Bitcoin Crash – Was sind die Gründe und wie geht es weiter?

Am Donnerstag gab es kein Halten mehr. Im Einklang mit den traditionellen Finanzmärkten verlor Bitcoin innert kürzester Zeit 30 %. Nach vorübergehender Bodenbildung fiel der Kurs am selben Tag bis unter 4’000 USD, was einem Bitcoin Crash von knapp 50 % gegenüber dem Vortag entsprach.

Was führte zum aktuellen Bitcoin Crash? Es können 3 Faktoren ausgemacht werden:

Zu Hohe Erwartungen

Die Eigenschaften von Bitcoin sind bestechend. Eine valable Alternative für den dezentralen Werttransfer. Zensurresistent, Vertrauenslos. Der Weg welcher diese neuartige digitale Währung in seinem knapp 11-jährigen Bestehen zurückgelegt hat, ist beeindruckend und ungesehen. Die Chancen, diese Fahrtrichtung weiterzugehen, stehen gut. An der Schwelle zur Implementierung im traditionellen Anlageuniversum, aber auch durch das Nachrücken jüngerer Generationen, welche gegenüber konventionellen Finanzhäusern kritischer eingestellt sind, als gegenüber frisch aufstrebenden digitalen Währungen. Die bestechende deflationäre Struktur in Zeiten unbeschränkten Gelddruckens, ist ein weiterer gewichtiger Punkt, welcher für Bitcoin spricht. Alles Zutaten welche für eine nachhaltige, mehrjährige Entwicklung sprechen.

Doch da gibt es die andere, ungeduldige Seite des Marktes. Die Seite mit neuen Investoren, welche keine, oder nur wenig Anlageerfahrung haben. Sie sind gefundenes Fressen für Haifische im Becken. In teilweise fragwürdigen Socialmediakanälen werden täglich absurde Kursbewegungen vorhergesagt. Natürlich alle unsagbar erhöht, sonst würde es ja niemanden interessieren. Gespielt wird mit der Hoffnung von Leuten welche sich höchstwahrscheinlich noch wenig mit „Investor Behavior“ auseinandergesetzt haben. Sie schwelgen oft, auf Grundlage des Sirenengeheuls zuvor genannter Promotoren, in der Vorstellung, mit dem Einsatz von ein paar Hundert Dollar, mit Bitcoin innerhalb kürzester Zeit zum Millionär zu werden. Das anstehende „Halving“ wurde nur zu gerne als weiterer Grund genannt, warum Bitcoin ganz sicher im Jahr 2020 „to the moon“ gehen wird. Das führt im Allgemeinen zu falschen und übertriebenen Erwartungen, welche natürlich Bewegungen wie in dieser Woche gesehen, den Verkaufsdruck erhöhen und die Träume durch „Margin Calls“ zerscherbeln lässt.

Leverage (Hebel)

Die Kryptobörsen sind weit vorne im Angebot an Instrumenten, die einen gehebelten Handel zulassen. Während an traditionellen Handelsplätzen zentrale Börsen mit verschiedenen Marktteilnehmern agieren, stellen die Kryptobörsen meist ihre eigene Handelsplattform, inklusive Liquidität zur Verfügung. Die Börsenanbieter versuchen dabei teilweise, durch möglichst hohe Hebelangebote mehr Kunden anzuziehen und sich gegenseitig zu überbieten. So gehört ein Hebel mit Faktor 100x, um Bitcoins zu handeln, schon fast zum Standardprogramm. So kann der Spekulant beispielsweise mit 0.1 Bitcoin Einsatz, 10 Bitcoins handeln. Allerdings ist dann sein Einlage bei einer einprozentigen Bewegung gegen die erhoffte Richtung verloren. Margin Call nennt man das. Alleine am Donnerstag wurden durch sogenannte Margin Calls bei einem einzelnen Börsenbetreiber, Positionen im Umfang von 710 Mio. Dollar liquidiert.

Es tummeln sich viele Akteure um die verschiedenen Handelsplattformen. Grosse Spieler, sogenannte Whales, aber auch Hedgefonds und als Spezialität, die Börsenanbieter selbst, welche teilweise als Market Maker auftreten. Nicht zu vergessen eine riesen Schar an individuellen Teilnehmern (Retail Clients), die über diese Plattformen einen sehr einfachen Zugang zu gehebelten Instrumenten erhalten.

Lange Rede kurzer Sinn. Wir befinden uns im Krypto-währungsmarkt in einem Umfeld, welches von sehr viel spekulativem Kapital getrieben wird. Die Mischung von Börsenbetreibern, welche teilweise ihre Bücher gegenüber dem Kunden abbilden (Interessenskonflikt), Grosse Player welche ihre Spiele treiben können, sowie Retail Tradern, die meist zu hoch und über ihren finanziellen Verhältnissen Pokern, führt immer wieder zu entsprechenden heftigen Kursbewegungen. Das kann Notabene auch in die andere Richtung passieren, wie am Ende des Bullenmarktes 2017, wo Bitcoin in nur zwei Tagen 70 % zulegte. Volatilität gehört durch diese spekulative Mischung zum Programm.

Risk Off – In Stresssituationen existiert kein Safe Haven ausser Cash

Bitcoin Enthusiasten freuten sich 2019 über eine anfängliche (zufällige) Korrelation von Bitcoin zu Gold.
Es wurde bereits vom neuen digitalen Gold gesprochen, welches das alte Metall bald als „Save Haven“ ablösen würde.

Doch nun befinden wir uns ganz plötzlich in einer Stresssituation. Die traditionellen Aktien und Obligationenmärkte befinden sich aktuell im freien Fall. Das Coronavirus war der Auslöser, das fragile Finanzsystem ins Wanken zu bringen. Nach Zeiten von langen Aufwärtsbewegungen sind nun Kurskorrekturen von 20 % und mehr wieder Alltag geworden. Der überrumpelte Anleger entkommt den Kursverlusten nur durch die Flucht in Cash. Jede Assetklasse die Volatilität beinhaltet, ist im Depot vorerst nicht mehr erwünscht, oder muss aufgrund des zu hohen Hebels reduziert werden. Selbst Gold und natürlich auch Krypto-Währungen, gehören da zur Spezies, die der Anleger in solchen Situationen loswerden möchte.

Konsequenterweise wurde mit dem Abwärtsstrudel in den letzten Tagen der Mythos „Safe Haven“ massiv abgeschwächt. Warum ist das so? Bitcoin ist noch lange nicht salonfähig geworden. Grössere Investoren in dieser Assetklasse bestehen meist aus Hedgefunds, welche primär absolute Rendite anstreben.  Aber auch Gold, dass sich seinen Status als sicherer Hafen über Jahrhunderte erarbeiten musste, ist in Krisensituationen unter Druck. In der Finanzkrise 2008/2009 beispielsweise, verlor Gold zuerst gut 30 %, bevor es zu neuen Höhenflügen ansetzte.

Die marktdominierende Mehrheit der Anleger, ist also auch im Bereich Krypto-Währungen kurzfristig opportunistisch unterwegs. Über die Zeit wird die natürliche Nachfrage und die spezielle Angebotssituation bei Bitcoin zum tragen kommen.

Wie geht es nach dem Bitcoin Crash weiter?

Vorab, wir haben hier keine Glaskugel. Dementsprechend können wir nur Mutmassungen anstellen. Es ist davon auszugehen, dass Bitcoin und damit übrigens alle Altcoins, eine gewisse Korrelation zu den traditionellen Märkten haben werden. Sollte es an den Aktienmärkten weiter nach unten gehen, dürfte auch Bitcoin weiter unter Verkaufsdruck stehen. Damit sind Sphären um 3’000 USD, die bereits kurzfristig getestet wurden durchaus realistisch. Während die Kapitulation von den gehebelten Händlern nun weit fortgeschritten ist, braucht es eventuell noch die Kapitulation von langfristigen Anlegern. Falls die Aktienmärkte weiter fallen, sehen wir eine hohe Chance dafür.

Mittelfristig kann eine erweiterte Finanzkrise durchaus das Bewusstsein der Leute steigern, was überhaupt Geld ist und inwiefern es aktuell von den Zentralbanken verwendet wird. Dies würde über die Zeit zwangsläufig zu gesteigerter Nachfrage nach nicht beliebig inflationierbaren Assetklassen wie Gold, oder eben Bitcoin führen. Je nach Auswirkung der zu erwartenden Wirtschaftskrise, dürfte dies aber noch einige Zeit (Monate, Jahre) in Anspruch nehmen. Fundamental hat sich an Bitcoin nichts geändert. Transaktionen, die Anzahl Wallets und die Hashrate ist auf einem Allzeithoch. Auch die Geldpolitik ist klar vorgegeben. Die mittel bis langfristigen Aussichten stehen also weiterhin gut für Bitcoin. Glaubt man an die Grundlagen von Bitcoin, sollte man realistisch investieren. Über die Zeit verteilt, in einer Grössenordnung, wobei man aktuelle oder noch heftigere Kurskorrekturen verkraften kann.

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Redaktion cvj.ch

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