Hunter Bidens Memecoin LAPTOP verlor nach dem Handelsstart auf Base innert einer Stunde mehr als 95 Prozent seines Werts. Eine Wallet-Auswertung von Bubblemaps zeigt, dass 12'151 von 15'206 Käufern Geld verloren.
Ein Memecoin ist ein Token ohne eigenen Nutzen. Sein Preis speist sich allein aus Aufmerksamkeit und früher Spekulation. Zuvor hatte Donald Trumps TRUMP-Coin dieses Muster in den politischen Raum getragen. LAPTOP läuft auf Base, dem Layer-2-Netzwerk von Coinbase. Zunächst berichtete das Wall Street Journal über die Pläne, danach bestätigte Biden den Ticker per X-Post. Kurz vor dem Start stellte er sein Projekt ausserdem gegen den TRUMP-Coin, den er dabei als „Grift" bezeichnete. Der Handel begann am 09.09.2026 kurz nach 08:00 Uhr ET. Bereits zwei Minuten später lag der Höchststand. Die voll verwässerte Bewertung erreichte dabei kurzzeitig rund 144 Mrd. USD.
Wie sich die Verluste auf 15'206 Wallets verteilen
Bubblemaps wertete sämtliche Adressen aus, die den Token nach dem Start kauften. 12'151 der 15'206 Wallets schlossen im Minus ab, also rund 80 Prozent. Profitabel waren 3'026 Adressen, weitere 29 lagen bei Break-even oder liessen sich nicht bewerten. Für die grosse Mehrheit blieben die Verluste allerdings klein. 11'311 Wallets büssten weniger als 1'000 USD ein.
Grössere Beträge traf es hingegen deutlich seltener. 726 Adressen verloren zwischen 1'000 und 10'000 USD, 112 zwischen 10'000 und 100'000 USD. Zwei Wallets verloren ausserdem zwischen 100'000 USD und 1 Mio. USD. Auf der Gegenseite stehen 88 Adressen mit zusammen rund 5.57 Mio. USD Gewinn. Zehn davon nahmen je zwischen 100'000 USD und 1 Mio. USD mit. 78 weitere lagen je zwischen 10'000 und 100'000 USD. Weniger als 0.6 Prozent der Käufer teilten diese 5.57 Mio. USD somit unter sich auf.
Über alle 15'206 Wallets ergibt sich insgesamt ein aggregierter Saldo von rund plus 178'000 USD. Trotz einer klaren Mehrheit an Verlierern steht also ein leichtes Plus. Diese Zahl beschreibt jedoch keinen Marktgewinn, sondern eine Umverteilung. Die vielen kleinen Verluste der späten Käufer finanzierten die wenigen sehr grossen Gewinne der ersten Minuten.
Frisch finanzierte Wallets kauften vor dem Start
Auffällig ist die Herkunft der grössten Halter. Rund 60 Prozent von ihnen nutzten Adressen, die erst in den zehn Tagen vor dem Launch Geld erhielten. Die meisten dieser Wallets erhielten ihr Kapital zudem am Tag des Handelsstarts. Zwingend ist der Schluss auf koordinierte Insidergeschäfte damit allerdings nicht. Aussagekräftig ist erst die Häufung unmittelbar vor dem Start.
Gleichzeitig war die Handelstiefe zum Start extrem dünn. Der offizielle Pool auf Aerodrome enthielt rund 83'000 USDC, ein zweiter Pool auf Uniswap rund 380'000 USD. Effektiv verfügbar waren daraus zum Handelsbeginn jedoch nur rund 48'000 USD. Beide Pools enthielten damit deutlich mehr Nominalwert, als sich tatsächlich handeln liess. In einem so engen Markt bewegen bereits kleine Orders den Preis spürbar. Die voll verwässerte Bewertung entsteht ihrerseits rechnerisch aus dem letzten Handelspreis mal Gesamtmenge. Sie zeigt nicht, wie viel Kapital tatsächlich in den Token floss.

On-Chain-Auswertungen der ersten Handelsminuten illustrieren die Spanne. Eine Adresse setzte 900 USDC ein und kaufte 2'268.56 LAPTOP zu rund 0.40 USD. Später verkaufte sie die Position für 251'270 USDC zu durchschnittlich rund 111 USD, ein rund 278-facher Ertrag. Ein zweites Wallet investierte 100 ETH, damals rund 249'800 USD. Davon löste es 8'480 seiner 9'124 Token für 472 ETH auf, umgerechnet rund 1.18 Mio. USD. Wer später einstieg, sah hingegen das Spiegelbild. Eine dritte Adresse hob 250'000 USD von Binance ab. Für 200'000 USD kaufte sie 919 Token zu durchschnittlich rund 218 USD. Diese Position war kurz darauf noch rund 3'000 USD wert, ein unrealisierter Verlust von rund 197'000 USD.
Nur 2 Prozent des Angebots gehen an TRUMP-Verlierer
Die Gesamtmenge ist auf 1 Mrd. Token fixiert. 30 Prozent davon entfallen zunächst auf die Gründer inklusive Biden, gesperrt für sechs Monate und danach über zwei Jahre freigegeben. Ferner sind 30 Prozent an 30 vorab definierte politische und kulturelle Ereignisse geknüpft. Treffen sie ein, verbrennt das Projekt die betreffenden Token und nimmt sie damit dauerhaft aus dem Umlauf. Andernfalls gehen sie an Wohltätigkeitsorganisationen. Fünf Prozent fliessen ohnehin direkt in Spenden, 20 Prozent schliesslich an zwei Community-Airdrops.
Genau dieser Community-Anteil trägt die politische Erzählung des Projekts. Entschädigen soll er Wallets, die mit dem TRUMP-Coin Geld verloren haben. In der Berichterstattung stand dabei vor allem der Gesamtanteil von 20 Prozent. Reserviert sind für die TRUMP-Verlierer nach Projektangaben allerdings nur 2 Prozent des Gesamtangebots. Das ist ein Zehntel dieses Community-Blocks. Die Sperrfrist auf dem Gründerkontingent verhindert zwar, dass Biden selbst unmittelbar verkauft. Vor den Verlusten gewöhnlicher Käufer in den ersten Handelsminuten schützt sie dennoch niemanden.
Den Projektnamen begründete Biden mit der politischen Vorgeschichte des Geräts.
"Sie haben den Laptop zu einer Waffe gemacht. Ich habe ihn zu einem Token gemacht." - Hunter Biden
TRUMP-Anleger sitzen auf 3.81 Mrd. USD Verlust
Der Vergleichsfall liefert die Grössenordnung. Nach einer Nansen-Auswertung vom Sommer 2026 sassen rund 988'905 Wallets auf kumulierten Verlusten von 3.81 Mrd. USD im TRUMP-Coin. Dessen Kurs lag zu diesem Zeitpunkt rund 97 Prozent unter seinem Hoch. Dort zog sich der Verlauf vergleichsweise lange hin: über Monate statt über eine Stunde.
Biden hatte den TRUMP-Coin vor dem eigenen Start öffentlich als „Grift" kritisiert. Zugleich räumte er ein, den Zynismus gegenüber Memecoins zu verstehen. Sein eigener Token erzeugte dennoch dieselbe Verteilung. Eine kleine Gruppe früher Adressen strich sehr hohe Gewinne ein, eine breite Masse trug kleine Verluste. Weder die Sperrfrist noch der angekündigte Airdrop änderten daran etwas.
Das Ergebnis ist somit weder partei- noch personengebunden. Es folgt aus der Mechanik dünner Startliquidität, in der die ersten Sekunden über die Verteilung entscheiden. Politische Memecoins liefern letztlich nur die Aufmerksamkeit, die genügend späte Käufer an den Markt bringt.








