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    Isabel Schnabel von der EZB legte in London drei Modelle für Zentralbankgeld onchain vor, von direkter Ausgabe bis zu privaten Token.

    EZB sieht drei Wege zu digitalem Zentralbankgeld (CBDC)

    0
    von Redaktion cvj.ch am 5. Oktober 2026 News

    Isabel Schnabel aus dem Direktorium der EZB hat in London drei Modelle präsentiert, wie Zentralbankgeld auf der Blockchain verfügbar werden kann. Im dritten Modell gibt ein privater Intermediär Settlement-Token aus, die vollständig durch Zentralbankreserven gedeckt sind, jedoch eine private Forderung bleiben.

    Das Eurosystem besteht aus der EZB und den nationalen Notenbanken des Euroraums. Es führt die Konten, über die Banken ihre Zahlungen untereinander endgültig begleichen. Das Guthaben auf diesen Konten ist Zentralbankgeld und gilt deshalb als sichere Basis der Abwicklung. Bei der Tokenisierung wandern Vermögenswerte wie Anleihen oder Einlagen auf Blockchain-basierte Register, sogenannte DLT-Plattformen. Ungeklärt ist allerdings, in welcher Form das Zentralbankgeld dort ankommt. Schnabel präsentierte ihre Folien "Central banks on-chain" Anfang Oktober 2026 an der Bank of England. Anlass war die Konferenz "The Future of Money" zu Ehren von Charles Goodhart. Zehn Tage zuvor hatte das Eurosystem Pontes gestartet, die erste Initiative seines Programms für tokenisierte Finanzmärkte. Zum Start waren vier DLT-Betreiber angeschlossen: Axiology, Cashlink, Clearstream und SWIAT. Hinzu kommen 13 Marktteilnehmer sowie die Deutsche Bundesbank. Ferner soll die eigenständige Initiative Appia bis 2028 eine Blaupause für die langfristige Architektur liefern.

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    Drei Modelle für Zentralbankgeld auf der Blockchain

    Mit dem Schritt auf die Blockchain könnten Zentralbanken laut Schnabel auch die Umsetzung ihrer Geldpolitik modernisieren. Die drei Varianten unterscheiden sich darin, ob und durch wen die Reserven onchain abgebildet werden. Gemeint sind die Guthaben, die Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten. Im ersten Modell gibt die Zentralbank diese Guthaben direkt auf einer programmierbaren Plattform aus. Sie existieren dort also von Beginn an als Token. Das zweite Modell lässt hingegen das bestehende Echtzeit-Bruttoabwicklungssystem der Zentralbank, kurz RTGS, unangetastet. Die Reserven bleiben folglich in nicht tokenisierter Form. Eine Interoperabilitätsschicht verbindet stattdessen das RTGS mit der DLT-Plattform. Die Folien nennen als Verknüpfung einen Auslöser und einen sogenannten Hash-Link.

    Beim dritten Modell tokenisiert ein privater Intermediär Reserven, die selbst off-chain bei der Zentralbank verbleiben. Auf dieser Grundlage gibt er Settlement-Token aus, die vollständig durch Zentralbankreserven gedeckt sind. Für den Inhaber bleibt ein solcher Token trotzdem eine private Forderung und keine direkte Forderung gegen die Zentralbank. Diese Eigenschaft teilt keines der beiden anderen Modelle.

    Heute beruht das Geldsystem auf zwei Stufen. Kunden bezahlen mit Einlagen ihrer Geschäftsbank, während die Banken ihre Salden untereinander in Zentralbankgeld begleichen. Beide Geldformen stehen dabei im festen Verhältnis eins zu eins. Die öffentliche Stufe beschreibt die Folie ausserdem als sicher, vertrauenswürdig und skalierbar. Laut Schnabel lässt sich diese Struktur auch tokenisiert nachbilden, sofern Zentralbankgeld onchain bereitsteht. Neben den Reserven wären dann auch die Bankeinlagen tokenisiert, im unveränderten Verhältnis eins zu eins. Somit bliebe Zentralbankgeld unter dieser Bedingung der Kern der Abwicklung. Geschäftsbanken würden ihre Kunden weiterhin mit Geld und Finanzdienstleistungen versorgen.

    Atomare Abwicklung als Kernargument der EZB

    Tokenisierung ermöglicht nach Darstellung der EZB eine schnellere, sicherere und intelligentere Abwicklung. Zwei Eigenschaften tragen dieses Argument. Atomarität heisst, dass Zahlung und Wertpapier eines Geschäfts gemeinsam oder gar nicht den Besitzer wechseln. Keine Seite riskiert deshalb, zu liefern und leer auszugehen. Programmierbarkeit knüpft die Abwicklung zudem an festgelegte Regeln, die automatisch greifen. Eine Zahlung fliesst somit etwa erst, wenn eine vereinbarte Bedingung eintritt.

    Erklärtes Ziel der EZB ist es, die Ankerrolle des Zentralbankgelds auch in einer digitalisierten Welt zu bewahren. Eine Folie zeigt, wie moderne Zentralbanken Liquidität elastisch ausweiten können, um finanziellen Stress abzufedern. Sie stellt dafür zwei Grafiken gegenüber. Zunächst zeigt sie den Zins für täglich kündbare Kredite gegen Aktien an der New Yorker Börse während der Panik von 1907. Den Höchststand markiert die Folie am 24. Oktober 1907. Die Fed entstand erst 1913, eine US-Notenbank existierte damals also noch nicht. Daneben steht die Covid-19-Pandemie mit dem Reposatz am Geldmarkt und der Bilanzsumme der EZB in Prozent der Wirtschaftsleistung des Euroraums.

    Ausserdem könnte Tokenisierung laut der Präsentation die Finanzinfrastrukturen in Europa stärker integrieren. Auf DLT-Infrastruktur läge Zentralbankgeld dann neben tokenisierten Wertpapieren und Einlagen sowie Stablecoins. Als Abwicklungsvermögenswert gilt auf den Folien, was ein Empfänger zur endgültigen Begleichung einer Verbindlichkeit akzeptiert. Schnabel unterscheidet dabei öffentliche und private Varianten. Zu den öffentlichen zählt einerseits digitales Zentralbankgeld, für Privatkunden das Projekt digitaler Euro, für den Grosshandel Pontes und Appia. Auf der privaten Seite stehen andererseits tokenisierte Bankeinlagen und Stablecoins. Anleihen und Aktien in Tokenform ordnet die Folie allerdings den Handels- und Anlagewerten zu, ebenso Bitcoin und Ether als ungedeckte Kryptowerte.

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    Die zweigleisige DLT-Strategie des Eurosystems

    Das Eurosystem verfolgt eine zweigleisige Strategie, in der Pontes den kurzfristigen Teil übernimmt. Pontes bindet DLT-Plattformen an die TARGET-Dienste des Eurosystems an. Marktteilnehmer können folglich Grosshandelsgeschäfte in tokenisierten Vermögenswerten in Zentralbankgeld abwickeln. Laut Schnabels Folien kombiniert das System eine Brückenlösung mit einer eigenen DLT des Eurosystems. Die Abwicklung läuft wahlweise über T2, das bestehende RTGS, oder über DLT. Angebunden sind Markt-Netzwerke für tokenisierte Wertpapiere, Einlagen oder Stablecoins. Später sollen ein Betrieb rund um die Uhr und dezentrale Programmierbarkeit hinzukommen.

    Zu den 13 Marktteilnehmern gehören Deutsche Bank, Santander, Société Générale, KfW und die Europäische Investitionsbank. Ebenfalls dabei sind DZ Bank, Deka Bank, BayernLB, NRW.BANK und die Caisse des Dépôts et Consignations. ABANCA, Cecabank und Memo Bank vervollständigen die Liste. Weitere Teilnehmer sollen in den kommenden Monaten anschliessen.

    Appia deckt hingegen den langfristigen Teil ab. Das Eurosystem treibt das Projekt gemeinsam mit der Danmarks Nationalbank sowie Partnern aus Öffentlichkeit und Privatwirtschaft voran. Grundlage der Blaupause sind Experimente und Analysen. Welche Architekturen Appia untersucht, zeigt Schnabel auf einer eigenen Folie. Darunter sind ein einheitliches Ledger, verbundene Netzwerke aus Eurosystem-DLT und Markt-DLTs sowie mehrere gemeinsam genutzte Ledger. Die Grafik unterscheidet darin jeweils Grosshandels-Zentralbankgeld von Finanzwerten wie Wertpapieren, Einlagen und Stablecoins. Gleichzeitig arbeitet die EZB am digitalen Euro für Privatkunden, einem eigenen Projekt.

    Die EZB will eigene Mittel in tokenisierte Wertpapiere investieren

    Zeitgleich mit dem Pontes-Start kündigte die EZB an, selbst Nutzerin der Infrastruktur zu werden. Die Notenbank will einen kleinen Teil ihrer Eigenmittel in tokenisierte Wertpapiere investieren und über Pontes abwickeln. Zunächst stehen auf Euro lautende Papiere von Zentralstaaten, Regionalregierungen, Agenturen und supranationalen Institutionen im Fokus. Einen Betrag oder Zeitpunkt nannte sie jedoch nicht. Über die Details entscheidet letztlich das EZB-Direktorium, dem auch Schnabel angehört.

    In dieselbe Richtung weist eine Umfrage der Lloyds Banking Group unter 100 Führungskräften grosser britischer Finanzinstitute. Für die zehnte Ausgabe ihrer jährlichen Erhebung befragte die Bank zwischen April und Mai 2026 Banken, Versicherer, Finanzsponsoren und Vermögensverwalter. Eine Mehrheit von 71% erwartet, dass Tokenisierung die Finanzdienstleistungen umgestaltet. Den grössten Nutzen sehen 60% in schnelleren Zahlungen und Abwicklungen. Investitionen in neue Technologien nennen zudem 77% als Wachstumspriorität, nach 41% im Vorjahr. Ebenso planen 64% der Befragten höhere Investitionsausgaben in den nächsten zwölf Monaten.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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