Die US-Bankenaufsicht OCC hat der Trump-Krypto-Firma World Liberty Financial eine bedingte Vorab-Genehmigung für die Bank-Charter einer nationalen Trust-Bank erteilt. Somit darf das Unternehmen den Stablecoin USD1 künftig selbst emittieren und die Dollar-Reserven dahinter selbst verwahren.
Eine nationale Trust-Charter ist keine volle Banklizenz. Sie erlaubt die Verwahrung und Verwaltung von Kundenvermögen sowie eine schnellere Abwicklung von Zahlungen. Einlagen- und Kreditgeschäft deckt sie jedoch nicht ab. World Liberty Financial entstand Ende 2024, mitgegründet von Donald Trump, seinen drei Söhnen und der Witkoff-Familie. An der Spitze steht Zach Witkoff, der Sohn von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff. Den Stablecoin USD1 kündigte die Firma ursprünglich im März 2025 an. Der Antrag auf die Charter folgte im Januar 2026 über die WLTC Holdings LLC. Inzwischen ist USD1 mit rund 4 Mrd. USD im Umlauf der viertgrösste Stablecoin nach Marktkapitalisierung. Final ist die Entscheidung allerdings nicht.
World Liberty darf USD1 künftig selbst verwahren
Bisher liegen Emission und Reserveverwahrung von USD1 bei BitGo Bank & Trust. Emission bedeutet die Ausgabe neuer USD1-Einheiten, Reserveverwahrung die Aufbewahrung der Dollar-Bestände hinter dem Stablecoin. Künftig soll World Liberty beide Funktionen selbst übernehmen. Sitz der geplanten Bank ist Bay Harbor Islands in Florida. Einlagen entgegennehmen oder Kredite vergeben darf die Trust-Bank hingegen nicht. Eine föderale Einlagenversicherung strebt die Gesellschaft nach eigenen Angaben ebenso wenig an wie einen Master-Account bei der Federal Reserve.
An die Vorab-Genehmigung knüpft die Behörde mehrere Auflagen. World Liberty muss zunächst mindestens 20 Mio. USD Eigenkapital vorhalten, davon mindestens die Hälfte in liquiden Mitteln. Wesentliche Änderungen am Geschäftsplan muss das Unternehmen melden, ausserdem einen qualifizierten internen Audit-Manager einstellen. Vor dem Betriebsstart hat die Firma ferner sämtliche „preopening requirements" der Genehmigung zu erfüllen. Ändern, aussetzen oder widerrufen kann die OCC ihre Zusage jederzeit. Die Vorab-Genehmigung ist somit ein Zwischenschritt, keine Betriebserlaubnis.
Zach Witkoff, Präsident und Chairman der World Liberty Trust, wertet die Genehmigung als Zugewinn an Aufsicht. Emission, Verwahrung und Reservemanagement liegen dann in einer Einheit unter Bundesaufsicht.
„Eine nationale Trust-Bank bringt USD1-Emission, Verwahrung und Reservemanagement unter OCC-Aufsicht zusammen, geprüft nach denselben Standards, die Banken seit Generationen regeln. Wir begrüssen die fortlaufende, mehrjährige Prüfung durch die Bundesregulatoren." - Zach Witkoff, Präsident und Chairman, World Liberty Trust
Trump-Familie profitiert direkt von der Genehmigung
Über eine von Donald Trump Jr. und weiteren Familienmitgliedern gesponserte Einheit hält die Trump-Familie 38% an World Liberty Financial. Eric Trump, Sohn des Präsidenten, unterzeichnete als Präsident eines Familien-Investmentvehikels zudem ein sogenanntes „Passivity Agreement". Darin sichert er zu, keinen Einfluss auf die Bankgeschäfte zu nehmen. An den Eigentumsverhältnissen ändert die Zusicherung jedoch nichts.
Nach Reuters-Berechnungen flossen von World Liberty bis April 2026 insgesamt über 1.6 Mrd. USD an den Präsidenten und seine Familie. Allein über USD1 verdiente die Familie bis Ende Juni 2026 rund 50 Mio. USD. Die Milliardensumme bezieht sich allerdings auf das gesamte Geschäft der Firma, die 50 Mio. USD nur auf den Stablecoin. Gleichzeitig betrifft die Charter genau jenen Geschäftsteil, aus dem diese Erträge stammen.
Politisch angreifbar ist die Entscheidung auch wegen der Struktur der Behörde. Die OCC gehört zum US-Finanzministerium, an ihrer Spitze steht ein einzelner Comptroller. Ein überparteilich besetztes Gremium, wie es andere US-Finanzaufsichtsbehörden kennen, fehlt hingegen. Genau hier setzt die Kritik an der Unabhängigkeit der Entscheidung an. Die Behörde verweist deshalb auf ihre Pflichten. Comptroller Jonathan Gould und sein Team hätten „in Übereinstimmung mit ihren gesetzlichen Pflichten und ethischen Verpflichtungen" über den Antrag entschieden, so Reuters mit Bezug auf das Genehmigungsschreiben.
OCC öffnet Trust-Charter-Weg für weitere Stablecoin-Anbieter
World Liberty ist nicht der erste Stablecoin-Anbieter mit einer solchen Zusage. Zuvor genehmigte die OCC unter Comptroller Gould im Dezember 2025 fünf vergleichbare Anträge bedingt. Darunter waren Circle, Ripple, Paxos, BitGo und Fidelity Digital Assets. Später kam eine Zusage für Crypto.com hinzu. Auch BitGo, der heutige USD1-Verwahrer, verfolgt damit dieselbe Lizenz wie sein Kunde.
Circle hat die Genehmigung im Juli 2026 final erhalten. Ripple hält weiterhin die bedingte Zusage. Die Kapitalauflagen muss der Zahlungsanbieter bis Mitte Dezember 2026 erfüllen, für den Betriebsstart bleibt Zeit bis Juni 2027. Zwischen Antrag und Vorab-Genehmigung lagen bei World Liberty sieben Monate.
Die Krypto-Branche drängt verstärkt auf dieses Lizenzformat, zumal eine einzige föderale Lizenz die Verwahrung von Kundenvermögen landesweit erlaubt. Institutionelle Kunden lassen sich damit leichter gewinnen. Mit jeder weiteren Charter wächst folglich die Rolle der OCC in der Stablecoin-Aufsicht.
Demokratische Senatoren bringen Gesetz gegen Interessenkonflikte ein
Widerstand kommt aus dem Senat. Zunächst forderten im Februar 2026 zwei demokratische Mitglieder des Senate Banking Committee eine Prüfung durch Finanzminister Scott Bessent. Es ging um die Folgen einer berichteten 500-Mio.-USD-Beteiligung an World Liberty Financial für die nationale Sicherheit. Berichte verbinden diese Beteiligung mit dem nationalen Sicherheitsberater der Vereinigten Arabischen Emirate. Adressat der Forderung war das Finanzministerium, dem die OCC untersteht.
In einer Kongressanhörung im selben Monat verlangten Demokraten von Comptroller Gould ferner, den ungeschwärzten Antrag vertraulich offenzulegen. Die öffentliche Version enthielt keine vollständigen Angaben zu Kapitalstruktur und Geschäftsplan. Später, nach der Genehmigung, brachten Senatorin Elizabeth Warren sowie die Senatoren Angela Alsobrooks und Ruben Gallego ein Gesetz ein. Der „Ending Presidential Corruption in Banking Act" soll leitenden Regierungsbeamten den Besitz oder die Kontrolle von Banken untersagen. Der Vorstoss richtet sich damit unmittelbar gegen die Konstellation bei World Liberty. Dennoch bleibt die Vorab-Genehmigung davon unberührt.
Die Führung der geplanten Trust-Bank bleibt im Umfeld der Gründerfamilien. Direktor werden soll Robert Witkoff, Bruder von Steve Witkoff und früherer Versicherungsmanager. Ebenfalls als Direktor vorgesehen ist Scott Alper, Präsident des Immobiliengeschäfts der Witkoff-Familie. Beide kommen aus dem Versicherungs- beziehungsweise Immobiliengeschäft. Gleichzeitig führt Zach Witkoff die Muttergesellschaft World Liberty Financial. Ob die Trust-Bank tatsächlich den Betrieb aufnimmt, entscheidet letztlich die Erfüllung der OCC-Auflagen.








