Der Krypto-Marktdatenanbieter Kaiko hat seine Series-B-Runde auf insgesamt 110 Mio. USD erweitert, angeführt von S&P Global. Das ist mehr als doppelt so viel wie die 53 Mio. USD aus dem Jahr 2022.
Kaiko sammelt Preis-, Liquiditäts- und Handelsdaten von Krypto-Börsen und Blockchain-Protokollen und liefert sie aufbereitet an Banken, Vermögensverwalter, Börsenbetreiber und Aufsichtsbehörden. Die Funktion ähnelt einem Bloomberg-Terminal, nur für digitale Vermögenswerte. Das Unternehmen entstand 2014 in Frankreich. Der Hauptsitz liegt in Paris, ausserdem gibt es Büros in New York, London und Singapur. Ursprünglich schloss der Anbieter seine Series B über 53 Mio. USD im Juni 2022 ab. Damals führte Eight Roads die Runde an, mitten im Bärenmarkt. An der Erweiterung beteiligen sich zudem BNP Paribas und Nasdaq Ventures. Ebenso dabei sind die Royal Bank of Canada und Coinbase Ventures. Nach eigenen Angaben deckt die Plattform mehr als 150 Börsen und Protokolle ab. Insgesamt beziehen über 250 Finanzfirmen, Institutionen und Regulatoren weltweit diese Daten.
S&P Global führt die Erweiterung von Kaikos Series B an
Formal ist das keine neue Finanzierungsrunde. S&P Global Ventures, der Wagniskapitalarm des Index- und Ratinganbieters, führt vielmehr eine Erweiterung der bestehenden Series B an. Diese Runde stammt aus dem Juni 2022 und lag zunächst bei 53 Mio. USD. Neben Eight Roads investierten damals unter anderem Revaia, Alven und Point Nine. Mit dem frischen Kapital wächst der Topf somit auf 110 Mio. USD. Zur Bewertung machen beide Seiten in ihrer Mitteilung zur Investition allerdings keine Angaben. Davor hatte der Datenanbieter im Juni 2021 eine Series A über 24 Mio. USD abgeschlossen. Anthemis und Underscore VC führten diese Runde an.
Die Liste der neuen Geldgeber reicht tief in die traditionelle Finanzinfrastruktur hinein. Dazu zählen BNP Paribas, Bpifrance, Broadridge und die Canton Foundation. Weiterhin beteiligen sich Coinbase Ventures, DRW Venture Capital und Nasdaq Ventures. Die Royal Bank of Canada, Stellar und Susquehanna Private Equity Investments investieren ebenfalls. An Bord bleiben schliesslich die Bestandsinvestoren Anthemis, Point Nine und Revaia. Auffällig ist die Zusammensetzung. Börsenbetreiber, Grossbanken, Eigenhandelshäuser und eine staatliche Förderbank finanzieren gemeinsam einen Anbieter, dessen einziges Produkt Daten sind.
Die Unterscheidung zwischen Erweiterung und neuer Runde ist keine Formalie. Die 110 Mio. USD enthalten das 2022 eingesammelte Kapital, sie kommen nicht zusätzlich hinzu. Offen bleibt daher, wie sich der Unternehmenswert seit dem Bärenmarkt entwickelt hat. Mit S&P Global und Nasdaq Ventures sitzen jedoch zwei Betreiber von Marktinfrastruktur am Tisch. Beide verantworten selbst Indizes, Nasdaq zudem eigene Handelsplätze. Für einen Datenlieferanten ist das eine andere Art von Kapital als Wagniskapital ohne operative Anbindung. Kaiko-CEO Ambre Soubiran stellt entsprechend die strategische Seite in den Vordergrund.
"Diese Investition von S&P Global ist eine starke Bestätigung von Kaikos Mission und der Rolle, die vertrauenswürdige Daten und Dateninfrastruktur in tokenisierten Märkten spielen werden." - Ambre Soubiran, CEO Kaiko
Zwei Übernahmen erweitern Kaikos Datenabdeckung
Die Kapitalspritze trifft auf ein Unternehmen, das bereits im Einkaufsmodus war. Im Mai 2026 übernahm Kaiko den DeFi-Infrastrukturanbieter Cometh. Wenige Wochen später folgte Amberdata, ein US-Anbieter für Krypto-Marktdaten. Zuvor war Amberdata ein eigenständiger Wettbewerber im institutionellen Datengeschäft. Der Zukauf nahm somit einen direkten Konkurrenten vom Markt.
Beide Transaktionen zielen auf Abdeckung. Cometh stammt aus der DeFi-Infrastruktur, Amberdata hingegen aus dem US-Datengeschäft. Gleichzeitig erweitert sich die Bandbreite dessen, was der Anbieter überhaupt messen kann. Für institutionelle Abnehmer zählt vor allem diese Breite, weil Referenzpreise sonst auf wenigen Handelsplätzen beruhen. Das frische Kapital trifft folglich auf eine bereits laufende Konsolidierung.
Der Kundenkreis ist institutionell geprägt. Auf der Abnehmerliste stehen Finanzfirmen, Institutionen und Regulatoren, nicht Privatanleger. Genau diese Kundschaft unterscheidet Kaiko von Anbietern, die vor allem Handelsplattformen und Endkunden beliefern. Dazu passen ebenfalls Investoren wie Broadridge und Nasdaq Ventures, die selbst Marktinfrastruktur betreiben. Mit jeder Übernahme wächst allerdings auch die Zahl der Systeme, die das Unternehmen betreiben und pflegen muss.
S&P Kaiko Digital Asset Indices verzahnen beide Häuser
Die Investition kommt nicht aus dem Nichts. Anfang September 2026 lancierten Kaiko und S&P Dow Jones Indices die gemeinsame Produktreihe "S&P Kaiko Digital Asset Indices". Sie führt zunächst die bisherigen Krypto-Index-Angebote beider Häuser zusammen. Begonnen hatte die Zusammenarbeit im März 2026 mit der Tokenisierung eines iBoxx-Index auf US-Staatsanleihen von S&P Dow Jones Indices. Der Beteiligung ging also eine Produktpartnerschaft voraus, keine reine Finanzinvestition.
Indizes gehören zum Kerngeschäft von S&P Global. Belastbare Preisquellen sind dafür jedoch die Voraussetzung. Cathy Clay, CEO von S&P Dow Jones Indices, begründet den Einstieg mit der beschleunigten Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Sie bezeichnet die Investition als Ausdruck dieser Überzeugung. Die Datenbasis für die gemeinsamen Indizes liefert schliesslich Kaiko. Der Ratinganbieter sichert sich dadurch Zugriff auf einen Bestandteil seiner eigenen Produktkette. Eine Beteiligung am Datenlieferanten reduziert zugleich das Risiko, diesen Zugang später neu verhandeln zu müssen.
Die neuen Investoren treten zusätzlich einer von Kaiko geführten "Strategic Industry Working Group" bei. Das Gremium befasst sich mit Daten und Infrastruktur für tokenisierte Märkte. Gleichzeitig entsteht damit ein Abstimmungsformat zwischen Börsenbetreibern, Banken und Handelshäusern.
Verschärfter Wettbewerb um institutionelle Krypto-Marktdaten
Kaiko konkurriert in einem engen Feld. CCData, früher CryptoCompare, bedient ein vergleichbares institutionelles Segment. Chainalysis arbeitet hingegen stärker an On-Chain-Analytik als an Markt- und Preisdaten. Amberdata fällt als eigenständiger Wettbewerber seit der Übernahme weg. Der Markt für institutionelle Krypto-Daten konsolidiert sich deshalb spürbar.
Den Hintergrund liefert das wachsende Interesse traditioneller Institute an der Tokenisierung. Gemeint ist die Abbildung von Aktien, Anleihen und Geldmarktfonds als Token auf einer Blockchain. Banken, Börsenbetreiber und Vermögensverwalter treiben diese Entwicklung voran, obwohl Bitcoin seit seinem Hoch Ende 2025 deutlich zurückgekommen ist. Mehrere Krypto-Börsen haben ausserdem Produkte auf Aktienbasis lanciert, darunter Perpetual Futures auf Einzeltitel. Aufsichtsbehörden warnten daher vor den Anlegerrisiken. Jede dieser Produktklassen braucht verlässliche Referenzpreise.
Für den Schweizer Markt existiert ferner ein direkter Anknüpfungspunkt. Der Genfer Infrastrukturanbieter Taurus kündigte im November 2025 eine strategische Partnerschaft mit Kaiko an. Kaikos Preis- und Liquiditätsdaten laufen seither direkt in die Taurus-Plattform. Das 2018 gegründete Unternehmen bedient nach eigenen Angaben nahezu 40 Banken. Dazu zählen State Street und die Deutsche Bank. Folglich laufen Kaikos Daten bereits heute durch die Systeme europäischer Institute, die Custody und Handel digitaler Vermögenswerte anbieten. Insgesamt stärkt die neue Kapitalrunde damit indirekt auch einen Zulieferer der Schweizer Finanzinfrastruktur.








