Aus dem Liquid Network von Adam Backs Blockstream flossen Anfang September rund 4'000 BTC ab, rund 600 BTC haben die Angreifer noch immer nicht zurückgegeben. Zudem ist ein Treasury-Deal über 4 Mrd. USD aus Backs Umfeld gescheitert, und laut Bloomberg verklagen mehrere Firmen das Mining-Unternehmen Exacore.
Adam Back ist Kryptograf, sein Hashcash-Verfahren zitiert das Bitcoin-Whitepaper. Er gilt daher als Pionier und früher Bitcoin-Enthusiast. 2014 gründete er Blockstream, das Infrastruktur für Bitcoin entwickelt, darunter das Liquid Network. Diese föderierte Sidechain wickelt Bitcoin als L-BTC ab. Gedeckt sind die Token durch BTC, die Nutzer zuvor in ein Wallet der sogenannten Federation einzahlen. Nach der Bitcoin-Konferenz in Nashville 2024 sammelte Blockstream laut Bloomberg 210 Mio. USD ein. Im April 2025 war ferner von über 350 Mio. USD für die Mining-Einheit die Rede. Das Mining-Geschäft hat Blockstream vor rund zwei Jahren jedoch ausgegliedert. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Hack, Deal-Abbruch und Klagen ist nicht belegt.
Liquid-Exploit: Wie ungedeckte L-BTC 4'000 BTC abzogen
Der Angriff nutzte einen Fehler in Elements, der Software, auf der Liquid läuft. Betroffen war ein Zwischenspeicher, der Range Proofs prüft. Zunächst erzeugten die Angreifer über diese Lücke L-BTC, denen keine Bitcoin gegenüberstanden. Anschliessend tauschten sie die Token über den Peg-out Authorization Key (PAK) des Liquid-Dienstes SideSwap in echte BTC-Auszahlungen aus dem Federation-Wallet. Insgesamt flossen so rund 4'000 BTC im Wert von etwa 320 Mio. USD ab. Das Wallet hielt zuvor rund 4'200 BTC, danach nur noch 197 BTC. Die Reserve hält die Federation, sie stammt aus den Einzahlungen der Nutzer. Folglich fehlte den umlaufenden L-BTC zeitweise ein Grossteil ihrer Deckung.
Die Angreifer gaben sich als White Hats aus, also als Sicherheitsforscher, die Lücken melden, statt sie auszunutzen. Später überwiesen sie rund 3'400 BTC zurück. Rund 598 BTC im Wert von etwa 47 Mio. USD behielten sie allerdings als selbst festgelegte Belohnung. In einer On-Chain-Nachricht forderte der Angreifer eine Prämie von 10%. Der frühere Blockstream-Strategiechef Samson Mow bestätigte den offenen Betrag und erklärte, Blockstream bleibe mit den White-Hat-Hackern im Austausch. Blockstreams eigene Aufstellung nennt hingegen rund 602 BTC. Das Analysehaus TRM Labs stuft den Vorfall mit rund 319 Mio. USD als bisher grössten Hack des Jahres 2026 ein. Den Analysten zufolge flossen 85% der Mittel zurück.
Wenige Tage nach dem Angriff schloss ein Patch für Elements die Lücke, später nahm das Netzwerk die Blockproduktion wieder auf. Die Prämienforderung wies Blockstream schliesslich zurück: „Wir zahlen nicht für die Rückgabe gestohlenen Eigentums. Wir lassen unsere Nutzer nicht im Stich.“ Das Unternehmen spricht von Diebstahl. Vermögenswerte ohne Erlaubnis zu nehmen und ihre Rückgabe zurückzuhalten, sei „ein Verbrechen, keine verantwortungsvolle Offenlegung“. Mit White-Hat-Arbeit habe das nichts zu tun. Back sicherte bereits am 10. September zu, die 1:1-Bindung der L-BTC an Bitcoin werde gedeckt. Peg-outs, die Auszahlungen von Liquid zurück auf die Bitcoin-Blockchain, bleiben nach einer Liquid-Mitteilung von Ende September allerdings ausgesetzt. Die rund 602 offenen BTC gelten demnach weiterhin als nicht zurückgeholt.
BSTR und Cantor heben den 4-Milliarden-Deal auf
Back ist CEO und Mitgründer der Bitcoin Standard Treasury Company (BSTR). Das Unternehmen ist als Bitcoin-Treasury-Vehikel angelegt, also als Firma, deren Bilanz im Kern aus Bitcoin besteht. Im Juli 2025 unterzeichnete BSTR eine Fusionsvereinbarung mit der an der Nasdaq kotierten Cantor Equity Partners I (CEPO). Ursprünglich sollte das Vehikel über den Zusammenschluss 30'021 BTC im Wert von über 3 Mrd. USD einbringen. Hinzu sollten 1.5 Mrd. USD aus einer PIPE kommen, einer privaten Kapitalaufnahme bei ausgewählten Investoren. Insgesamt ergab sich eine Bewertung von rund 4 Mrd. USD. Die Abstimmungen darüber verzögerten sich jedoch mehrfach.
Im August 2026 hoben BSTR und CEPO die Vereinbarung auf, gut ein Jahr nach ihrer Unterzeichnung. Die Pressemitteilung von BSTR spricht von einer gegenseitigen Einigung und nennt schwache Bewertungen börsenkotierter Bitcoin-Treasury-Vehikel sowie gestörte Kapitalmärkte als Grund. Bloomberg hingegen schreibt die Beendigung Cantor zu. Abgeschlossen ist der Fall trotzdem nicht. Nach Angaben von Cantor schuldet BSTR eine Abbruchgebühr von 15 Mio. USD. Vom geplanten Milliardendeal bleibt somit vorerst eine Zahlungsforderung in Millionenhöhe.
Exacore: Stromrechnungen und Lieferantenklagen im Mining-Geschäft
Exacore ist im Bitcoin-Mining tätig und betreibt Rechenanlagen, die neue Blöcke erzeugen und dafür viel Strom verbrauchen. Bloomberg zufolge arbeitete das ausgegliederte Blockstream-Mining mit Exacore als Partner zusammen. Chef von Exacore ist demnach Chris Cook, ein langjähriger Vertrauter Backs. Ein Gericht verurteilte Cook laut Bloomberg 2008 wegen Postbetrugs (Mail Fraud) zu 41 Monaten Haft, zudem läuft in Florida eine Klage gegen ihn im Zusammenhang mit einer Boeing 767.
Laut Bloomberg hat der Energieversorger Xcel Energy Exacore wegen unbezahlter Stromrechnungen verklagt, offen sind rund 1.1 Mio. USD. Giga Energy klagte im Februar, weil Exacore einen Kaufvertrag für Mining-Ausrüstung verletzt haben soll. Exacore bestreitet dies laut Bloomberg. Ferner fordert BLS Electrical knapp 1 Mio. USD für unbezahlte Arbeiten und Ausrüstung.
Die Angaben zu den Verfahren stammen aus dem Bloomberg-Bericht, die Beträge geben die Sicht der Kläger wieder. Allein die Forderungen von Xcel und BLS summieren sich auf rund 2 Mio. USD. Unter den von Bloomberg bezifferten Forderungen ist die Stromrechnung somit der grösste Posten.
Blockstream distanziert sich vom Mining-Partner
Blockstream zieht eine Grenze zu Exacore. Ein Sprecher erklärte, das Unternehmen habe keinerlei operative Beteiligung an Exacore und keine Verbindung zu der Firma. Ebenso distanziert sich Präsident Michael Minkevich vom Mining, das kapitalintensiv sei und nicht gut zu Blockstream passe.
Laut Bloomberg führt über Back selbst dennoch eine Verbindung zum Mining. Ein Dokument von 2025 nennt ihn demnach als Director von BM OpCo, dem Kreditnehmer der Blockstream Mining Note 2 (BMN2). Blockstream zufolge hält Back dort keine Eigentumsanteile. Die 2024 in Luxemburg aufgelegte Schuldverschreibung läuft über SICOS Securities und ist über STOKR tokenisiert. Im Oktober 2025 stieg ihre Kapazität von 200 Mio. auf 2 Mrd. USD. Back liess Anfragen von Bloomberg unbeantwortet.
Aus dem Liquid-Exploit stehen weiterhin rund 600 BTC aus, für deren Rückgabe Blockstream keine Prämie zahlen will. Gegen Exacore laufen laut Bloomberg Klagen mit bezifferten Forderungen von zusammen rund 2 Mio. USD. BSTR schuldet Cantor nach dessen Angaben ausserdem 15 Mio. USD.








