Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Hardware-Wallets gelten als sicherste Form der Bitcoin-Aufbewahrung, weil sie nie ans Internet gehen. Diese Woche zeigte sich, dass die Offline-Lagerung allein nicht schützt. Bei Coldcard-Geräten des Herstellers Coinkite sass die Lücke in der Schlüsselerzeugung selbst. Ein deaktivierter Hardware-Zufallszahlengenerator zwang die Firmware auf schwache Ersatzquellen: Seriennummer des Mikrocontrollers, System-Counter und Register der Echtzeituhr. Diese Werte sind nicht geheim, entsprechend vorhersagbar wurden die erzeugten privaten Schlüssel. Betroffen sind Seeds, die seit März 2021 auf Modellen von Mk2 bis Q entstanden. Angreifer räumten in mehreren Wellen rund 1’816 BTC (etwa 116 Millionen USD) von über 4’500 Adressen ab. Coinkite lieferte korrigierte Firmware aus, stoppte den Versand und vernichtete verwundbare Lagerbestände. Dennoch bleibt der Vertrauensverlust tief, sowohl in das Unternehmen als auch Hardware Wallets im Allgemeinen.
Eine Sicherheitslücke in Coldcard-Hardware-Wallets machte Bitcoin-Schlüssel berechenbar. Bislang flossen rund 1’367 BTC ab.
US-Senat schiebt das Krypto-Marktgesetz in den Herbst
Der Digital Asset Market Clarity Act kommt vor der Sommerpause nicht mehr zur Abstimmung. Mehrheitsführer John Thune hat kein Cloture-Votum angesetzt, und dem Entwurf fehlen rund zehn Stimmen zu den nötigen 60. Der Weg dorthin war lang: Das Repräsentantenhaus stimmte im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen zu. Die zuständigen Senatsausschüsse folgten nach zahlreichen Verzögerungen erst im Januar und im Mai 2026. Inhaltlich erhielte die Terminaufsicht CFTC die Hauptzuständigkeit für digitale Rohstoffe, Wertpapiere blieben bei der Börsenaufsicht SEC. Blockiert wird der Text an drei Punkten. Die Senatoren Ruben Gallego und Thom Tillis wollen Bundesbeamten und deren Ehepartnern eigene Token untersagen. Senatorin Catherine Cortez Masto hält die Vorgaben gegen Geldwäscherei für zu löchrig. Zudem verhandelt Cory Booker über den Text des Agrarausschusses. Mitarbeiter im Senat sprechen von Stillstand und nennen den September als realistischen Termin. Bis dahin gilt nur eine Auslegungsrichtlinie von SEC und CFTC, die jede künftige Regierung zurücknehmen kann.
Der Senat hat vor der Sommerpause keine Cloture-Abstimmung zum Clarity Act angesetzt. Ethik- und Geldwäsche-Fragen bleiben ungelöst.
Justin Drake will Ethereums Staking-Rate auf null senken
Während Washington über Zuständigkeiten streitet, verschiebt Ethereum seine Regeln im Protokoll selbst. Forscher um Justin Drake von der Ethereum Foundation schlagen vor, Staking-Rewards schrittweise zu verbrennen. Der Entwurf trägt den Namen Tapered Issuance Burn und liegt seit Mitte Juli vor, die Forumsdiskussion läuft seit Anfang August. Die Netto-Emission fiele auf null, sobald rund 50% des ETH-Angebots gestaked sind, also etwa 60.25 Mio. ETH. Derzeit sind rund 40 Mio. ETH hinterlegt, die Rendite auf dem Consensus Layer liegt bei etwa 2.62% jährlich. Nach einer Einführung über 18 Monate bliebe davon rund 1.2%. Wer erst nach dem Überschreiten der Marke eingreife, müsse ein deutlich grösseres Ungleichgewicht korrigieren, argumentiert Mitautor Jérôme de Tychey. Widerspruch kommt aus der ganzen Branche. Einerseits ignoriert die Ethereum Foundation die gesamten Sekundäreffekte in der DeFi-Branche. Andererseits würde der bereits erhebliche Aufwand für eine Staking-Rate von überschaubaren 2.62% pro Jahr noch weniger entschädigt.
Forscher um Justin Drake wollen Ethereum Staking-Rewards verbrennen und die Netto-Emission ab 60.25 Mio. ETH auf null senken.
Strategy stützt die eigene Kapitalstruktur mit Bitcoin-Verkäufen
Der grösste börsennotierte Bitcoin-Halter baut seinen Bestand weiter ab. Strategy, vormals MicroStrategy, verkaufte in der Woche bis Anfang August 1’638 BTC für rund 104.73 Mio. USD. Der Durchschnittspreis lag bei 63’957 USD je Bitcoin. Im Bestand bleiben 842’138 BTC im Wert von rund 52.6 Mrd. USD. Angeschafft wurden sie für rund 63.5 Mrd. USD, woraus ein nicht realisierter Verlust von etwa 11 Mrd. USD entsteht. Die Erlöse fliessen in den Umbau der Bilanz: Das Unternehmen erhöhte die Dollarreserve auf 4 Mrd. USD und kaufte STRC-Vorzugsaktien 11% unter Nennwert zurück. Grundlage ist das im Juni angekündigte Digital Credit Capital Framework über insgesamt 2 Mrd. USD. Der Druck ist sichtbar: Im zweiten Quartal fiel ein Nettoverlust von 8.22 Mrd. USD an, die Aktie verlor über zwölf Monate 75%. CEO Phong Le beschreibt den Schritt als Wechsel von der Kapitalakkumulation zur laufenden Steuerung der Kapitalstruktur.
Strategy verkauft Bitcoin für rund 104.73 Mio. USD, gibt 3.01 Mio. neue Aktien aus und kauft STRC-Vorzugsaktien mit Abschlag zurück.
Mastercard kauft sich die Stablecoin-Abwicklung ins Haus
Ausserdem: Mastercard hat die Übernahme des Stablecoin-Zahlungsdienstleisters BVNK Anfang August abgeschlossen. Der Kaufpreis liegt bei 1.5 Mrd. USD, dazu kommen erfolgsabhängige Nachzahlungen von bis zu 300 Mio. USD. Damit ist es die bisher grösste Übernahme in diesem Segment, vor dem Kauf von Bridge durch Stripe für 1.1 Mrd. USD. BVNK wurde 2021 in London gegründet und wickelte per Ende 2025 jährlich rund 30 Mrd. USD an Zahlungen ab, in über 130 Ländern. Zu den Kunden zählen Worldpay, Deel und dLocal. Für Mastercard zählt neben dem Volumen die Regulierung: BVNK bringt eine EU-E-Geld-Lizenz und eine MiCA-Zulassung aus dem Februar mit. Die Technologie soll in vier Bereiche einfliessen, darunter B2B-Zahlungen, Überweisungen und Treasury-Flüsse von Unternehmen. Der Schritt ergänzt das Krypto-Partnerprogramm vom März und die kürzlich gestartete Kartenabwicklung in USDC, PYUSD und RLUSD.
Mit der Übernahme von BVNK für bis zu 1.8 Mrd. USD baut Mastercard seine Stablecoin-Infrastruktur für B2B-Zahlungen und Settlement aus.






