Die Aktionäre von Armada Acquisition Corp. II stimmen am 30. September über die Fusion mit Evernorth ab. Bei Zustimmung notiert die grösste institutionelle XRP-Treasury künftig unter dem Ticker XRPN an der Nasdaq.
Evernorth ist eine aktiv gemanagte Treasury-Gesellschaft. Sie hält XRP-Bestände und setzt sie über Ertragsstrategien, Infrastruktur-Beteiligungen und Kapitalmarktaktivitäten ein. Das erklärte Ziel ist, den XRP-Anteil je Aktie über die Zeit zu erhöhen. Ein passives Krypto-ETP bildet hingegen nur den Kurs ab. Der Weg an die Börse führt allerdings nicht über einen klassischen Börsengang. Stattdessen fusioniert Evernorth mit einer bereits kotierten SPAC. Armada Acquisition Corp. II sammelte dafür im Mai 2025 rund 230 Mio. USD ein. Die US-Börsenaufsicht SEC erklärte die Registrierungserklärung schliesslich im August 2026 für wirksam. Evernorth hält derzeit rund 473 Mio. XRP, per 28. September 2026 rund 714 Mio. USD wert. Kapital dafür kam zuvor von Ripple, SBI Holdings, Pantera Capital, Kraken und Arrington Capital.
Was die Armada-Aktionäre am 30. September entscheiden
Armada Acquisition Corp. II ist eine börsenkotierte Mantelgesellschaft ohne operatives Geschäft. Solche SPACs sammeln zunächst Kapital ein und suchen danach ein Übernahmeziel. Das eingesammelte Geld liegt vorab auf einem Treuhandkonto. Stimmberechtigt sind ausserdem nur Aktionäre, die am 20. August 2026 im Register standen. Wer seine Anteile lieber zurückgeben wollte, musste dafür die Rückgabefrist nutzen. Sie lief zwei Börsentage vor der Abstimmung ab, am 28. September. Bei einer Rückgabe fliesst der Treuhandanteil an den Aktionär zurück, statt in die fusionierte Gesellschaft zu wandern. Rückgaben mindern somit das Kapital, das nach dem Vollzug für XRP-Käufe bereitsteht.
Zur Abstimmung steht allerdings nicht nur die Fusion selbst. Die Aktionäre votieren gleichzeitig über eine Ermächtigung zur Ausgabe von bis zu 10 Mrd. Aktien. Bindend ist dieser Beschluss nicht. Das Ziel dahinter ist, den XRP-Anteil je Aktie letztlich zu steigern. Treasury-Gesellschaften finanzieren ihre Käufe üblicherweise über neue Aktien und Anleihen. Beschlossen ist damit jedoch nur ein Rahmen, keine Ausschöpfung.
Das Fusionsdokument bei der SEC beziffert allein die erste Finanzierungstranche auf rund 214 Mio. USD plus 600'000 XRP. Dazu kommt eine spätere Tranche von 10.5 Mio. USD. Ferner bringen Sponsor, Ripple und eine nahestehende Partei XRP als Sacheinlage ein. Den öffentlichen Aktionären sollen nach Vollzug rund 48.5% der Evernorth-Class-A-Aktien verbleiben. Diese Quote setzt jedoch voraus, dass niemand zurückgibt. Sie steht folglich erst nach dem Stichtag fest. Den Vollzug erwarten beide Seiten später im vierten Quartal 2026. Bis dahin bleibt Evernorth ein privates Unternehmen.
Die SEC-Freigabe ist keine Bewertung von XRP
Am 27. August 2026 erklärte die SEC die Registrierungserklärung Form S-4 für wirksam. Dieses Formular registriert zunächst Aktien, die bei einer Fusion neu ausgegeben werden. Ohne wirksame Registrierung darf ein Emittent die Papiere nicht öffentlich anbieten. Erst danach durfte Armada die Abstimmungsunterlagen verschicken. Eine inhaltliche Genehmigung ist die Wirksamerklärung hingegen nicht. Die Behörde bewertet weder die Fusion noch das Geschäftsmodell von Evernorth. XRP als Anlage bewertet sie ebenfalls nicht. Diese Trennung steht ausdrücklich in den Unterlagen.
Die Abgrenzung hat bei XRP eine eigene Vorgeschichte. Ursprünglich verklagte die SEC Ripple Labs 2020 wegen des Verkaufs von XRP als angeblich unregistrierte Wertpapiere. Der Rechtsstreit prägte die regulatorische Wahrnehmung des Tokens in den USA über Jahre. Seither liest der Markt jede Berührung zwischen Behörde und Token besonders genau. Ein formaler Verfahrensschritt gilt deshalb schnell als Freibrief. Anleger tragen das Urteil über das Geschäftsmodell somit weiter selbst.
Für den Ablauf bleibt die Wirksamerklärung dennoch die entscheidende Voraussetzung. Ohne sie wäre der Termin am 30. September nicht zu halten gewesen. Evernorth könnte die neuen Aktien dann nicht öffentlich ausgeben. Die verbleibenden Hürden sind daher nicht mehr aufsichtsrechtlich. Sie liegen bei den Aktionären und beim Kapitalmarkt. Ein Scheitern der Abstimmung würde ausserdem die jüngste Finanzierung zurückwerfen.
Zusätzliche 30 Mio. USD über wandelbare Anleihen
Mitte September sicherte sich Evernorth weitere 30 Mio. USD. Das Kapital kommt über vorrangige Wandelanleihen mit 4% Verzinsung und Fälligkeit 2031. Wandelanleihen sind Fremdkapital mit dem Recht, später in Aktien zu tauschen. Vorrangig heisst zudem, dass die Gläubiger im Insolvenzfall vor den Aktionären stehen. Die Zinsen fliessen hier nicht bar, sondern in Form weiterer Anleihen. Diese Payment-in-Kind-Struktur schont die Liquidität des Emittenten. Gegenpartei ist NH Investment & Securities als Treuhänderin eines südkoreanischen Kyobo-AIM-Fonds.
Wandelbar sind die Papiere ab einem Jahr Laufzeit. Der Wandlungspreis liegt bei rund 10.20 USD je Aktie. Je 1'000 USD Nominalwert entstehen daher 98.04 Class-A-Aktien. Bei einer Wandlung verwässern diese Aktien schliesslich die bestehenden Eigentümer. Die Ausgabe ist gleichzeitig an den Vollzug der Fusion geknüpft. Scheitert die Abstimmung, entfallen die Anleihen. Als Verwendungszweck nennt die Meldung bei der SEC allgemeine Unternehmenszwecke, einschliesslich des Erwerbs von XRP. Ein Teil des Geldes fliesst also direkt in den Token.
Gemessen an der bisherigen Finanzierung ist der Betrag vergleichsweise klein. Evernorth hatte zuvor bereits über 1 Mrd. USD an Bruttoerlösen gesichert. Die neuen 30 Mio. USD entsprechen damit rund drei Prozent der bisherigen Summe. Dahinter stehen unter anderem Ripple, SBI Holdings, Pantera Capital, Kraken und Arrington Capital. Die neue Tranche verschiebt die Grössenordnung insgesamt kaum. Sie erweitert den Kreis der Kapitalgeber um eine institutionelle Adresse aus Südkorea. Auffällig ist der Zeitpunkt kurz vor der Abstimmung.
Evernorth folgt dem Bitcoin-Treasury-Modell für XRP
Das Modell der Krypto-Treasury-Gesellschaft hat ursprünglich MicroStrategy geprägt, heute Strategy. Der Konzern kaufte Bitcoin auf die eigene Bilanz und machte den Bestand über die Aktie handelbar. Vergleichbare Vehikel entstanden ebenso für Ethereum und Solana. Für XRP wäre Evernorth die grösste institutionelle Treasury dieser Art. Der Anspruch geht dabei über reines Halten hinaus. Ertragsstrategien, Infrastruktur-Beteiligungen und Kapitalmarktaktivitäten sollen den XRP-Anteil je Aktie steigern.
Der Nutzen liegt aus institutioneller Sicht in der Verpackung. Direkter Besitz von Kryptowährungen verlangt Custody, Compliance, Prüfungspflichten, Versicherung und interne Kontrollen. Viele Vermögensverwalter scheuen diesen Aufwand deswegen. Eine an der Nasdaq kotierte Aktie umgeht diese Hürden. Der Zugang zu XRP läuft dann über ein vertrautes Wertpapier. Nicht zuletzt wirbt Evernorth genau mit diesem Argument um institutionelle Käufer.







