Revolut hat bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA eine Banklizenz für die Schweiz beantragt. Aus dem Zürcher Repräsentativbüro soll eine vollwertige Bank mit Schweizer IBAN werden.
Revolut ist eine britische Fintech-App, ursprünglich gestartet für günstige Reisezahlungen und Devisenwechsel. Inzwischen bündelt die App Konto, Kartenzahlung, Wertschriftenhandel und Krypto-Dienste auf einer Oberfläche. In der Schweiz operiert der Anbieter bislang über die litauische Revolut Bank UAB samt Revolut Securities Europe UAB. Zunächst genehmigte die Aufsicht im Januar 2024 ein Repräsentativbüro in Zürich, das im Juli 2024 den Betrieb aufnahm. Eigenständiges Schweizer Bankgeschäft deckt diese Bewilligung jedoch nicht ab. Hierzulande zählt das Unternehmen 1.3 Millionen Kunden, rund 240'000 davon kamen im Geschäftsjahr 2025 dazu. Zudem will Revolut in den nächsten fünf Jahren über 150 Millionen Franken in den Schweizer Markt investieren.
Was die Banklizenz für Revoluts Schweizer Kunden ändert
Die FINMA beaufsichtigt Banken, Versicherer und Finanzdienstleister in der Schweiz und erteilt sämtliche Bankbewilligungen. Mit einer eigenen Lizenz könnte Revolut Lohnkonten mit Schweizer IBAN führen. Ebenso käme die schweizerische Einlagensicherung hinzu. Heute laufen die Konten Schweizer Nutzer über die litauische Einheit, also über eine ausländische Bankbewilligung. Daher berührt der Entscheid Lohnzahlungen, Daueraufträge und die Frage, welcher Aufsicht die Einlagen unterstehen.
Weitere Dienste stehen bereits auf der Prüfliste. Dazu zählen die Zahlungsabwicklung für Händler, Säule-3a-Produkte sowie ein Twint-Angebot. Die Säule 3a bezeichnet die steuerlich begünstigte private Vorsorge in der Schweiz. Ob diese Produkte kommen, hängt allerdings am Entscheid der Aufsicht. Die Behörde prüft den Antrag derzeit, ein Ergebnis steht weiterhin aus. Einen Zeitplan nannte bislang niemand.
Die angekündigten 150 Millionen Franken sollen in neue Produkte und lokale Arbeitsplätze fliessen. Ebenfalls vorgesehen ist der Ausbau von Verwaltungsrat und Führungsebene. Schliesslich verlangt eine Schweizer Bank eigene Leitungs- und Kontrollorgane im Inland. Derzeit arbeiten in Zürich rund 30 Angestellte für Revolut, die Schweizer Einheit führt General Manager Julian Biegmann. Er stellt eine Verdreifachung des Personalbestands bis Ende kommenden Jahres in Aussicht.
"Revolut ist bereits das führende Fintech in der Schweiz. Mit einer eigenen Banklizenz würden wir zu einer echten Schweizer Bank, die ihren mehr als 1.3 Millionen Kunden das Revolut-Bankprodukt mit Schweizer Note bietet." - Julian Biegmann, General Manager
Revolut ist längst die grösste Neobank der Schweiz
Mit 1.3 Millionen Kunden führt Revolut den Schweizer Neobank-Markt an. Neobanken sind Anbieter ohne Filialnetz, die Konto und Karte über das Smartphone bereitstellen. Yuh kommt hingegen auf rund 400'000 Kunden, Neon auf rund 250'000. Zusammen erreichen die beiden inländischen Anbieter damit rund die Hälfte der Revolut-Basis.
Allein im Geschäftsjahr 2025 kamen rund 240'000 Kunden hinzu. Damit reicht der Zuwachs eines einzigen Jahres fast an die gesamte Kundenzahl von Neon heran. Der Markteintritt über eine Zahlungs-App hat dem Anbieter somit eine Basis verschafft, die kein inländischer Wettbewerber erreicht.
International wiederholt sich dieses Muster. Banklizenzen besitzt die Gruppe bereits in Grossbritannien, Litauen und Frankreich. Die britische Bewilligung folgte im März 2026, die französische später im August. In den USA erteilte die Bankenbehörde OCC ausserdem eine bedingte Genehmigung für eine National Bank Charter. Weltweit zählt Revolut über 80 Millionen Kunden. Nach eigenen Angaben operiert das Unternehmen in mehr als 30 von 40 Märkten als lizenzierte Bank. Der Schweizer Antrag folgt insgesamt einer Linie, die seit Jahren läuft.
Sygnum und AMINA prägen den Schweizer Krypto-Bankenmarkt bereits
Der Schweizer Markt für Krypto-Banking ist besetzt. Ursprünglich erhielten Sygnum und SEBA, heute AMINA Bank, im August 2019 die ersten FINMA-Banklizenzen mit Fokus auf digitale Vermögenswerte. Sygnum verwaltete 2024 rund 4.5 Milliarden an Kundenvermögen und wies ein positives EBITDA von 8.1 Millionen Franken aus. AMINA kam auf rund 3.5 Milliarden Franken und peilt die Profitabilität spätestens 2026 an.
Gleichzeitig baut der Gesetzgeber das Regelwerk um. Der Bundesrat eröffnete im Oktober 2025 die Vernehmlassung zu einer FINIG-Revision, die Frist lief bis zum 6. Februar 2026. Die Vorlage sieht zwei neue Lizenzkategorien für den Krypto-Sektor vor, angelehnt an das europäische CASP-Regime. Eine der beiden Kategorien ersetzt die bisherige Fintech-Lizenz und erlaubt ausserdem die Ausgabe von Stablecoins. In Kraft treten dürften sie frühestens 2027. Bereits in Kraft ist die FINMA-Aufsichtsmitteilung 01/2026 vom Januar. Sie erlaubt die Delegation der Krypto-Verwahrung an ausländische Dritte nur bei äquivalenter Aufsicht und vergleichbarem Insolvenzschutz.
Auch etablierte Institute haben nachgezogen. Die Zürcher Kantonalbank bietet seit 2024 Handel und Verwahrung von Bitcoin und Ethereum an. PostFinance öffnete den Krypto-Zugang ebenfalls für Retail-Kunden. Die ZKB arbeitet dafür mit der Crypto Finance AG, PostFinance wickelt über Sygnum ab. Nicht zuletzt kündigte ein Bankenkonsortium im April 2026 eine Testumgebung für einen CHF-Stablecoin an. Dahinter stehen UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank, Banque Cantonale Vaudoise und Swiss Stablecoin AG. Ein Neuzugang mit Banklizenz träfe daher auf ein Feld, das digitale Vermögenswerte längst abdeckt.








