Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Der Clarity Act ist diese Woche im US-Senat gescheitert. Die Verfahrensabstimmung endete 49 zu 50, elf Stimmen unter der nötigen Schwelle von 60. Das Gesetz sollte die Aufsicht über Krypto-Assets zwischen SEC und CFTC aufteilen. Somit entstünde erstmals ein bundesweiter Rahmen für Handelsplätze, Broker und Emittenten. Gescheitert ist die Vorlage jedoch nicht am Inhalt, sondern an einem Streit über Ethikregeln. Zwar wollten die Republikaner Amtsträger zwingen, grosse Beteiligungen zu verkaufen oder in einen Blind Trust zu geben. Doch den Demokraten reichte das nicht, denn über eine Klage gegen den Präsidenten müsste dessen eigenes Justizministerium entscheiden. Ausserdem kam der Nachtrag zwei Tage vor der Abstimmung deutlich zu spät. Trumps Offenlegung weist für das Vorjahr über 1.4 Milliarden USD aus Krypto-Geschäften aus. Deshalb stimmte die ganze Fraktion mit Nein, dazu kamen vier Republikaner. Bis Ende Jahr gilt die Vorlage als blockiert, weil der Senat vor den Zwischenwahlen in die Kampagnenphase geht. Für die Branche ist das ein deutlicher Rückschritt.
Die Verfahrensabstimmung zum Clarity Act verfehlte im Senat die 60er-Schwelle, vier Republikaner stimmten gegen die eigene Fraktion.
SEC-Chef Atkins öffnet Tore für tokenisierten Aktienhandel
Wo der Gesetzgeber scheitert, handelt nun die Aufsicht. Nur zwei Tage nach der Abstimmung erliess die SEC eine befristete Innovation Exemption. Sie erlaubt Plattformen den Handel mit tokenisierten US-Aktien über automatische Liquiditätspools. Eine Registrierung als Börse oder Händler entfällt dabei. Die Token bilden dieselben Rechte ab wie das Original, Dividenden und Stimmrechte eingeschlossen. Zudem muss der Betreiber das nachweisen, und die Zahl der Symbole bleibt begrenzt. Die Regel gilt fünf Jahre und gehört zu Project Crypto, der Initiative von SEC-Chef Paul Atkins. Nasdaq, NYSE und die CME Group warnen jedoch vor einem Zwei-Klassen-System. Denn dieselbe Aktie liefe an der Börse unter strengen Regeln, auf einer Plattform unter lockeren. Eine Ausnahme der Behörde lässt sich allerdings jederzeit zurücknehmen, ein Gesetz nicht.Die SEC befreit tokenisierte Handelsplätze mit der Innovation Exemption fünf Jahre lang von Börsen- und Händlerregistrierung.
Ein Anruf in Athen kostet Binance den EU-Zugang
Über den Marktzugang in Europa entscheidet offenbar nicht nur die Aufsicht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde soll persönlich interveniert haben, damit Binance keine MiCA-Lizenz erhält. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf anonyme Quellen. Die EU-Verordnung MiCA öffnet mit einer einzigen nationalen Zulassung alle 27 Märkte. Binance stellte den Antrag im Januar in Griechenland. Ende Mai galt die Genehmigung als sicher, die Börse plante bereits einen Fototermin mit dem Premierminister. Anfang Juni soll die Aufsicht dann erklärt haben, ohne politische Rückendeckung gehe es nicht weiter. Die griechische Behörde weist das zurück und beruft sich auf eine unabhängige Prüfung. Aus der EZB kommt keine Stellungnahme, denn formal hat sie unter MiCA keine Zuständigkeit. Binance zog den Antrag im Juni zurück und hält bis heute in keinem EU-Land eine Lizenz. Folglich verloren Millionen von europäischen Kunden im Sommer ihren Zugang.Laut WSJ-Bericht soll Lagarde die Binance-Lizenz in Griechenland gestoppt haben. Die HCMC bestreitet das, die EZB äussert sich nicht.
Revolut greift mit 150 Mio. CHF die Schweizer Banken an
Revolut hat diese Woche bei der FINMA eine Banklizenz beantragt. Die britische Fintech-App startete einst für günstige Reisezahlungen, heute bündelt sie Konto, Karte, Wertschriften und Krypto. Hierzulande läuft das Geschäft bisher über die litauische Einheit, in Zürich besteht nur ein Repräsentativbüro. Mit einer eigenen Lizenz könnte Revolut Lohnkonten mit Schweizer IBAN führen, dazu käme die Einlagensicherung. Auf der Prüfliste stehen zudem Säule-3a-Produkte, Zahlungen für Händler und ein Twint-Angebot. Das Unternehmen zählt hier 1.3 Millionen Kunden und führt damit den Neobank-Markt an. Yuh kommt hingegen auf rund 400’000, Neon auf rund 250’000. In den nächsten fünf Jahren will Revolut über 150 Millionen CHF investieren. Ein Entscheid der Behörde steht allerdings aus, einen Zeitplan nannte bisher niemand.Die FINMA prüft Revoluts Gesuch für eine Schweizer Banklizenz mit Lohnkonten, IBAN und Einlagensicherung für 1.3 Millionen Kunden.
Kaiko holt sich Banken und Börsen als Investoren
Ausserdem: Der Krypto-Marktdatenanbieter Kaiko hat seine Series-B-Runde auf 110 Millionen USD erweitert. Angeführt hat sie S&P Global, dazu kamen BNP Paribas, Nasdaq Ventures, die Royal Bank of Canada und Coinbase Ventures. Kaiko sammelt Preis- und Handelsdaten von Börsen und Protokollen und liefert sie an Banken, Vermögensverwalter und Aufsichtsbehörden. Die Funktion ähnelt einem Bloomberg-Terminal, nur für digitale Werte. Das Unternehmen entstand 2014 in Frankreich und sitzt in Paris, über 250 Finanzfirmen beziehen die Daten. Formal ist dies keine neue Runde, sondern eine Erweiterung der bestehenden Series B von 2022. Damals kamen 53 Millionen USD zusammen, also weniger als die Hälfte. Der Einstieg passt jedoch zur bisherigen Nähe, denn im September lancierten beide gemeinsam eine Indexreihe. Zugekauft hat Kaiko zudem im Frühjahr den Wettbewerber Amberdata. Auch der Genfer Anbieter Taurus speist die Preisdaten seit Ende 2025 in seine Bankenplattform ein.S&P Global führt die Erweiterung von Kaikos Series B auf 110 Mio. USD an, gemeinsam mit BNP Paribas, Nasdaq und Coinbase Ventures.








