forks. Die harte Aussortierung von 28 Vorschlägen sieht damit weniger nach Strenge aus als nach Notwendigkeit. Wie belastbar die Frist wirklich ist, zeigt sich erst im Januar 2027 an der Neubewertung, und anschliessend an jedem einzelnen Fork-Termin.

    "Die frühzeitige Umsetzung von Post-Quanten-Sicherheit ist das sichere Vorgehen. Es ist das strategisch verantwortungsvolle Vorgehen. Es ist das klarste Signal, das wir senden können, dass Ethereum vorhat, in 50, 100 und 1'000 Jahren noch zu existieren." - EF Protocol, Ethereum Foundation Protocol Cluster

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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