Demokratische Ermittler im US-Senat sehen Tethers Stablecoin USDT im Zentrum von Irans Schattenbankensystem. Von 846 untersuchten Iran-Wallets transagierten 84% fast ausschliesslich in USDT, Tether verweist dagegen auf knapp 550 Mio. USD an gesperrten Iran-Geldern im Jahr 2026.
Tether gibt USDT aus, einen an den US-Dollar gekoppelten Token, der auf Blockchains wie TRON als Zahlungsmittel und Wertspeicher zirkuliert. Als zentraler Emittent kann das Unternehmen einzelne Adressen sperren und die Guthaben darauf einfrieren. USDT ist zudem der weltweit grösste dollargedeckte Stablecoin. Den 28-seitigen Bericht verfassten die demokratischen Ermittler des Permanent Subcommittee on Investigations (PSI), des ständigen Ermittlungsgremiums im US-Senat. Sie arbeiten unter Senator Richard Blumenthal, dem ranghöchsten Demokraten im Gremium. Es handelt sich also um einen Minderheitsbericht, nicht um einen Beschluss des Gesamtgremiums. Der Bericht erschien am selben Tag wie eine Mitteilung von Tether zu dessen Iran-Sperren. Gleichzeitig forderte Blumenthal in Briefen an Justizminister Todd Blanche und Finanzminister Scott Bessent Untersuchungen. Die Vorwürfe fallen in eine Phase verschärfter US-Sanktionen gegen Iran, in der das Finanzministerium auch digitale Assets ins Visier nimmt.
Der Bericht wertet 846 Iran-Wallets aus
Die Ermittler analysierten Blockchain-Transaktionsdaten von 846 Krypto-Wallets, die im Zusammenhang mit Iran sanktioniert oder anderweitig gesperrt sind. Auf 84% dieser Adressen lief der Zahlungsverkehr ausschliesslich oder fast ausschliesslich in USDT. Blumenthal folgert daher, Tether und sein Flaggschiff-Token seien zum Zentrum von Irans Schattenbankensystem geworden. Allerdings misst die Kennzahl nur die Verbreitung von USDT unter Adressen, die bereits sanktioniert oder gesperrt sind.
Die Präferenz für USDT erklären die Ermittler mit der Marktstruktur. Iranische Krypto-Börsen nutzen den Token breit, und er bietet mehr Liquidität als alternative Stablecoins. Circles USDC kam in der Analyse des Subcommittee hingegen nur in extrem begrenztem Umfang vor. Damit konzentriert sich der Befund auf einen einzigen Emittenten, der Adressen technisch sperren kann.
Laut Bericht dient USDT der iranischen Regierung als erheblicher finanzieller Rettungsanker. Sie bewege damit Geld über Grenzen und stütze trotz US-Sanktionen die eigene Währung, auch über die Zentralbank Irans. Ferner finanziere Teheran über den Token Stellvertreterorganisationen wie die Hisbollah. Nach Darstellung Blumenthals treibt Iran mit diesen Mitteln zudem feindliche Drohnen- und Raketenprogramme voran.
Blumenthal wirft Tether unterlassene Sperren vor
Der Vorwurf zielt über die Zahlen hinaus auf das Verhalten des Emittenten. Tether habe Wallets wiederholt nicht eingefroren, heisst es im Bericht. Ausserdem habe das Unternehmen ausserhalb von Sanktions- oder Beschlagnahmemitteilungen nicht auf Wallets mit starken Indizien für illegale Finanzierung reagiert. Das gelte auch dort, wo Verbindungen zu iranischen Stellen oder Terrororganisationen öffentlich bekannt gewesen seien. In seinen Briefen an Blanche und Bessent verlangt Blumenthal deshalb Untersuchungen wegen möglicher Verstösse gegen Sanktions- und Bankengesetze.
Politische Brisanz erhält der Bericht durch personelle Verbindungen zur US-Regierung. Laut Bericht führte Handelsminister Howard Lutnick vor seinem Regierungsamt Cantor Fitzgerald, das als Verwahrer für Tether fungiert. Inzwischen leiten seine Söhne die Firma. Ebenso verweist der Bericht auf Bo Hines, früher Executive Director des White House Crypto Council und heute CEO von Tether U.S. Blumenthal fragt folglich, ob Tether wegen dieser Nähe eine nachsichtige Aufsicht bei der Geldwäscheprävention erhalten habe.
Das Papier bleibt dennoch eine Minderheitsposition, deren Stossrichtung auf die Nähe von Tether zur Regierung Trump zielt. Tether ging in seiner Mitteilung nicht direkt auf den Vorwurf unterlassener Sperren ein. Stattdessen verwies das Unternehmen auf die eigenen Sperren in diesem Jahr.
Tether verweist auf knapp 550 Mio. USD an Sperren
In einer Mitteilung zu den Iran-Sperren beziffert Tether die im Jahr 2026 unterstützten Sperren von Iran-verknüpftem USDT auf knapp 550 Mio. USD. Den grössten Posten bildeten im April 344 Mio. USD auf zwei Adressen. Tether koordinierte diese Sperre mit der US-Sanktionsbehörde OFAC und US-Strafverfolgern. OFAC führte beide Adressen später als Kennungen der Zentralbank Irans. Im Juli folgten über 130 Mio. USD auf vier TRON-Wallets, nachdem das Finanzministerium die Designation der Zentralbank um vier Adressen erweitert hatte.
Insgesamt hat Tether nach eigenen Angaben weltweit über 4.9 Mrd. USD eingefroren, davon über 2.4 Mrd. USD im Zusammenhang mit US-Behörden. Ferner unterstützte der Emittent über 2'800 Untersuchungen, über 1'500 davon mit US-Strafverfolgern. Er arbeitet mit über 340 Behörden in 67 Ländern zusammen. Auf Hinweise von Israels National Bureau for Counter Terror Financing hat Tether bisher über 22 Mio. USD auf über 640 Adressen gesperrt. Im September 2025 sperrte das Unternehmen rund 1.5 Mio. USD auf 39 Adressen, die die israelische Behörde der Revolutionsgarde zuordnete. Zur Zusammenarbeit mit der US-Regierung ist Tether allerdings ohnehin verpflichtet.
"Tether hat konsequent gezeigt, dass USDT kein sicherer Hafen für sanktionierte Akteure, Terrororganisationen oder kriminelle Netzwerke ist." - Paolo Ardoino, CEO von Tether
Ausserdem verweist Ardoino darauf, dass öffentliche Blockchains Behörden eine Sichtbarkeit über Geldflüsse geben, die bei Bargeld fehlt. Tether könne somit handeln, sobald Strafverfolger glaubwürdige Informationen liefern. Genau hier setzt der Senatsbericht an. Er kritisiert fehlende Reaktionen ausserhalb solcher behördlichen Hinweise.
Die beiden Zahlen messen nicht dasselbe
Senatsbericht und Tether-Bilanz arbeiten mit unterschiedlichen Bezugsgrössen. Der Bericht misst, wie verbreitet USDT unter bereits sanktionierten oder gesperrten Wallets ist. Tethers Summe erfasst hingegen Gelder, die der Emittent in Abstimmung mit Behörden oder nach deren Schritten eingefroren hat. Keine der beiden Zahlen zeigt folglich, wie viel USDT vor den Sperren durch diese Wallets floss. Gerade diese Grösse wäre für eine Bewertung des Vorwurfs entscheidend. Auffällig ist, dass beide grossen Iran-Sperren von 2026 in direktem Zusammenhang mit Schritten von OFAC und Finanzministerium standen.
Gleichzeitig verschärft Washington den Druck auf die iranische Krypto-Infrastruktur. Seit Beginn der US-Militärkampagne gegen Iran in diesem Jahr hat das Finanzministerium die Sanktionen ausgeweitet. Ende August startete es die Operation Economic Outcast, die digitale Assets, Technologie, Gold, Luftfahrt und Schifffahrt als Sektoren nennt. Zuvor hatte OFAC im Juni Nobitex sanktioniert, die grösste Börse des Landes. Nach Angaben des Finanzministeriums half die Plattform der Zentralbank, Stablecoins zur Stützung des Rial zu beschaffen. Im August folgten Shelbit und Aban Tether, im September schliesslich BitBank, die das Ministerium Babak Zanjani zuordnet. Somit rücken auch die Handelsplätze selbst ins Visier der Behörden.
Der Senatsbericht verlangt von Emittenten jedoch, auch ohne behördliche Anordnung auf starke Indizien zu reagieren. Über die geforderten Untersuchungen entscheiden nun Justizminister Blanche und Finanzminister Bessent.








