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    Das Ethereum Glamsterdam Upgrade ist der grösste Hard Fork seit dem Merge: ePBS und parallele Verarbeitung steigern den Durchsatz.

    Ethereum Glamsterdam Upgrade: Der grösste Hard Fork der Jahres erklärt

    von Redaktion cvj.ch am 19. Juni 2026 Hintergrund

    Ethereum bereitet mit dem Glamsterdam Upgrade den grössten Hard Fork seit dem Merge vor. Die Gas-Kosten sollen dabei deutlich sinken, die Mainnet-Aktivierung ist für das dritte Quartal 2026 angepeilt.

    Glamsterdam ist ein koordinierter Hard Fork, der Ethereums Konsensschicht und Ausführungsschicht gleichzeitig aktualisiert. Der Name kombiniert die beiden zentralen Bestandteile: „Gloas" steht für die Consensus Layer, „Amsterdam" hingegen für die Execution Layer. Das Upgrade folgt auf Fusaka vom Dezember 2025 und Pectra vom Mai 2025, die beide die technischen Grundlagen schufen. Zuvor war der Merge im September 2022 das letzte vergleichbar tiefgreifende Layer-1-Upgrade, als Ethereum auf Proof of Stake umstieg. Entwickler stufen Glamsterdam entsprechend als wahrscheinlich grössten Fork seit dem Merge ein. Ursprünglich für eine frühere Phase geplant, schloss das Devnet „Soldøgn" im Mai 2026 erfolgreich ab, womit die Teams alle geplanten EIPs getestet haben. Vor der Mainnet-Aktivierung folgen jedoch noch die öffentlichen Testnets Sepolia und Hoodi.

    Enshrined Proposer-Builder Separation: Warum ePBS die Blockproduktion neu ordnet

    Heute entstehen über 88% aller Ethereum-Blöcke ausserhalb des Protokolls. Verantwortlich dafür ist MEV-Boost, eine Off-Chain-Software, die Block-Proposer mit spezialisierten Block-Buildern über externe Relais verbindet. Diese Bauer optimieren die Reihenfolge der Transaktionen, um zusätzliche Erträge aus sogenannter Maximal Extractable Value (MEV) zu erzielen. Die hohe Abhängigkeit von wenigen externen Relais gilt allerdings als Zentralisierungsrisiko für ein Netzwerk, das eigentlich dezentral arbeiten soll. Somit steht genau diese Konzentration der Blockproduktion im Zentrum der Kritik an der heutigen Architektur.

    EIP-7732 setzt an diesem Punkt an und integriert die Trennung von Block-Proposer und Block-Builder direkt ins Ethereum-Protokoll. Protokollgestützte Bieter-Commitments ersetzen folglich die Off-Chain-Relais und kommen ohne vertrauenswürdige Mittelsmänner aus. Gleichzeitig erweitert das Upgrade das Datenabruf-Zeitfenster für Validatoren von zwei auf rund neun Sekunden. Diese längere Frist verschafft Validatoren mehr Zeit, den ePBS-Payload abzurufen und zu verarbeiten. Dadurch sinkt schliesslich die technische Hürde, einen Block selbst zu validieren, statt sich auf externe Anbieter zu verlassen.

    Flankierende EIPs schliessen die verbleibenden Lücken. EIP-7805 führt durch die Fork-Choice abgesicherte Inclusion Lists ein, die Validatoren gegen Zensur einzelner Transaktionen wappnen. EIP-8045 schliesst ferner geslashte Validatoren vom Vorschlagen neuer Blöcke aus. Die Entwickler testen die Komponenten derzeit gebündelt.

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    Ethereum Glamsterdam Upgrade zur parallelen Verarbeitung

    Der zweite Kernbaustein ist EIP-7928, bekannt als Block-Level Access Lists. Jeder Block deklariert dabei vorab, auf welche Konten und Smart-Contract-Daten er zugreifen wird. Nodes können die benötigten Daten somit parallel vorladen und Transaktionen parallel validieren, statt sie sequenziell abzuarbeiten. Diese Parallelisierung erlaubt zudem eine deutliche Anhebung des Gas-Limits von aktuell 60 Mio. auf angepeilte 200 Mio. Gas pro Block, was einem Faktor von rund 3.3 entspricht. Das Gas-Limit bestimmt, wie viel Rechenarbeit ein einzelner Block aufnehmen kann, und gilt damit als zentraler Hebel für den Durchsatz.

    Die Leistungsziele fallen entsprechend ambitioniert aus. Nach Modellberechnungen soll der Durchsatz auf rund 10'000 Transaktionen pro Sekunde steigen. Einfache ETH-Transfers sollen ebenfalls günstiger werden, nach denselben Berechnungen um bis zu 71%, und auch komplexe Smart-Contract-Aufrufe verlieren spürbar an Kosten. Diese Werte beruhen jedoch auf theoretischen Modellen unter optimalen Bedingungen und sind keine garantierten Resultate. Letztlich hängt die tatsächliche Entlastung in der Praxis von der Auslastung des Netzwerks und der Art der Transaktionen ab.

    An anderer Stelle entsteht ein bewusster Zielkonflikt. EIP-7904 passt die Gas-Kosten auf Basis von Client-Benchmarks an: Rechenoperationen werden günstiger, das Speichern von Zustandsdaten hingegen teurer. EIP-8011 trennt die Gas-Messung weiterhin in die Dimensionen Berechnung, Speicher und Bandbreite, während die EIPs 8032, 8037 und 8038 die Kosten für State-Erstellung und State-Zugriff weiter anheben. Damit verschieben sich die Anreize, Daten direkt auf der Blockchain zu speichern. Die Repricing-Logik soll die Belastung der Nodes somit gleichmässiger über die verschiedenen Ressourcen verteilen.

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    Testnet-Fahrplan: Von Soldøgn zum Mainnet-Start im dritten Quartal 2026

    Das Devnet „Soldøgn" markiert die erste abgeschlossene Phase. Die Entwickler schlossen es Anfang Mai 2026 erfolgreich ab und validierten ebenso alle geplanten Glamsterdam-EIPs in einem privaten Testnetz. Damit liegt der technische Grundstein vor, auch wenn die Härtung des Codes weiterläuft. Solche Devnets dienen dazu, das Zusammenspiel der Änderungen zu prüfen, bevor reale Werte im Spiel sind.

    Als nächster Schritt folgen die öffentlichen Testnets Sepolia und Hoodi, bevor das Upgrade das Mainnet erreicht. Die Ethereum Foundation hat allerdings kein fixes Datum kommuniziert, weshalb alle Zeitangaben Entwickler-Schätzungen bleiben. Ursprünglich nannten Quellen Juni 2026, doch nach dem Abschluss von „Soldøgn" und den noch ausstehenden öffentlichen Testnets erscheint das dritte Quartal 2026 realistischer. Angepeilt ist konkret Ende August 2026. Später soll mit Hegotá zudem bereits das nächste Upgrade folgen, das die Entwickler für die zweite Jahreshälfte 2026 planen.

    Was ETH-Inhaber, Validatoren und Entwickler jetzt wissen müssen

    Für ETH-Inhaber ändert sich nichts. Guthaben und Wallets bleiben unverändert, und es sind ebenfalls keinerlei Massnahmen nötig. Ein Hard Fork aktualisiert die Regeln des Protokolls, nicht die Bestände der Nutzer. Wer ETH lediglich hält, muss daher weder Software installieren noch Transaktionen vornehmen.

    Anders sieht es für Validatoren und Node-Betreiber aus. Sie müssen vor der Mainnet-Aktivierung sowohl ihre Consensus-Layer- als auch ihre Execution-Layer-Clients aktualisieren. Zudem sollten sie ihre IOPS-Kapazität prüfen, da die parallele Verarbeitung deutlich mehr gleichzeitige Disk-Zugriffe erzeugt. Wer diese Anforderungen ignoriert, riskiert hingegen nach dem Fork den Anschluss ans Netzwerk. Gerade die höheren Hardware-Anforderungen dürften für kleinere Betreiber relevant werden.

    Smart-Contract-Entwickler stehen schliesslich vor verschobenen Design-Anreizen. Da die Kosten für State-Erstellung steigen, wird das Speichern von Daten direkt auf der Blockchain teurer. Auffällig ist die strategische Stossrichtung: Anders als Dencun im März 2024, das primär Layer-2 über Blob-Transaktionen verbilligte, adressiert Glamsterdam die Layer-1-Skalierung jedoch direkt. Damit rückt die Basisschicht von Ethereum nach Jahren wieder ins Zentrum der Entwicklung.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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