Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Neun Jahre nach dem ersten Versprechen legt Tether einen vollständigen Jahresaudit vor. Die Prüfgesellschaft KPMG U.S. erteilte für das Geschäftsjahr 2025 ein uneingeschränktes Testat und bestätigte einen Reserveüberschuss von 6.814 Mrd. USD. Der Unterschied zu den bisherigen Quartalstestaten ist dabei erheblich. Geprüft wurden nicht nur Bestände zu einem Stichtag, sondern auch Abschlüsse, interne Kontrollen und Bewertungen. Zudem verifizierten die Prüfer die 130 Tonnen physisches Gold Barren für Barren vor Ort. Den grössten Reserveposten bilden US-Staatsanleihen mit 141 Mrd. USD. Der USDT-Umlauf lag zum Jahresende bei 186.5 Mrd. USD, der Gewinn bei über 10 Mrd. USD. Das sind 23% weniger als im Vorjahr. Die Vorgeschichte erklärt das Gewicht des Testats. 2018 beendete die Kanzlei Friedman LLP ihr Mandat ohne Ergebnis. Drei Jahre später büsste die Terminaufsicht CFTC Tether mit 41 Mio. USD wegen falscher Angaben zur Dollardeckung. Offen bleibt trotzdem einiges. Denn der Audit deckt nur Tether International, S.A. de C.V. ab, und der vollständige Bericht ist unveröffentlicht.
KPMG erteilte Tether im ersten vollständigen Audit ein uneingeschränktes Testat für 2025 und bestätigte 6.814 Mrd. USD Überschuss.
Clarity Act wird offiziell vertagt
Der Senat vertagte diese Woche die Abstimmung über den Clarity Act auf Mitte September. Mehrheitsführer John Thune reichte den entscheidenden Verfahrensantrag kurz vor der fünfwöchigen Sommerpause ein. Das Gesetz teilt die Aufsicht über digitale Vermögenswerte zwischen SEC und CFTC auf. Es legt zudem fest, wann ein Token als Rohstoff und wann als Wertpapier gilt. Zwar stimmte das Repräsentantenhaus der Fassung bereits im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen zu. Im Senat ist die Rechnung schwieriger. Die Republikaner halten 53 Sitze, für die Cloture-Hürde braucht es jedoch 60 Stimmen. Mindestens sieben Demokraten müssten also mitziehen. Bis Jahresende bleiben zudem nur 36 Sitzungstage. Umstritten sind Ethikregeln für Regierungsvertreter, die Vollzugskompetenz der Generalstaatsanwälte und Zinszahlungen auf Stablecoins. Senatorin Cynthia Lummis warnte, „der Tod durch tausend Schnitte ist so tödlich wie eine Kugel“.
Die Abstimmung über den Clarity Act folgt erst am 15. September; den Republikanern fehlen sieben Stimmen für die Cloture-Hürde.
Goldman Sachs zahlt 2.25 Mrd. USD für monatliche Krypto-Erträge
Auf die Gesetzgebung warten die grossen Häuser der Wall Street nicht. Goldman Sachs übernimmt den ETF-Anbieter Neos Investments für bis zu 2.25 Mrd. USD in bar und Aktien. Neos ist auf optionsbasierte Income-ETFs spezialisiert und verwaltet über 30 Mrd. USD in 19 Produkten. Solche Fonds verkaufen dabei Optionen auf ihre Bestände und schütten die Prämien monatlich aus. Zum Paket gehören drei Krypto-ETFs mit zusammen über 1.2 Mrd. USD. Der grösste ist der Bitcoin High Income ETF mit über 1 Mrd. USD. Dazu kommen ein gehebeltes Schwesterprodukt und ein Ethereum-Pendant. Bitcoin und Ethereum halten die Fonds nicht direkt, sondern über börsengehandelte Produkte. Die monatlichen Ausschüttungen begrenzen allerdings das Aufwärtspotenzial. Der Kauf folgt auf die Übernahme von Innovator Capital Management im April für rund 2 Mrd. USD. Goldman verwaltet damit über 130 Mrd. USD auf seinen ETF-Plattformen und ist achtgrösster Anbieter aktiver ETFs weltweit. Branchenweit stecken 180 Mrd. USD in Options-Income-ETFs, mit Zuwachsraten von über 70% pro Jahr seit 2021.
Goldman Sachs zahlt bis zu 2.25 Mrd. USD für Neos Investments und erhält drei Options-Income-ETFs auf Bitcoin und Ethereum.
Ordinals-Gegner scheitern mit ihrer eigenen Bitcoin-Kette
Während die Wall Street Bitcoin in Finanzprodukte verpackt, stritt das Protokoll selbst über seine Grundregeln. Vergangenes Wochenende kam es zu einer Kettenteilung, ausgelöst durch den Soft-Fork-Vorschlag BIP-110. Dieser wollte nicht-finanzielle Daten in Transaktionen für ein Jahr begrenzen, allen voran Ordinals-Inschriften. Für eine Aktivierung ohne Split brauchte es 55% Miner-Signalisierung, zuletzt lag die Unterstützung bei 2.53%. Den Bruch löste AntPool bei Block 961’632 mit einem Block ohne das erforderliche Signalisierungsbit aus. Nodes mit BIP-110-Regeln lehnten ihn ab, die Mining-Gruppe Roughnecks erzeugte über Ocean Pool eine Alternative. Danach liefen zwei Ketten auseinander. Weit kam die Minderheitskette nicht. Sie brachte zwei Blöcke hervor, nötig wären jedoch rund 2’000 gewesen. Oceans Hashrate auf dieser Kette fiel binnen eines Tages um 96.5%, Roughnecks stellte das Mining tags darauf ein. Weder grosse Börsen noch Verwahrer unterstützten die Abspaltung, ein handelbarer Token entstand nie. Unterstützer erwägen nun, den Proof-of-Work-Algorithmus zu wechseln, um dem Boykott der etablierten Pools zu entgehen.
Ein Datenleck bei Trezors Versandpartner ShipMonk legt Kontaktdaten von 13’689 Kunden offen; Geräte und Schlüssel bleiben sicher.
Das nächste Hardware-Wallet-Datenleck
Ausserdem: Beim Versanddienstleister ShipMonk griff ein unbefugter Dritter auf Kundendaten von Trezor zu. Betroffen sind 13’689 Käufer der Hardware-Wallets aus dem Hause SatoshiLabs in sieben Ländern. Bei 11’742 davon lagen Name, Lieferadresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse offen. Dabei geht es um Bestellungen aus dem Zeitraum von Mai bis August. Geräte, private Schlüssel und Wallet-Backups blieben unberührt, ebenso Trezors eigene Systeme. Den begrenzten Umfang führt das Unternehmen auf eine vertragliche Aufbewahrungsfrist von 90 Tagen zurück. Das Risiko liegt anderswo. Nach dem Ledger-Leck von 2020 folgten auf 272’000 offengelegte Datensätze Phishing-Wellen und Drohungen gegen die Betroffenen. Das Analyseunternehmen Chainalysis zählte im ersten Halbjahr 2026 weltweit 46 gewaltsame Krypto-Überfälle, nach 40 im Vorjahreszeitraum. Trezor kündigte kurz nach der Mitteilung anonymen Versand an Paketstationen an, verfügbar ab September in der EU. Den 13’689 Betroffenen hilft das nicht.
Die BIP-110-Minderheitskette von Bitcoin produzierte nur zwei Blöcke und liegt nach dem Split 111 Blöcke hinter der Hauptkette.







