Perpetual Futures (Perps) sind Derivatekontrakte auf einen Basiswert wie Bitcoin oder Ether, die anders als klassische Futures kein Verfallsdatum haben. Ihren Preis hält stattdessen eine periodische Ausgleichszahlung nahe am Spotpreis des Basiswerts. Diese Zahlung heisst Funding Rate und fliesst zwischen Long- und Short-Positionen, nicht an die Börse.
Ihren Ursprung haben Perpetual Futures nicht an einer traditionellen Terminbörse, sondern im Krypto-Handel. Das Konzept leitete Ben Delo, Mitgründer der Börse BitMEX, laut einer CoinDesk-Recherche 2015 aus einem Prinzip der Devisenmärkte ab. Ein Jahr später listete die Börse mit XBTUSD am 13. Mai 2016 den ersten Perpetual Swap. Heute bieten zentrale Handelsplätze wie Binance und Bybit ebenso wie dezentrale Protokolle wie dYdX solche Kontrakte an. Wer eine Richtung über Monate halten will, muss keine auslaufende Position in einen Folgekontrakt übertragen, wie es klassische Futures verlangen.
Wie funktioniert die Funding Rate bei Perpetual Futures
Ohne Verfallstermin fehlt dem Kontrakt der Mechanismus, der klassische Terminkontrakte am Laufzeitende auf den Spotpreis zwingt. Überwiegt eine Marktseite, driftet der Orderbuchpreis daher vom Spotpreis weg. Genau hier greift die Funding Rate. Börsen messen dafür zunächst den Premium Index, die Differenz zwischen dem Orderbuchpreis des Kontrakts und dem Spot-Index-Preis. Dazu kommt eine Zinskomponente, welche die Finanzierungskosten des Basiswerts abbildet.
Binance und Bybit verrechnen beide Bestandteile nach der Grundformel Avg. Premium Index + clamp(Zinssatz - Premium Index, 0.05%, -0.05%). Diese innere Klammer begrenzt die Differenz zwischen Zinssatz und Premium Index auf ±0.05%, nicht die Rate selbst. Bei Bybit begrenzt anschliessend eine zweite, äussere Klammer die Rate. Der Standardwert der Zinskomponente liegt bei 0.03% pro Tag und somit bei 0.01% je Acht-Stunden-Intervall. Beide Börsen rechnen ausserdem dreimal täglich ab, um 00:00, 08:00 und 16:00 UTC.
Das Vorzeichen entscheidet über die Richtung. Ist die Rate positiv, zahlen Long-Positionen an Short-Positionen; bei negativer Rate kehrt sich der Fluss um. Die Höhe der Zahlung bemisst sich am Notional-Wert der offenen Position, nicht an der hinterlegten Margin. Anders als der Leihzins im Margin-Handel ist diese Finanzierungsrate jedoch keine Gebühr an die Plattform. Sie fliesst an die Gegenseite im Markt.
Ein Rechenbeispiel zur Funding-Zahlung
Die folgende Rechnung zeigt den Rechenweg der Binance- und Bybit-Formel für Perpetual Futures. Sie nutzt Illustrationswerte, keine Live-Marktdaten. Angenommen, der durchschnittliche Premium Index liegt bei 0.02%, und die Zinskomponente steht auf dem Standardwert von 0.01% je Intervall. Zunächst ergibt die Differenz aus Zinssatz und Premium -0.01%. Dieser Wert liegt innerhalb der Clamp-Spanne von ±0.05% und bleibt deshalb unverändert.
Addiert zum Premium ergibt sich eine Funding Rate von 0.01%. Eine Long-Position mit einem Notional-Wert von 10'000 USD zahlt folglich 1 USD an die Short-Seite. Fällig wird der Betrag schliesslich zum nächsten der drei täglichen Abrechnungstermine. Im ruhigen Markt bleibt eine einzelne Zahlung damit klein. Sie wiederholt sich allerdings, solange die Position offen bleibt, und summiert sich über Wochen entsprechend auf.
Warum die Funding-Parameter je nach Handelsplatz abweichen
Eine branchenweit einheitliche Funding-Formel für Perpetual Futures existiert nicht. Jeder Handelsplatz legt Intervall, Zinskomponente und Obergrenze selbst fest. Dieselbe Marktlage löst daher auf zwei Plattformen unterschiedliche Zahlungen aus. Die dezentrale Börse dYdX etwa rechnet stündlich ab und teilt die Premium-Komponente entsprechend durch acht. Ihre Zinskomponente liegt in Isolated-Markets bei 0.125 Basispunkten pro Stunde, also bei einem Basispunkt über acht Stunden.
Bei der Obergrenze folgen beide Handelsplätze demselben Prinzip und leiten sie aus den Margin-Sätzen ab. Bei dYdX liegt die Deckelung der Acht-Stunden-Rate bei 600% der Differenz zwischen Initial- und Maintenance-Margin, für BTC-USD also bei 12%. Bybit setzt seine Grenze hingegen unter normalen Umständen bei 75% derselben Differenz an, höchstens bei der Maintenance-Margin-Rate.
Ein Vergleich zweier Funding-Raten ist somit nur aussagekräftig, wenn beide auf dasselbe Zeitfenster normiert sind.
| Parameter | Binance/Bybit | dYdX |
|---|---|---|
| Funding-Intervall | 8 Stunden (00:00/08:00/16:00 UTC) | 1 Stunde |
| Zinssatz-Komponente | 0.03% pro Tag (0.01% pro 8h), Standard | 0% (Cross), 0.125 bps/h (Isolated) |
| Formel | Avg. Premium Index + clamp(I - P, 0.05%, -0.05%) | Premium/8 + Zins-Komponente |
| Begrenzung | innen clamp ±0.05% auf I - P; aussen (Bybit) Rate-Cap aus den Margin-Sätzen | 600% × (Initial - Maintenance Margin); BTC-USD 12%/8h |
Hebel und Liquidationen im Perpetual-Handel
Perpetual Futures handeln Trader auf Margin. Sie hinterlegen einen Bruchteil des Positionswerts als Sicherheit und kontrollieren damit ein Vielfaches an Notional, ohne den Basiswert zu besitzen. Ursprünglich erlaubte BitMEX für XBTUSD einen Hebel von bis zu 100x.
Fällt die Sicherheit unter das Erhaltungsniveau, schliesst die Börse die Position zwangsweise. Je höher der Hebel, desto kleiner ist die Preisbewegung, die dafür genügt. Zwangsschliessungen laufen zudem als Verkäufe über dasselbe Orderbuch, in dem der Kurs gerade fällt.
Ein dokumentiertes Beispiel liefert der 12. März 2020. Innerhalb eines Tages liquidierte BitMEX Positionen über mehr als 700 Mio. USD, während der Bitcoin-Kurs einbrach. Die Funding Rate bindet den Kontrakt zwar an den Spotpreis, sie ändert allerdings nichts am Hebelrisiko der einzelnen Position.
Wie Perpetual Futures in der EU und der Schweiz reguliert sind
In der EU fallen Perpetual Futures nicht unter MiCA. Artikel 2(4)(a) der Verordnung (EU) 2023/1114 nimmt jene Krypto-Assets aus, die als Finanzinstrument nach der Richtlinie 2014/65/EU (MiFID II) gelten. Perpetual Futures zählen dazu. Zuständig bleibt also das bestehende Wertpapierrecht.
Am 24. Februar 2026 erinnerte die ESMA die Anbieter zudem an ihre Pflichten. Als „perpetual futures" oder „perpetual contracts" vermarktete Krypto-Derivate fallen demnach wahrscheinlich unter die bestehenden nationalen CFD-Produktinterventionsmassnahmen. Eine abschliessende Einstufung oder ein Verbot spricht die Behörde damit jedoch nicht aus. Zu den Massnahmen zählen Hebel-Limiten, die Margin-Close-out-Regel, der Schutz vor negativen Kontoständen und ein Verbot monetärer wie nicht-monetärer Anreize. Für CFDs auf Kryptowährungen liegt die Hebel-Obergrenze bei Kleinanlegern seit 2018 bei 2:1.
Eine FINMA-Regel, die Perpetual Futures ausdrücklich nennt, existiert hingegen nicht. Das FINMA-Faktenblatt zu kryptobasierten Vermögenswerten mit Stand 1. Mai 2022 bleibt allgemeiner. Umfasst ein Geschäftsmodell den Handel mit Effekten, muss der Anbieter demnach prüfen, ob er eine Bewilligung nach Finanzinstitutsgesetz oder Finanzmarktinfrastrukturgesetz benötigt. Diese Prüfpflicht trifft Handelsplattformen unabhängig vom Produkt.









