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    Sie sind hier:Home » Fokus » Legal/Compliance » Binance-Verbot in der EU: Griechenland will MiCA-Lizenz verweigern
    Griechenlands HCMC will Binances MiCA-Lizenz ablehnen. Ab 1. Juli 2026 droht der weltgrössten Krypto-Börse der Ausschluss vom EU-Markt.

    Binance-Verbot in der EU: Griechenland will MiCA-Lizenz verweigern

    von Redaktion cvj.ch am 16. Juni 2026 Legal/Compliance

    Griechenlands Finanzaufsicht HCMC will Binances MiCA-Lizenzantrag ablehnen, wie Reuters unter Berufung auf zwei Insider exklusiv meldete. Ohne Genehmigung bis zum 1. Juli 2026 müsste die weltgrösste Krypto-Börse sämtliche Dienste für EU-Kunden einstellen.

    MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) ist das einheitliche EU-Lizenzierungsregime für Krypto-Dienstleister, das seit Dezember 2024 vollständig in Kraft ist. Eine MiCA-CASP-Lizenz gilt als EU-Pass für alle 27 Mitgliedstaaten sowie die drei EWR-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein. Binance hatte seinen Antrag am 23. Januar 2026 bei der Hellenic Capital Market Commission eingereicht und dafür die Holdinggesellschaft Binary Greece gegründet. Co-CEO Richard Teng hatte Griechenland zuvor bewusst als EU-Regulierungssitz gewählt und dies mit dem Arbeitskräftepotenzial sowie dem Sicherheitsprofil des Landes gegenüber grösseren Finanzzentren begründet. Mit einem durchschnittlichen Tagesvolumen von 11.9 Mrd. USD ist die Börse zudem der weltgrösste zentralisierte Handelsplatz. Für die Prüfung des Antrags zog die HCMC externe Berater hinzu, darunter PwC, Deloitte und KPMG.

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    Binance bestreitet Ablehnung der MiCA-Lizenz

    Die Reuters-Meldung stützt sich auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen, die eine geplante Ablehnung des Antrags schildern. Konkrete Gründe für die drohende Zurückweisung nannten die Quellen jedoch nicht. Die HCMC selbst lehnte unter Verweis auf Vertraulichkeitsvorschriften jede Stellungnahme ab, und eine formelle Entscheidung hat die Behörde bislang nicht kommuniziert.

    Binance widerspricht der Darstellung allerdings. Ein Unternehmenssprecher erklärte, die HCMC habe ihre Prüfung des Antrags abgeschlossen und ihn als MiCA-konform bewertet. Zudem habe die Behörde kein formelles Signal in die Gegenrichtung gegeben. Damit stehen zwei unvereinbare Darstellungen nebeneinander. Wie volatil die Informationslage ist, zeigt der Vergleich mit einer früheren Meldung. Noch am 4. Juni 2026 hatte AML Intelligence berichtet, Griechenland stehe kurz davor, Binance die Lizenz zu erteilen. Zwölf Tage später widerspricht die Reuters-Darstellung diesem Bild somit fundamental.

    Die MiCA-Frist läuft ab und ohne Lizenz folgt ein EU-weites Verbot

    Die MiCA-Übergangsfrist endet am 1. Juli 2026, und die ESMA bestätigte am 17. April 2026 ausdrücklich, dass es keine Verlängerung geben wird. Die Übergangsregel erlaubt bereits zuvor tätigen Anbietern, bis zur Lizenzentscheidung oder bis zum Stichtag weiterzuarbeiten, je nachdem, was früher eintritt. Für Binance bedeutet das: Eine formelle Ablehnung würde den Betrieb sofort beenden, andernfalls greift die Frist. Spielraum für eine nachträgliche Verlängerung besteht nicht.

    Ohne gültige Lizenz müsste Binance ab Juli sämtliche Dienste für EU-Kunden einstellen. Anbietern ohne Genehmigung drohen zudem Bussgelder von bis zu 5 Mio. EUR oder einem prozentualen Anteil des Jahresumsatzes, je nachdem, welcher Betrag höher ausfällt. Die ESMA erwartet von nicht genehmigten Akteuren ferner geordnete Abwicklungspläne, die Kunden den Transfer ihrer Krypto-Assets zu lizenzierten Anbietern oder in die Self-Custody ermöglichen. Frankreichs AMF hatte überdies bereits eine Strafverfolgung bei fortgesetzter Tätigkeit ohne Genehmigung ab Juli 2026 in Aussicht gestellt.

    Während Binance auf eine Entscheidung wartet, haben die wichtigsten Wettbewerber ihre Zulassung längst erhalten. Coinbase ist in Irland lizenziert, Kraken in Luxemburg und Irland, OKX und Crypto.com auf Malta, hinzu kommen Bitvavo in den Niederlanden sowie Bitpanda, Bitstamp und Revolut. Nach Ländern führte Deutschland die Lizenzvergabe mit zwölf Genehmigungen an, gefolgt von den Niederlanden mit elf und Malta mit fünf. Schätzungen zufolge hatten bis Mai 2026 allerdings erst rund 210 der über 1'200 früheren VASP-Registrierungen eine MiCA-Autorisierung erhalten, was einem Anteil von etwa 17% entspricht. Der Engpass betrifft somit längst nicht nur Binance.

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    Griechenland als kalkulierter Regulierungsstandort und seine Grenzen

    Tengs Standortwahl folgte einer klaren Logik. Da die Lizenz europaweit weitgehend einheitlich ausgestaltet ist, gaben für Binance andere Faktoren den Ausschlag. Soziale Aspekte, der Arbeitskräftepool und Sicherheitsfragen sprachen aus Sicht des Unternehmens für Griechenland als Standort abseits der grossen Finanzzentren. Teng selbst überliess es im Februar 2026 ausdrücklich der EU zu entscheiden, ob Binance die Lizenz bis zur Juli-Frist erhalten werde.

    Allerdings hatte Griechenland bis Mitte Januar 2026 noch keine einzige MiCA-CASP-Lizenz erteilt. Dass die HCMC für die Prüfung gleich PwC, Deloitte und KPMG hinzuzog, unterstreicht den ungewöhnlichen Aufwand für eine in diesem Bereich noch unerfahrene Behörde. Eine Ablehnung wäre somit zugleich eine ihrer ersten grossen CASP-Entscheidungen überhaupt.

    Binance kennt regulatorische Rückschläge in Europa bereits. Frankreichs AMF listete das Unternehmen im Januar 2026 unter 89 nicht lizenzierten Krypto-Firmen, und in mehreren EU-Ländern hatte die Börse zuvor Zulassungen verloren oder ihre Tätigkeit eingestellt. Teng selbst übernahm den Co-CEO-Posten im November 2023, kurz nach dem 4.3 Mrd. USD schweren US-Vergleich unter dem früheren Chef Changpeng Zhao. Dieser Vergleich leitete für die Börse einen stärker auf Aufsichtskonformität ausgerichteten Kurs ein. Zuvor war Teng als Regulierer in Singapur und Abu Dhabi tätig, was den griechischen Antrag als bewussten Schritt hin zu vollständiger Compliance erscheinen lässt.

    Binances MiCA-Lizenz vor dem Scheitern und was nun folgt

    Eine formelle Ablehnung steht weiterhin aus, denn Reuters berichtet bislang nur, der Antrag stehe vor der Zurückweisung. Die Behörde hat keine offizielle Entscheidung kommuniziert, und die konkreten Gründe bleiben unbekannt. Solange keine formelle Mitteilung vorliegt, kann Binance seinen Betrieb innerhalb der Übergangsregel zunächst fortsetzen.

    Für die Börse bleiben damit mehrere Optionen offen. Sie könnte Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen, in einem anderen EU-Land einen neuen Antrag stellen oder sich mit einem geordneten Abwicklungsplan aus dem Markt zurückziehen. Jeder dieser Wege steht jedoch unter erheblichem Zeitdruck bis zum 1. Juli 2026. Global zählt Binance über 300 Millionen Nutzer, eine belastbare Aufschlüsselung für den EU-Markt liegt allerdings nicht vor.

    Damit wäre Binance auf absehbare Zeit die einzige der grossen Krypto-Börsen ohne MiCA-Lizenz. Im Stablecoin-Segment zeigt sich ein vergleichbares Muster: Während Circle mit USDC und die Société Générale lizenziert sind, gilt Tethers USDT weiterhin als nicht MiCA-konform und wurde von EU-Börsen delistet. Auf einem Markt von schätzungsweise 450 Millionen Bürgern in EU und EWR bedeutet ein Ausschluss für die Börse somit einen erheblichen Wettbewerbsnachteil.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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