Die nächste Krypto-Börse fällt dem Bärenmarkt zum Opfer. CoinEx stellt nach fast neun Jahren den Betrieb ein und geht in eine geordnete Abwicklung über. Nutzer können ihre Guthaben noch bis zum 22. Dezember 2026 von der Plattform abheben.
CoinEx ist eine zentralisierte Krypto-Börse. Sie verwahrt die Einlagen ihrer Kunden und führt deren Kauf- und Verkaufsaufträge auf der eigenen Plattform zusammen. Neben dem Spot-Handel bot die Börse Futures, Margin-Handel, Kredite und Staking an, ebenso ein eigenes Blockchain-Netzwerk namens CoinEx Smart Chain. Haipo Yang gründete das Unternehmen ursprünglich in Hongkong, im Dezember 2017 ging die Börse an den Start. Der operative Sitz liegt inzwischen auf den Seychellen, Yang führt die Börse weiterhin als CEO. Nach eigenen Angaben bediente CoinEx Nutzer in zweistelliger Millionenzahl. Laut CoinMarketCap kam die Plattform zuletzt auf ein tägliches Handelsvolumen von rund 58 Mio. USD. Im Börsen-Ranking des Datenanbieters lag sie auf Platz 33. Nun schliesst sie die Türen, wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht.
CoinEx-Nutzer haben bis 22. Dezember Zeit für Auszahlungen
Die Abwicklung betrifft ausschliesslich die Börse. CoinEx Wallet und CoinEx Vault laufen hingegen als eigenständige Dienste weiter. Zunächst nimmt CoinEx seit der Ankündigung keine Neuregistrierungen mehr an und zahlt keine Empfehlungsprämien mehr aus. Futures lassen sich nur noch im Reduce-only-Modus handeln, bestehende Positionen können Nutzer also nur noch schliessen. Fiat-Dienste, Margin, Kredite, Earn, Staking und Strategic Trading nehmen ebenfalls keine neuen Orders mehr an. Ab dem 22. September 2026 stellt die Börse sämtliche Nicht-Spot-Dienste ein. Offene Futures-Positionen stellt sie dann zum Indexpreis zwangsweise glatt, Earn- und Staking-Produkte nimmt sie einheitlich zurück. Unbezahlte Kredite verarbeitet die Plattform nach den geltenden Liquidationsregeln. Gleichzeitig enden die On-Chain-Einzahlungen, einzig CET lässt sich noch bis zum 29. September einzahlen.
Am 29. September 2026 endet der Spot-Handel. Offene Spot-Orders storniert die Plattform mit dem Handelsende. Für Halter des Börsentokens CET läuft bereits seit der Ankündigung ein Rückkauf. Im Paar CET/USDT stellt CoinEx laufend Kauforders zu 0.005 USDT pro Token, ohne Mengenbegrenzung und gebührenfrei. Verbleibende CET-Bestände kauft die Börse am 29. September schliesslich automatisch zum selben Preis zurück. Eine spätere Rücknahme des Tokens ist ausgeschlossen. Am selben Tag stellen zudem die CoinEx Smart Chain (CSC) und die hauseigene dezentrale Börse OneSwap den Betrieb ein. Zeitgleich schliesst das Rücknahmefenster der zugehörigen Cross-Chain-Bridge.
Für Bestandskunden zählen jedoch zwei Fristen. Ab 02:00 UTC am 29. September verwertet CoinEx alle Vermögenswerte ausser USDT, die noch auf den Konten liegen. Token mit Liquidität an externen Märkten verkauft die Plattform und schreibt den Nettoerlös in USDT gut. Illiquide Token delistet sie hingegen schrittweise und pflegt die zugehörigen Wallets nicht mehr. Wer Vermögenswerte in ihrer ursprünglichen Form abziehen will, muss das deshalb vorher erledigen. Die Auszahlungen selbst laufen allerdings bis zum 22. Dezember 2026 um 02:00 UTC weiter. Auf den Tag genau neun Jahre zuvor war die Börse gestartet. Nicht abgehobenes USDT geht danach in eine unabhängige Verwahrung über, wo monatlich eine Gebühr von 5% des Guthabens bei Fristende anfällt. Wer die Frist verpasst, büsst somit Monat für Monat einen Teil seines Bestands ein. Ansprüche lassen sich bis zum 22. August 2028 beim Support anmelden, danach verwertet CoinEx nicht beanspruchte Guthaben nach geltendem Recht.
CoinEx begründet den Rückzug mit Marktabschwung und Compliance-Kosten
In ihrer offiziellen Ankündigung führt CoinEx mehrere Gründe an. An erster Stelle steht der anhaltende Abschwung im Kryptomarkt, begleitet von sinkenden Handelsvolumina und schwindender Liquidität in der gesamten Branche. Ferner verweist CoinEx auf stetig steigende regulatorische Anforderungen in wichtigen Jurisdiktionen. Compliance-Kosten und operative Unsicherheiten hätten vertretbare Grenzen überschritten. Nach sorgfältiger Prüfung entschied sich die Börse deshalb für eine geordnete Abwicklung. Weitere Mitteilungen soll es nicht geben, jede spätere „neue Ankündigung" in ihrem Namen stuft CoinEx als Betrug ein. Gründer Haipo Yang stellt die Risiken des Börsenbetriebs selbst in den Vordergrund.
"Die Sicherheits- und Compliance-Risiken beim Betrieb einer Krypto-Börse liessen sich zunehmend schwerer eindämmen." - Haipo Yang, Gründer und CEO CoinEx
Gleichzeitig versucht CoinEx, Zweifel an der eigenen Zahlungsfähigkeit auszuräumen. Die Reserve Ratio der Börse liegt laut CoinEx über 100%, als Beleg verweist sie auf einen Proof of Reserves. Alle Nutzerguthaben seien folglich vollständig gedeckt und abrufbar. Der gesamte Fahrplan beruht auf dieser Deckung, die nach eigener Angabe besteht. Denn Auszahlungen bis Dezember setzen voraus, dass die Reserven tatsächlich vorhanden sind. Bis zur Frist sollen die Auszahlungen weiterhin laufen, unabhängig von der Einstellung der übrigen Dienste. Die Börse rät dennoch, Guthaben früh abzuziehen, weil Netzwerke kurz vor Fristende überlastet sein könnten.
Konsolidierungswelle bei mittelgrossen Börsen
CoinEx ist 2026 nicht die erste Börse, die aufgibt. Bereits Anfang Juli 2026 stellte AscendEX den Betrieb ein. Zuvor war eine strategische Liquiditätsvereinbarung geplatzt. Ausserdem hatte die Börse keine Zulassung unter der europäischen MiCA-Verordnung erhalten. Anders als die angekündigte Abwicklung bei CoinEx verlief der Rückzug dort jedoch ungeordnet. Nutzer berichteten von blockierten Auszahlungen. Der On-Chain-Analyst ZachXBT stufte die Reserven als nahezu leer ein.
Wenige Wochen später kündigte BitMEX im Juli 2026 die eigene Schliessung an. Nach mehr als elf Jahren stellt die Börse den Betrieb am 23. September 2026 um 04:00 UTC ein. Vorausgegangen war eine strategische Überprüfung samt Verkaufsprozess mit mehreren Interessenten. Auffällig ist, dass BitMEX in seiner Geschichte nie Kundengelder durch einen Sicherheitsvorfall verlor. Einen Käufer fand die Börse trotzdem nicht. Zeitlich fällt das Ende übrigens genau zwischen zwei Stufen der CoinEx-Abwicklung.
Branchenweit gelten sinkende Handelsvolumina und strengere Regulierung als Treiber dieser Konsolidierung. In der EU verschärft nicht zuletzt die volle Durchsetzung von MiCA die Anforderungen an Börsen. Steigende Compliance-Kosten belasten daher gerade Anbieter im Mittelfeld. Und CoinEx nennt in der eigenen Begründung weitgehend dieselben Faktoren, von der schrumpfenden Liquidität bis zu den Kosten der Compliance.








