Die Lobbyvereinigung "Stand With Crypto" unterstützt 32 Kandidaten für das US-Repräsentantenhaus in den Midterms 2026. Alle unterstützten Amtsinhaber stimmten zuvor für den Clarity Act, der seit Juli 2025 im Senat feststeckt.
Stand With Crypto ist eine politische Interessenvertretung, die in den USA für krypto-freundliche Gesetzgebung wirbt. Die Gruppe bewertet Abgeordnete nach ihren Positionen zu digitalen Assets und spricht Wahlempfehlungen aus. Ausserdem mobilisiert sie ihre registrierten Unterstützer vor Wahlen. Grosse Direktausgaben für Wahlwerbung stehen hingegen nicht im Zentrum, anders als bei den Super-PACs der Branche. Coinbase lancierte die Organisation ursprünglich 2023 und finanziert sie bis heute. Inzwischen zählt sie über 3 Millionen registrierte „Advocates" in den USA. Auf der aktuellen Liste stehen Republikaner wie Warren Davidson, Tom Emmer, Bill Huizenga, Juan Ciscomani und Brian Fitzpatrick. Dazu kommen die Demokraten Ritchie Torres und Josh Gottheimer.
Wen Stand With Crypto für den Kongress unterstützt
Alle 32 unterstützten Amtsinhaber eint dasselbe Votum. Sie stimmten im Repräsentantenhaus für den Digital Asset Market Clarity Act. Das Gesetz soll erstmals eine umfassende föderale Regulierung für US-Kryptomärkte schaffen. Die Kammer verabschiedete den Entwurf im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen, darunter 78 Demokraten. Seither wartet die Vorlage jedoch im Senat. Dort genügt keine einfache Mehrheit, denn für die Eröffnung der Debatte sind 60 Stimmen nötig.
Für die Branche ist das Gesetz weiterhin die zentrale Priorität dieser Legislaturperiode. Die Organisation belohnt gezielt Amtsinhaber mit dokumentiertem Abstimmungsverhalten. Ausschlaggebend ist somit das Votum, nicht die Parteizugehörigkeit. Im März 2026 empfahl die Gruppe erstmals sechs Abgeordnete. Auf jener Liste standen Zach Nunn (R-Iowa), Susie Lee (D-Nevada) und Mike Lawler (R-New York). Ebenso kamen Don Davis (D-North Carolina), Greg Landsman (D-Ohio) und Rob Bresnahan (R-Pennsylvania) darauf. Ferner bewertet der damals lancierte Voter Hub Mandatsträger öffentlich nach ihren Krypto-Positionen.
Exekutivdirektor Mason Lynaugh ordnet die Midterms als Wendepunkt für die Krypto-Politik in Washington ein. Gleichzeitig versuchten Kandidaten beider Parteien, Wähler ausserhalb ihrer traditionellen Basis zu erreichen, sagte er. Wer Krypto-Wähler dabei übersehe, tue dies auf eigene Gefahr. Für die Gruppe sind die Midterms damit ein Test der eigenen Mobilisierungskraft.
Ethik-Streit um Trumps Krypto-Geschäfte blockiert den Senat
Im Senat entscheidet sich am 15. September, ob der Clarity Act überhaupt zur Debatte kommt. Auf der Tagesordnung steht eine prozedurale Cloture-Abstimmung, die 60 Stimmen benötigt. Diese Mehrheit ist derzeit jedoch nicht in Sicht. Denn im Vordergrund steht der Streit über Trumps persönliche Krypto-Einnahmen. Beide Lager verhandeln daher seit Wochen über eine Ethik-Klausel, bislang ohne Ergebnis.
Zunächst stimmte der Präsident im Juli 2026 einer ersten Fassung dieser Klausel zu. Sie verbietet Amtsträgern und deren Ehepartnern, digitale Assets auszugeben oder zu bewerben. Das Verbot zielt damit auf Amtsträger insgesamt, nicht allein auf den Präsidenten. Demokraten kritisieren hingegen, dass die Durchsetzung allein beim Justizministerium liegt. Der Demokrat Ruben Gallego und der Republikaner Thom Tillis wollen sie zudem auf einzelstaatliche Generalstaatsanwälte ausweiten. Das Weisse Haus hat dem überparteilichen Vorschlag bislang nicht zugestimmt.
Der zentrale Streitpunkt bleibt vor der Abstimmung somit offen. Und ohne demokratische Stimmen kommt das Gesetz nicht über die 60-Stimmen-Hürde. Kirsten Gillibrand verhandelt das Gesetz auf demokratischer Seite mit. Ihre Stimme zählt zu jenen, die für diese Hürde nötig sind. Die bestehende Klausel hält sie allerdings für nicht durchsetzbar. Rückendeckung erhält sie aus Umfragedaten. In einer Reuters/Ipsos-Erhebung Mitte August hielten 63% der 1'166 befragten US-Erwachsenen Trumps Krypto-Gewinne für unangemessen.
"Wir können kluge, klare Regeln für digitale Assets verabschieden und gleichzeitig verhindern, dass sich der Präsident selbst bereichert. Es braucht ein durchsetzbares Verbot, und jedes Marktstruktur-Gesetz, das die Durchsetzung allein dem Justizministerium des Präsidenten überlässt und ihm erlaubt, von Krypto zu profitieren, ist keine Reform. Es ist ein Freibrief." - Kirsten Gillibrand, US-Senatorin (D-New York)
Wie Krypto-PACs schon einmal eine Senatswahl entschieden
Über Direktausgaben wirkte die Branche bereits 2024 auf ein Senatsrennen ein. Super-PACs dürfen in den USA unbegrenzt für oder gegen Kandidaten werben, solange sie sich nicht mit deren Kampagnen abstimmen. Das Krypto-Komitee Fairshake kündigte ursprünglich 12 Mio. USD zugunsten des Republikaners Bernie Moreno in Ohio an. Letztlich flossen über Fairshake und verbündete Komitees rund 40 Mio. USD in das Rennen. Moreno besiegte den krypto-kritischen Amtsinhaber Sherrod Brown, damals Vorsitzender des Senate Banking Committee. Das Rennen gilt folglich als Beleg für die Schlagkraft des Sektors.
Ohio steht 2026 erneut im Zentrum. Brown will zurück in den Senat und trifft im November auf den Republikaner Jon Husted. Diesmal kommt der Gegenwind allerdings von anderer Seite. Der Sentinel Action Fund und die verbundene Organisation Right Vote sagten im April 8 Mio. USD zugunsten Husteds zu. Vergleichsweise früh im Wahlzyklus liegt in einem einzigen Rennen damit ein Millionenbetrag auf dem Tisch.
Insgesamt hat die Krypto-Branche bereits rund 200 Mio. USD in die Midterms gelenkt. Fairshake allein hielt im Juli rund 141 Mio. USD an Mitteln. Gegen diese Summen wirken 32 Wahlempfehlungen vergleichsweise bescheiden. Sie zielen dennoch auf eine andere Ressource als Sendezeit, nämlich auf organisierte Wähler in einzelnen Bezirken. Beide Instrumente greifen im selben Wahlzyklus ineinander.
Warum Stand With Crypto den Senat vorerst aussen vor lässt
Für den Senat spricht die Gruppe vorerst keine Empfehlungen aus. Diese folgen später, näher am Wahltag im November. Dabei entscheiden gerade die Senatsrennen über jene Kammer, in der der Clarity Act festhängt. Die sechs im März unterstützten Abgeordneten kandidieren ebenfalls für das Repräsentantenhaus, nicht für die zweite Kammer. Über den Clarity Act haben die Senatoren zudem bislang nicht abgestimmt.
Im Repräsentantenhaus liegt dagegen ein eindeutiges Votum vor. Der Entwurf liegt im Senat inzwischen seit über einem Jahr. Strittig sind dort unter anderem die Erträge auf Stablecoins und Bedenken zur Finanzierung illegaler Aktivitäten. Ferner dominiert der Ethik-Konflikt die Verhandlungen seit dem Sommer. Offen ist weiterhin, ob das Weisse Haus dem Vorschlag von Gallego und Tillis zustimmt.
Der 15. September wird deshalb zum Prüfstein für beide Seiten. Scheitert die Cloture-Abstimmung, kommt der Entwurf nicht ins Plenum. Letztlich entscheiden die Wähler im November aber erst über den nächsten Kongress.








