Neun führende Finanzinstitute und Bitcoin-Unternehmen haben das Bitcoin Security Consortium gegründet und sagen gemeinsam 15 Mio. USD über drei Jahre zu. Das Geld fliesst in die langfristige Sicherheit des Bitcoin-Protokolls, darunter die Vorbereitung auf Post-Quanten-Kryptografie.
Das Consortium ist kein zentraler Fonds, sondern ein Koordinations- und Kommunikationsgremium. Jedes Mitglied lenkt seine eigenen Mittel unabhängig an selbst gewählte Entwickler, Forscher und Organisationen. Das Gremium selbst entwickelt oder steuert das Bitcoin-Protokoll hingegen nicht. Zu den Gründungsmitgliedern zählen Anchorage Digital, ARK Invest, BlackRock, Block, Blockstream, Coinbase, Fidelity Digital Assets, Galaxy und Strategy. Die neun Gründungsmitglieder decken Vermögensverwaltung, Handel, Verwahrung und Protokollentwicklung ab. Die operative Koordination liegt zudem bei Mike Schmidt, Executive Director der Non-Profit-Organisation Brink, der die Rolle ehrenamtlich ausübt. Die Förderung zielt somit auf bestehende Sicherheitsforschung, darunter die Vorbereitung auf leistungsfähige Quantencomputer. Post-Quanten-Kryptografie meint Verschlüsselungsverfahren, die auch künftigen Quantencomputern standhalten sollen.
Warum jedes Mitglied seine Bitcoin-Sicherheits-Gelder selbst steuert
Der zentrale Punkt der Gründung liegt in der Struktur der Finanzierung. Das Consortium bündelt keine Gelder in einem gemeinsamen Topf. Ein solcher Topf hätte eine zentrale Instanz zur Mittelverteilung erfordert. Stattdessen entscheidet jedes der neun Mitglieder eigenständig, welche Entwickler und Forscher es unterstützt. Somit behält jeder Akteur die volle Kontrolle über seine eigenen Mittel. Die Rolle des Gremiums beschränkt sich hingegen auf Koordination und Kommunikation.
Diese Aufteilung wählten die Mitglieder bewusst. Das Gremium bezieht ausserdem keine Position zu konkreten Protokolländerungen und entwickelt das Bitcoin-Protokoll nicht. Folglich umgeht die Gruppe den Vorwurf, institutionelle Grossanleger könnten Einfluss auf die technische Ausrichtung von Bitcoin nehmen. Gleichzeitig wahrt die Struktur die Unabhängigkeit der Entwickler.
Die operative Klammer bildet Mike Schmidt, dessen Non-Profit-Organisation Brink seit Jahren Bitcoin-Open-Source-Entwickler finanziert. Schmidt übt die Koordinationsrolle ehrenamtlich aus. Brink gilt weiterhin als etablierter Geldgeber der Bitcoin-Core-Entwicklung und bringt entsprechende Erfahrung ein. Ferner will das Consortium als verlässliche Informationsquelle zu den Sicherheitsbemühungen dienen, für Investoren, Öffentlichkeit und Medien. Für BlackRock, den grössten Vermögensverwalter der Welt, ordnet Robert Mitchnick die Beteiligung ein.
"Bitcoin-Core-Entwickler leisten enorm wichtige Arbeit, und wir freuen uns, dass unser Unternehmen und die anderen Mitglieder dieser Gruppe nun deutlich zusätzliche Mittel bereitstellen, um Bitcoins langfristige Sicherheitsbedürfnisse zu unterstützen." - Robert Mitchnick, Global Head of Digital Assets, BlackRock
Weshalb Quantencomputer sieben Millionen Bitcoin bedrohen
Die technische Bedrohung, die das Consortium adressiert, lässt sich beziffern. Der quantentechnische Beirat von Coinbase schätzte in einem Bericht vom Juni 2026, dass rund 7 Mio. BTC verwundbar sind. Das Risiko greift, sobald ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer existiert. Bei aktuellem Kurs entspricht das rund 458 Mrd. USD an potenziell betroffenem Wert. Die Gefahr betrifft folglich einen erheblichen Anteil des im Umlauf befindlichen Angebots.
Der verwundbare Bestand teilt sich in zwei Kategorien. Einerseits liegen etwa 1.7 Mio. BTC in alten P2PK-Adressen, deren Public Key offen auf der Blockchain sichtbar ist. Diese Adressform stammt aus Bitcoins Frühzeit und exponiert den öffentlichen Schlüssel dauerhaft. Weitere rund 5 Mio. BTC gelten andererseits durch die Wiederverwendung von Adressen als exponiert. Wer eine Adresse mehrfach nutzt, legt deren Public Key nach der ersten Ausgabe offen. In beiden Fällen könnte ein Angreifer mit ausreichender Rechenleistung theoretisch den privaten Schlüssel aus den öffentlich einsehbaren Daten ableiten.
Bitcoin-Core-Entwickler haben darauf bereits reagiert. Der Vorschlag BIP-361 sieht vor, veraltete Signaturtypen schrittweise auslaufen zu lassen. Überweisungen an quantum-vulnerable Adressen will der Vorschlag ausserdem künftig unterbinden. Grosse, kryptografisch relevante Quantencomputer existieren allerdings heute nicht. Glaubwürdige Schätzungen verorten eine solche Fähigkeit noch Jahre in der Zukunft. Die Branchendiskussion referenziert dabei häufig eine Zielmarke um 2030. Dennoch bleibt die Bedrohung real, wenngleich sie zeitlich nicht unmittelbar ist.
Warum das Consortium auf bereits laufende Initiativen aufbaut
Die Gründung fällt nicht in ein Vakuum, sondern bündelt eine Welle einzelner Firmen-Initiativen der vergangenen Monate. Zunächst kündigte Strategy bereits im Februar 2026 ein eigenes Bitcoin Security Program an. Ursprünglich zielte das Programm auf die Risiken durch leistungsfähige Quantencomputer. Im März öffnete das Unternehmen zudem die Stellenausschreibung für einen Director of Bitcoin Security. Später bestätigte CEO Phong Le den Start des Programms für Ende März 2026. Der Softwarekonzern gilt als grösster börsennotierter Bitcoin-Halter und machte das Thema daher früh zur eigenen Sache.
Zwei Tage vor der Consortium-Gründung lancierte Galaxy Digital seine Bitcoin Quantum Readiness Initiative. Diese Initiative stellt bis zu 5 Mio. USD an Entwickler-Grants bereit. Über einen neuen Beirat steht sie ferner weiteren Organisationen zur Ko-Finanzierung offen. Einen Tag später folgte Strive mit einem Bitcoin Stewardship Commitment, das die Open-Source-Entwicklung ebenfalls über Brink unterstützt. Für Strive ist dies zunächst die erste konkrete Massnahme unter dem neuen Commitment. Beide Ankündigungen zeigen letztlich, wie dicht die Initiativen zeitlich aufeinandertrafen.
Auf der technischen Seite hat Blockstream eigene Vorarbeit geleistet. Das Unternehmen setzte im März 2026 mit SHRINCS auf dem Liquid Network erste post-quanten-signierte Transaktionen mit realen Geldern um. SHRINCS steht für den Einsatz quantensicherer Signaturen auf einer Sidechain, die parallel zum Haupt-Netzwerk läuft. Nach eigenen Angaben geschah dies erstmals auf einer produktiven Bitcoin-Sidechain. Insgesamt liegt damit bereits praktische Erfahrung mit quantensicheren Signaturen vor. Neben den Finanzmitteln fliesst diese Expertise nun ebenso in die koordinierte Arbeit des Gremiums ein.
Was der Pledge für institutionelle Bitcoin-Halter bedeutet
Für institutionelle Investoren markiert die Zusage einen Wandel in der Wahrnehmung von Protokoll-Sicherheit. Die grössten Verwalter und Halter behandeln das Thema nun aktiv als Risikomanagement-Frage, statt es einzelnen Entwicklern zu überlassen. Auffällig ist, dass Quanten-Vulnerabilität damit vom akademischen Randthema zum Bilanzrisiko der grössten Bitcoin-Adressen aufrückt.
Gleichzeitig gehören mit BlackRock, Fidelity Digital Assets und Strategy einige der grössten institutionellen Bitcoin-Adressen zu den Gründungsmitgliedern. In den kommenden Monaten will das Consortium schliesslich Material zu Bitcoins Sicherheit veröffentlichen, laufend aktualisieren und die Entwickler-Community weiter finanzieren. Bitcoin bleibt mit einer Marktkapitalisierung von rund 1.31 Bio. USD und einer Dominanz von 58.78% das mit Abstand grösste Krypto-Asset. Dessen langfristige Absicherung bindet für diese Akteure entsprechend viel Kapital.








