Strategy verkaufte in der ersten Augustwoche weitere 1'690 Bitcoin für rund 108.6 Millionen USD. Der Erlös floss in den Rückkauf eigener Vorzugsaktien, während Aktienemissionen die USD-Reserve auf 4.65 Milliarden USD hoben.
Strategy, früher als MicroStrategy bekannt, ist ein börsennotiertes US-Softwareunternehmen mit Bitcoin als grösster Bilanzposition. Seine Käufe finanziert der Konzern über Aktien- und Anleiheemissionen und gilt daher als Prototyp einer Bitcoin-Treasury-Firma. Ursprünglich flossen diese Erlöse direkt in neue Coins. Unter Executive Chairman Michael Saylor kaufte das Unternehmen seit 2020 laufend zu und vertrat dabei eine Never-Sell-Doktrin. Ende Juni 2026 kündigte der Konzern jedoch das Digital Credit Capital Framework an. Es erlaubt gezielte Verkäufe zur Finanzierung der eigenen Kapitalstruktur. Der aktuelle Verkauf ist somit der zweite in zwei aufeinanderfolgenden Wochen. Er senkt den Bestand auf 840'447 BTC im Wert von rund 54.7 Milliarden USD. Aufgebaut hat Strategy diese Position zu durchschnittlich 75'385 USD je Bitcoin.
Zweiter Verkauf in zwei Wochen finanziert den STRC-Rückkauf
Strategy legte die Transaktion in einer 8-K-Meldung bei der US-Börsenaufsicht SEC offen. Der Verkauf lief zwischen dem 3. und 9. August, einen Tag später folgte die Meldung. Der Durchschnittspreis lag bei 64'262 USD je Bitcoin. Zuvor hatte der Konzern bereits in der Woche bis zum 2. August verkauft. Damals waren es 1'638 BTC für rund 105 Millionen USD. Beide Transaktionen fallen zudem unter dasselbe Rahmenwerk.
Der gesamte Netto-Erlös aus dem Bitcoin-Verkauf floss in den Rückkauf von 1'152'020 STRC-Vorzugsaktien. STRC ist ein Vorzugspapier von Strategy mit einer laufenden Dividende von 12 Prozent. Einerseits bringen solche Papiere Kapital herein, ohne die Stammaktionäre zu verwässern. Andererseits verlangen sie feste Ausschüttungen, unabhängig vom Kursverlauf der Coins. Jede zurückgekaufte Aktie senkt somit die künftige Dividendenlast.
Bitcoin war allerdings nicht die grösste Geldquelle dieser Woche. Gleichzeitig platzierte Strategy 6'585'682 MSTR-Aktien für 653.1 Millionen USD über ein At-the-Market-Programm. Dabei gibt ein Unternehmen laufend neue Aktien direkt über die Börse aus, statt eine einzelne grosse Emission zu platzieren. Der Aktienverkauf brachte damit rund das Sechsfache des Bitcoin-Erlöses. Aus diesen Mitteln stockte der Konzern die USD-Reserve um 650 Millionen auf 4.65 Milliarden USD auf. Sie deckt nach den eigenen Regeln allein Vorzugsdividenden und Zinszahlungen. Als Kapitalpuffer für neue Käufe ist sie folglich nicht vorgesehen. Ungenutzt bleiben zudem rund 22 Milliarden USD Emissionskapazität.
Verkauf unter Einstandspreis bricht mit der Never-Sell-Doktrin
Der erzielte Preis von 64'262 USD liegt rund 14.8 Prozent unter dem durchschnittlichen Einstandspreis von 75'385 USD. Je verkauftem Bitcoin entspricht das einem rechnerischen Verlust von rund 11'123 USD. Strategy gab die Coins also unter dem eigenen Einstand ab, um Verpflichtungen aus der Kapitalstruktur zu bedienen. Auf den Gesamtbestand gerechnet fällt die Lücke jedoch grösser aus. Die verbliebenen 840'447 BTC kosteten inklusive Gebühren rund 63.4 Milliarden USD. Aktuell sind sie hingegen rund 54.7 Milliarden USD wert. Daraus ergibt sich ein Buchverlust von rund 8.7 Milliarden USD. Realisiert ist dieser Verlust nicht.
Den Weg dafür ebnete das Digital Credit Capital Framework vom Juni. Es hob die STRC-Dividende auf 12 Prozent und schuf zwei Rückkaufprogramme über je 1 Milliarde USD. Ferner autorisierte es erstmals Bitcoin-Verkäufe von bis zu 1.25 Milliarden USD. Anfang August weitete der Konzern dieses BTC Monetization Program schliesslich auf bis zu 5 Milliarden USD aus. Darin enthalten sind zunächst rund 1.25 Milliarden USD für die USD-Reserve. Hinzu kommen rund 1.76 Milliarden USD an jährlichen Dividenden- und Zinsverpflichtungen sowie bis zu 2 Milliarden USD für Aktien- und Vorzugsaktienrückkäufe. Ein Ablaufdatum hat das Programm nicht. Zu einem festen Verkaufsvolumen verpflichtet es das Unternehmen ebenfalls nicht. Die Monetarisierung des Bestands ist damit dauerhaft im Instrumentenkasten verankert.
Saylor selbst trennt öffentlich zwischen seiner persönlichen Haltung und der Bilanzpolitik des Konzerns. Bereits nach dem Verkauf von 1'638 BTC in der Vorwoche grenzte er sich auf X gegen die Kritik ab.
„Wenn ich sage ‚Verkaufe nie deinen Bitcoin', spreche ich als ein Sparer zum anderen. Ich habe meinen nie verkauft. Nicht einen Satoshi. Strategy ist ein börsennotiertes Unternehmen, nicht mein Wallet." - Michael Saylor, Executive Chairman und Mitgründer von Strategy
Für die Bilanz gilt die Doktrin dennoch nicht mehr. Innerhalb von zwei Wochen gab Strategy 3'328 BTC ab und nahm dafür rund 214 Millionen USD ein. Beide Verkäufe dienten letztlich demselben Zweck, der Innenfinanzierung von Dividenden und Rückkäufen.
STRC-Kurs nähert sich wieder dem Nennwert
Die Rückkäufe zeigen im Kurs des Vorzugspapiers Wirkung. Ende Juni 2026 notierte STRC unter 75 USD, inzwischen liegt der Kurs über 95 USD. Zum Nennwert von 100 USD fehlen damit weniger als fünf USD. Der Nennwert markiert gleichzeitig den Referenzwert, an dem sich die Ausschüttung bemisst. Strategy will den Kurs weiterhin in Richtung Nennwert führen.
Zunächst blieb die Reaktion auf die Offenlegung verhalten. MSTR-Aktien notierten vorbörslich rund 0.2 Prozent höher. Bitcoin selbst blieb unverändert. Zuvor hatte die MSTR-Aktie in der Vorwoche 3.3 Prozent zugelegt und am Freitag bei 100.01 USD geschlossen. Ebenso legte Bitcoin im selben Zeitraum um 2.4 Prozent zu.
Langfristig bleibt der Abstand allerdings gross. MSTR notiert weiterhin rund 78 Prozent unter dem eigenen Höchststand. Den enterprise mNAV weist der Konzern mit 1.07 aus. Dieser Multiplikator setzt den Unternehmenswert ins Verhältnis zum Wert der gehaltenen Bitcoin. Ein Wert über 1 bedeutet einen Aufschlag auf den Bestand. Es ist eine unternehmenseigene Kennzahl, keine standardisierte Bilanzgrösse. Bei 1.07 zahlt der Markt kaum noch einen Aufschlag auf die Coins.
Strategy bleibt mit Abstand grösster Bitcoin-Halter
An der Rangordnung ändern die Verkäufe trotzdem nichts. Die 840'447 BTC entsprechen rund 4 Prozent des auf 21 Millionen Coins begrenzten Gesamtangebots. Grösster Verfolger ist das von Tether unterstützte Twenty One Capital mit 43'514 BTC. Das entspricht gut einem Zwanzigstel des Strategy-Bestands. Dahinter folgen Metaplanet mit 43'000 BTC und MARA mit 35'377 BTC. Auf Rang fünf liegt die Bitcoin Standard Treasury Company mit 30'021 BTC, hinter der Adam Back und Cantor Fitzgerald stehen. Diese vier Verfolger kommen insgesamt auf weniger als ein Fünftel des Strategy-Bestands.
Insgesamt 196 börsennotierte Unternehmen haben laut Bitcoin-Treasuries-Daten ein Bitcoin-Akquisitionsmodell übernommen. Deren Bewertungen stehen unter Druck. Die Multiplikatoren aus Marktkapitalisierung und Nettoinventarwert sind bei den Digital-Asset-Treasury-Firmen gegenüber den Höchstständen vom Sommer 2025 deutlich geschrumpft. Ihr Modell setzt auf Kapitalerhöhungen über den Aktienmarkt. Die Dividenden- und Zinslasten fallen hingegen unabhängig vom Aktienkurs an.
Daher verliert der ursprüngliche Finanzierungsmechanismus an Kraft. Notiert eine Aktie nur knapp über dem Wert der eigenen Coins, bringt jede neue Emission kaum zusätzlichen Bitcoin je Aktie. Das macht Kapitalerhöhungen unattraktiv. Folglich rückt der Verkauf eigener Bestände als Innenfinanzierung nach vorn. Strategy hält beide Wege offen, mit 22 Milliarden USD Restkapazität am Aktienmarkt und einem Verkaufsprogramm über 5 Milliarden USD. Die Kapitalstruktur speist sich damit zunehmend aus dem Bestand, den sie ursprünglich aufbauen sollte.








