Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Der Bärenmarkt fordert seinen Tribut auf der Anbieterseite. Die globale Handelsplattform BitMart stellt nach neun Jahren den Betrieb ein. Gründer Sheldon Xia hatte die Börse 2017 aufgebaut, ab 2018 lief der öffentliche Handel mit Kryptowährungen, Derivaten und Altcoins. 2021 erlitt die Plattform einen Hack ihrer Hot Wallets, der Schaden lag bei 196 Mio. USD. Diese Woche stoppte das Unternehmen Neuregistrierungen, Einzahlungen und Handelsorders. Ende August wird der Handel eingestellt, Ende Januar 2027 geht die Plattform endgültig vom Netz. Kunden bleibt damit ein Fenster von rund fünf Monaten. Wer seinen Auszahlungsantrag nicht bis Ende August stellt, muss ein separates Verfahren mit zusätzlichen Dokumenten durchlaufen. Die offizielle Begründung bleibt vage und verweist auf Betriebsbedingungen, Marktumfeld und strategische Ausrichtung. Doch BitMart ist kein Einzelfall: Innerhalb eines Monats zogen sich mit AscendEX, BitMEX und BitMart drei grössere Börsen zurück. Über 30 Krypto-Projekte stellten dieses Jahr bereits den Betrieb ein, was den Druck des Bärenmarkts auf etablierte Geschäftsmodelle unterstreicht.
BitMart schliesst die globale Handelsplattform, der Handel endet am 26. August 2026 und der BMX-Token verlor rund 58 Prozent.
Brüssel verbietet EU-Bürgern Geschäfte mit Justin Suns HTX
Nicht nur der Markt setzt Handelsplattformen unter Druck, auch die Aufsicht greift durch. Die EU hat die Krypto-Börse HTX in ihr 21. Sanktionspaket gegen Russland aufgenommen. HTX zählt zu den weltgrössten Handelsplattformen und wurde 2013 in China als Huobi gegründet. 2022 übernahm der in Hongkong ansässige Milliardär Justin Sun die Mehrheit, ein Jahr später folgte die Umbenennung. Von den Santkionen betroffen sind insgesamt 18 Krypto-Unternehmen, 14 davon betreiben Handels- oder Zahlungsplattformen. Ihre Sitze liegen in Georgien, Panama, den VAE, auf den Marshallinseln sowie in Kirgistan und Belarus. Für EU-Bürger und -Unternehmen gilt künftig ein Transaktionsverbot, die Vermögenswerte werden aber nicht vollständig eingefroren. Wirksam wird die Massnahme rund einen Monat nach der Annahme. Grossbritannien hatte HTX bereits im Frühjahr auf die gesperrte Liste gesetzt. Die Börse betont, regulatorische Compliance habe höchste Priorität. Die Wirkung bleibt dennoch fraglich: Nach den britischen Sanktionen beobachteten Analysten Wallet-Rotationen über TRON, Ethereum, BNB Smart Chain und Solana.
Das 21. EU-Sanktionspaket gegen Russland belegt HTX und 17 weitere Krypto-Dienstleister mit einem Transaktionsverbot für EU-Bürger.
Über 100 Ökosystem-Akteure finanzieren Ethereums Brücke zu den Banken
Während Regulatoren einzelne Plattformen ins Visier nehmen, organisiert das Ethereum-Ökosystem seinen eigenen Zugang zur Finanzbranche. Die Non-Profit-Organisation Ethereum Institutional hat ihre erste Finanzierungsrunde abgeschlossen. Über 100 Unterstützer beteiligten sich, angeführt von BitMine, SharpLink und den Ethereum-Mitgründern Joe Lubin und Mihai Alisie. Die Höhe der Finanzierung wurde nicht offengelegt. Die Liste der Beteiligten reicht von DeFi-Protokollen wie Aave, Compound und Uniswap über Infrastrukturanbieter wie Circle, Chainlink und Fireblocks bis zu regulierten Akteuren wie 21Shares, Galaxy und Robinhood. Auch Layer-2-Netzwerke wie Arbitrum, Optimism und Linea sowie Datendienste wie Dune und Etherscan sind vertreten. Die Organisation versteht sich als neutraler Vermittler zwischen dem öffentlichen Ethereum-Netzwerk und traditionellen Finanzinstituten. Adressiert werden Banken, Asset Manager, Verwahrer und Regulatoren. Im Fokus stehen Tokenisierung, Stablecoins, Collateral-Systeme und die Marktinfrastruktur On-Chain. Ethereum Institutional ist eine von drei Ausgründungen der Ethereum Foundation. Daneben stehen Ethlabs für die Protokollforschung und das gewinnorientierte EthSystems mit Privacy-Fokus.
Über 100 Unterstützer aus DeFi, Custody und Layer-2 tragen gemeinsam die erste Finanzierungsrunde von Ethereum Institutional mit.
Crypto.com bringt Wallet-Zahlungen in die Emirates-Buchungsstrecke
Die Fluggesellschaft Emirates hat diese Woche den Dienst Crypto.com Pay in ihre Buchungsplattform integriert. Kunden wählen die Option am Checkout, scannen einen QR-Code oder geben die Zahlung in der Crypto.com-App frei. Die Mittel fliessen direkt aus dem Wallet-Guthaben, Kreditkarte oder Banküberweisung entfallen. Vorerst steht das Angebot nur Einwohnern der VAE offen, zudem müssen Buchungen in Dirham ausgepreist sein. Möglich wird der Start durch die Regulierung: Die Dubaier Tochter von Crypto.com hält seit dem Frühjahr eine Lizenz für Stored Value Facilities der VAE-Zentralbank. Sie ist damit der erste Krypto-Dienstleister des Landes mit dieser Bewilligung und rechnet die Beträge vor der Weiterleitung an Emirates in Dirham um. Kryptowährungen im Reisesektor sind aber nicht neu, airBaltic akzeptiert Bitcoin seit 2014. Neu ist die native Einbettung in eine Buchungsplattform über regulierte Infrastruktur. Schliesslich will Dubai mit seiner Cashless Strategie bis Ende Jahr 90% aller Transaktionen digital abwickeln.
Die SparkKitty Malware sucht seit mindestens Februar 2024 in Fotogalerien von iOS- und Android-Nutzern nach Krypto-Seed-Phrasen.
Kaspersky findet Trojaner, die Fotogalerien nach Wallet-Backups durchsuchen
Ausserdem: Das Cybersicherheitsunternehmen Kaspersky warnt vor einer Malware-Familie, die es gezielt auf Krypto-Nutzer abgesehen hat. SparkKitty und der verwandte Schädling SparkCat verstecken sich in unauffälligen Apps für iOS und Android. Nach der Installation greifen sie auf die Fotogalerie zu und laden Bilder auf externe Server. Das eigentliche Ziel sind Screenshots von Wallet-Recovery-Phrasen. SparkCat stuften die Forscher Anfang 2025 als ersten bekannten OCR-Trojaner im Apple App Store ein, SparkKitty ist seit mindestens Anfang 2024 aktiv. Im Frühjahr tauchte eine neue Variante auf, die erstmals englischsprachige Mnemonic-Phrasen erkennt. Betroffen waren unter anderem der Messenger SOEX mit über 10’000 Installationen bei Google Play sowie mehrere Apps im App Store. Verbreitet wird die Schadsoftware zusätzlich über manipulierte TikTok-Klone und Enterprise-Profile auf iOS. Der Schutz dagegen ist simpel: Seed-Phrasen gehören nie als Foto auf ein Smartphone. Bestehende Screenshots sollten gelöscht und grössere Guthaben auf Hardware-Wallets verwahrt werden.
Mit Crypto.com Pay zahlen berechtigte UAE-Ansässige ihre Emirates-Flugtickets neu in Dirham direkt aus dem eigenen Krypto-Wallet.







