Bitcoins rasanter Kursanstieg – Gründe und Ausblick

Diese Woche gab es kein Halten mehr. Der Bitcoin Preis schnellte bis an die 16’000 USD Marke und festigte der Kryptowährung den Titel „Best performing Asset 2020“. Wie ist der markante Kursanstieg zu erklären und was bringt die Zukunft?

Bitcoin schafft es dank dem dieswöchigen Preisrallye wieder einmal auf die Titelseiten von traditionellen Medien. Tatsächlich liess die Kryptowährung mit einer Jahresperformance von 108% sämtiche Assetklassen hinter sich. Selbst die Jahresgewinner Gold (+27%), Silber (+39%) oder der Nasdaq Index (+38%) konnten nicht mithalten. Auch risikoadjustiert kommt 2020 keine Assetklasse an die Kryptowährung Nr.1 heran. Der elfjährige Weg von einigen Cents bis hin zu fünfstelligen Dollarbeträgen die momentan für einen Bitcoin bezahlt werden, war allerdings alles andere als linear. Er war geprägt von beträchtlichen Preis-schwankungen. Hierbei sollte allerdings nicht nur die Preisentwicklung beachtet werden, sondern vor allem die Faktoren, welche für den Bitcoin Preis das Fundament schufen, um neue Jahreshöchststände zu erreichen.

Tränen im März

Mit dem Erreichen von Bitcoins aktuellen Höchstständen, die zuletzt vor über 1000 Tagen gesehen wurden, rechneten im März diesen Jahres wohl nur wenige. Wir erinnern uns: Mitten im Coronaschock brachen die Märkte weltweit ein. Auch die grösste Kryptowährung nach Marktkapitalisierung kam in den Strudel der Abwärtsspirale und verlor innert kürzester Zeit 60% seines Werts. Der „Risk off“ Welle konnte sich Bitcoin nicht entziehen und es wurden Befürchtungen laut, die Kryptowährung sei nur ein zum Aktienmarkt korreliertes Spekulationsobjekt. Zwar wurde in den folgenden Monaten tatsächlich eine enge Korrelation zum S&P 500 Index festgestellt, historisch präsentiert sich jedoch eine nach wie vor geringe Korrelation. Und genau hier sollte man ansetzen. Bitcoin ist einzigartig – aus verschiedentlichen Gründen.

Bitcoin Kursanstieg

Bitcoins Selloff während der Corona-Schockwelle / Chart: Tradingview.com

Junge digitale Währung auf Knappheit programmiert

Die noch junge digitale Währung wird aktuell eher als Wertaufbewahrungsmittel denn als digitales Zahlungsmittel wahrgenommen. Das zugrunde liegende auf Blockchain und Kryptographie basierende Protokoll, garantiert einen disintermediären Werttransfer über das Internet. Bitcoin ist die Währung dieses dezentralen Zahlungsnetzwerkes und wird, wie andere Kryptowährungen auch, rund um die Uhr an verschiedensten Börsenplätzen gehandelt. Nebst der hart einprogrammierten Obergrenze, was das Gesamtangebot betrifft, ist auch die Schaffung neuer Bitcoins und damit die Inflationsrate klar geregelt.

Bitcoin wurde als harte Währung entworfen und besitzt einzigartige Attribute, welche bis anhin von keinem Asset abgedeckt werden konnte. Die digitale Währung wurde als ein neues monetäres Gut entworfen, welches an Edelmetall-Geldformen angelehnt ist. Das besondere daran ist die über die Zeit abnehmende Inflation. Bleibt die Nachfrage über die Zeit konstant, ist mittelfristig mit einem Preisanstieg zu rechnen. Als Antwort auf die aufflammenden monetären Eingriffe der Zentralbanken während der Finanzkrise 2008 entworfen, könnten die dazumal berücksichtigten Eigenschaften von Bitcoin im heutigen Zeitgeschehen nicht passender sein.

Bedeutende Schritte über die Zeit –  besonders 2020

Seit seinem Bestehen hat sich Bitcoin stark entwickelt. Das schäbige Image des Silkroad-Zahlungsmittels konnte Bitcoin über die Jahre zusehends durch Reputation und Anwendungen in breiteren und legitimeren Anwendungsfällen loswerden. Das Zahlungsnetzwerk verfügt über ein starkes organisches Wachstum. Das lässt sich u.a. an Werten wie der Anzahl Wallets, durchschnittlicher Transaktionsgrössen, sowie der Hashrate ablesen. Die erwähnten Kennzahlen befinden sich allesamt auf einem Allzeithoch. Eine zunehmende Anerkennung als Wertaufbewahrung und Zahlungsmittel ist deutlich sichtbar.

Nicht zuletzt durch Regulierung gelang ein Vordringen als digitales Asset in die traditionelle Finanzwelt. Die digitale Währung wird mittlerweile in etlichen Staaten als offizielles digitales Asset anerkannt und entsprechend reguliert. Eine wichtige Voraussetzung für eine grössere Adaption. 2019 und 2020 erhielten Banken in gewichtigen Jurisdiktionen wie den USA und Deutschland die rechtliche Gewährung, die Kryptowährung für ihre Kunden zu erwerben und zu verwahren. Auch als Zahlungsmittel wird die Währung in bestehende traditionelle Finanzdienstleistungen immer mehr eingebunden. Zudem findet die junge Assetklasse zusehends ihre Wege in die grosse institutionelle Welt. Vergleicht man die aktuelle Marktkapitalisierung von gut 280 Mrd. USD mit anderen Assetklassen, ist sie nach wie vor verschwindend klein.

Preisentwicklung – Bitcoins Kurskapriolen

Die fundamentalen Tatsachen stehen gut für Bitcoin. Das aktuelle Geschehen an den Weltmärkten und das entsprechende Handeln der Zentralbanken qualifiziert limitierte Assets weiterhin zu attraktiven Anlagen. Bitcoin konnte seine Feuerprobe dieses Jahr bestehen. Im turbulenten 2020 erreicht sein Kurs neue Höchststände, nebenbei bemerkt ohne Markteingriff von Zentralbanken.

Bitcoins Preisvolatilität ist nach wie vor hoch. Die digitale Währung zu traden erfordert eine hohe Disziplin und starke Nerven. Die fundamentalen Faktoren sprechen für ein fortgesetztes mittelfristiges Wertsteigerungspotenzial mit einer reellen Chance, das Allzeithoch bei 20’000 USD bereits 2021 zu übertreffen. Die Risiko/Ertragsstruktur erlaubt es einem Investor, mit einer kleinen Proportion des Gesamtvermögens, über die Jahre ein potentiell substanzieller Wertzuwachs zu erreichen. Aufgrund dieser Eigenschaften eignet sich Bitcoin, richtig gewichtet, auch optimal als Zusatz in ein breit gefasstes Portfolio.

Der Bitcoin Preis hat über seine kurze Zeit bereits eine ungesehne Wertsteigerung erfahren. Die Aussichten auf eine Fortsetzung stehen gut. Das Risiko von Kursrückschlägen darf dabei aber nicht vergessen werden. Selbst in den vergangenen Bullenphasen mussten Investoren zwischenzeitliche Korrekturen von 60% oder mehr hinnehmen. Oft zu viel für Trader und nervöse Investoren. Eine Alternative gegenüber einer einmaligen Investition stellt die «Dollar cost averaging» Strategie dar. Dabei wird mit kleineren Investments über die Zeit ein Durchschnittspreis erzielt und man ist damit nicht einer einzigen Preiskonstellation ausgeliefert. Die Komponente Verkraftbarkeit eines Verlustes sollte aber wie bei jeder Anlageentscheidung im Vordergrund stehen.

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Über den Autor

Redaktion cvj.ch

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