Goldman Sachs übernimmt den ETF-Anbieter Neos Investments für bis zu 2.25 Mrd. USD in bar und Aktien. Mit dem Deal wechseln drei Krypto-Options-ETFs mit zusammen über 1.2 Mrd. USD verwaltetem Vermögen zur US-Bank.
Neos Investments ist ein spezialisierter Anbieter optionsbasierter Income-ETFs. Solche Fonds verkaufen Optionen auf ihre Bestände. Die vereinnahmten Prämien schütten sie monatlich aus, statt allein auf Kursgewinne zu setzen. Insgesamt verwaltet das 2022 gegründete Haus nach eigenen Angaben über 30 Mrd. USD in 19 solchen Produkten. Zuvor hatte Goldman im April 2026 bereits Innovator Capital Management gekauft, für rund 2 Mrd. USD. Die drei Krypto-Fonds von Neos halten allerdings weder Bitcoin noch Ether direkt, sondern bilden beide über börsengehandelte Produkte ab. Allein der im Oktober 2024 lancierte Bitcoin High Income ETF (BTCI) verwaltet über 1 Mrd. USD.
Drei Krypto-Options-ETFs wechseln zu Goldman Sachs
BTCI ist mit Abstand der grösste der drei Fonds. Neos brachte ihn im Oktober 2024 an den Markt. Das war rund neun Monate nach der Zulassung der ersten Spot-Bitcoin-ETFs in den USA. Vergleichsweise klein fallen die beiden jüngeren Produkte aus. Der Boosted Bitcoin High Income ETF (XBCI) startete später, im Februar 2026, und verwaltet rund 111 Mio. USD. Beim Ethereum High Income ETF (NEHI), lanciert im Dezember 2025, sind es über 77 Mio. USD. Zwischen dem Start von BTCI und jenem des Ethereum-Fonds lagen somit 14 Monate. Zusammen kommen die drei Produkte auf über 1.2 Mrd. USD.
Direkt in Bitcoin oder Ether investieren die Fonds nicht. Ihre Position bauen sie über börsengehandelte Produkte auf beide Kryptowährungen auf. Darüber legen die Manager Optionsstrategien, die laufend Erträge abwerfen. Die Ausschüttungen erfolgen monatlich. Anleger erhalten damit regelmässige Zahlungen aus einem Basiswert, der selbst weder Zins noch Dividende abwirft. Solche Produkte sprechen daher vor allem Portfolios an, die auf laufende Erträge angewiesen sind. Gleichzeitig tragen die Fonds das Kursrisiko des Basiswerts weiter.
Der Preis dafür ist ein begrenztes Kurspotenzial. Wer Kaufoptionen auf den eigenen Bestand schreibt, tritt einen Teil des Aufwärtspotenzials an den Käufer ab. Bei Bitcoin fällt dieser Zielkonflikt wegen der hohen Volatilität stärker aus. Hohe Schwankungen bedeuten hohe Optionsprämien, jedoch auch grössere verpasste Kursbewegungen. Folglich bleibt ein solcher Fonds in einer starken Aufwärtsphase hinter dem Basiswert zurück. Einen Kursrückgang federn die Prämien hingegen nur teilweise ab. Für die volle Kursbewegung bleiben Spot-Produkte die direktere Wahl.
Neos-Deal ist Goldmans zweite ETF-Übernahme binnen vier Monaten
Goldman zahlt bis zu 2.25 Mrd. USD, teils in bar, teils in Aktien. Die endgültige Summe hängt an Erfolgs- und Servicebedingungen. Ein Teil der Gegenleistung ist somit an das künftige Geschäft von Neos gekoppelt. Ausserdem liegt der Preis über jenem der Innovator-Übernahme vom April. Goldman kündigte die Transaktion am 12. August 2026 an. Den Abschluss erwartet die Bank im ersten Quartal 2027, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.
Vier Monate zuvor hatte Goldman bereits Innovator Capital Management übernommen. Der Kaufpreis lag damals bei rund 2 Mrd. USD. Innovator ist ebenfalls auf ETFs spezialisiert, die über Optionsstrategien Verluste begrenzen und zugleich Ertrag liefern sollen. Das Muster wiederholt sich also. Statt eigene Produkte zu entwickeln, kauft die Bank ganze Boutiquen samt Fonds und Personal. Die Neos-Mitgründer Troy Cates und Garrett Paolella wechseln nach Abschluss als Partner zu Goldman Sachs Asset Management. Das übrige Team aus Investment- und Kundenservice-Mitarbeitenden übernimmt die Bank ebenso. Bei spezialisierten ETF-Boutiquen hängen Strategie und Kundenbeziehungen letztlich an wenigen Personen.
"Da die Investorennachfrage nach aktiven ETFs wächst, ist der disziplinierte Investmentansatz von NEOS eine ausgezeichnete Ergänzung zu unseren Fähigkeiten in Buffer-, Managed-Outcome- und Income-Strategien." - David Solomon, Chairman und CEO, Goldman Sachs
Per Ende Juni 2026 verwalteten Goldman, Innovator und Neos zusammen über 130 Mrd. USD auf ihren globalen ETF-Plattformen. Das kombinierte aktive ETF-Geschäft käme auf rund 80 Mrd. USD, gut 60 Prozent davon. Damit würde Goldman nach eigenen Angaben zum achtgrössten Anbieter aktiver ETFs aufrücken, gemessen an Morningstar-Daten. Insgesamt kosten die beiden Zukäufe bis zu 4.25 Mrd. USD.
BlackRock war mit dem Bitcoin-Income-ETF zuerst am Markt
Goldman hatte den Bedarf früh erkannt. Ursprünglich reichte die Bank im April 2026 bei der SEC einen Antrag für einen eigenen Bitcoin Premium Income ETF ein. Lanciert hat sie das Produkt bislang jedoch nicht. Der Antrag fiel zudem in denselben Monat wie der Abschluss der Innovator-Übernahme.
BlackRock war schneller. Der Vermögensverwalter brachte den iShares Bitcoin Premium Income ETF (BITA) im Juni 2026 an den Markt. BITA zielt ebenfalls auf laufende Erträge aus Optionsprämien statt auf reine Kursgewinne. Trotzdem bleibt das Produkt mit rund 59 Mio. USD klein. BTCI kommt auf mehr als das Sechzehnfache, war allerdings auch rund 20 Monate früher am Markt. BlackRocks Vorsprung gegenüber Goldman liegt folglich im Zeitpunkt, nicht im Volumen.
Bloomberg-Analyst Eric Balchunas kommentierte den Deal auf X. Aus seiner Sicht erklärt der Zukauf, weshalb Goldman den eigenen ETF bislang nicht lanciert hat. Ein Start aus eigener Kraft würde bedeuten, Vertrieb und Vermögen von null an aufzubauen. Mit BTCI erhält die Bank hingegen ein Produkt mit knapp zwei Jahren Historie und über 1 Mrd. USD. Zudem übernimmt sie die Kundenbeziehungen, die ein Neustart erst aufbauen müsste. Verfügen kann sie darüber erst nach Abschluss der Transaktion.
Options-Income-ETFs wachsen branchenweit auf 180 Milliarden USD
Der Zukauf zielt nicht allein auf Krypto. Derivative-Income-ETFs sind branchenweit auf rund 180 Mrd. USD verwaltetes Vermögen angewachsen. Die jährliche Wachstumsrate liegt seit 2021 bei über 70%, wie Goldman unter Berufung auf Morningstar mitteilte. Dennoch ist der Krypto-Anteil daran klein. Die drei Neos-Fonds kommen zusammen auf gut 1.2 Mrd. USD, weniger als ein Prozent des Segments.
Der Aufschwung hat einen klaren Ausgangspunkt. Im Januar 2024 genehmigte die SEC die ersten Spot-Bitcoin-ETFs. Seither bauen Grossbanken und Vermögensverwalter zunehmend Zusatzprodukte auf diesen börsengehandelten Produkten auf. Options-Income-Fonds bilden weiterhin den sichtbarsten Teil davon. Eine eigene Krypto-Infrastruktur brauchen die Anbieter dafür nicht, weil sie über bereits regulierte Vehikel investieren. Deshalb liess sich das Segment binnen weniger Jahre aufbauen.
Für Goldman ist Krypto letztlich ein Teilaspekt eines grösseren Zukaufs. Neos verwaltet 19 optionsbasierte Income-ETFs mit über 30 Mrd. USD. Die drei Krypto-Fonds machen davon nur einen Bruchteil aus. Ebenso schwer wiegt der Zugang zu einem Team, das solche Strategien seit 2022 auflegt. Der eigene Antrag aus dem April ist bislang nicht in ein Produkt gemündet.







