Das „Stock-to-Flow Modell“ auf Bitcoin angewendet

Das Stock-to-Flow-Verhältnis dient als Qualitätskriterium für monetäre Güter. Historisch betrachtet wurde immer jenes Gut mit dem höchsten Stock to Flow-Verhältnis als Geld benutzt, da es den besten Werttransfer über die Zeit ermöglichte.

Rohstoffe und das Stock to Flow Verhältnis

Gold wird in der Kategorie Rohstoffe geführt, eine Anlageklasse welche nicht über Geldflüsse (engl.=cashflows) verfügt. Der Wertzuwachs von Rohstoffen entsteht nur durch Preissteigerung. Deren Wert wird in erster Linie von ihrer realen Konsumnachfrage bestimmt. Eine gesonderte Form von Rohstoffen, welche über eine natürliche Nachfrage verfügen, stellen beispielsweise Edelmetalle wie Gold und Silber dar. Ihr Marktwert liegt höher als die industrielle Nachfrage vermuten lassen würde. Diese spezielle Klasse von Rohstoffen wird also nicht nur durch Konsum nachgefragt, sondern auch zu Investitionszwecken gehalten.

Ein Ansatz für die Preisberechnung von Rohstoffen ist das Stock-to-Flow Modell. Es setzt bei Gütern den schon existierenden Bestand (Stock) ins Verhältnis zum jährlichen Zuwachs durch die Produktion (Flow). Die „Stock-to-flow“ Kennzahl gibt an, wie viele Jahre bei der aktuellen Produktionsrate benötigt werden, um den aktuellen Bestand zu erreichen. Der Stock to Flow-Ansatz liefert einen einfachen quantitativen Rahmen zur Analyse der (Preis-) Entwicklung eines Rohstoffs. Er dient auch als Qualitätskriterium für monetäre Güter. Hierbei spielt nicht der begrenzte Bestand eines Assets die dominierende Rolle, sondern das Verhältnis von Bestand zur aktuellen „Produktion“. Je höher der Stock-to-flow Wert, desto mehr Wert wird dem unterliegenden Asset (Rohstoff) zugeschrieben.

Knappes digitales Gut versetzt mit Edelmetall Attributen

Bitcoin ist ein knappes digitales Gut. Dies entspricht der Grundidee von Bitcoin, das explizit als ein neues monetäres Gut entworfen wurde und an Edelmetall-Geldformen angelehnt ist. Nicht zuletzt dessen, wird Bitcoin oft als digitales Gold bezeichnet. Neue Bitcoins können nicht beliebig geschürft werden. Eigenschaften wie absoluter Eigenbesitz, limitiertes Angebot, zensurresistente globale Transferierung, sowie der dezentrale Charakter, sind die primären Attribute, welche ihm seinen Wert verleihen. Die „Produktion“ von Bitcoin ist mit Kosten verbunden. Die aufwändigen Berechnungen der Miner kosten Strom, um neue Bitcoins „herzustellen“.

Mit dem Erscheinen des Buches von Saifedean Ammous („The Bitcoin Standard“), fand der Stock-to-Flow-Ansatz auch Anwendung in der Analyse von Bitcoin. Im Buch wird erklärt, warum sich Gold und Bitcoin von Verbrauchsgütern wie Kupfer, Zink, Nickel und Messing unterscheiden. Anhand des Stock-to-Flow Modells wird auf den hohen SF Wert von Gold und Bitcoin hingewiesen. Seit dem Erscheinen des Buches befassen sich einige mit der Thematik. Ein Prominenter Vertreter der Thematik ist Twitter User Plan₿. Er schrieb in einem Medium Artikel eine Abhandlung und twittert regelmässig zum Stock-to-Flow Modell, sowie zu anderen quantitativen Analysen rund um Bitcoin.

Bis zum aktuellen Zeitpunkt wird in den Berechnungen eine Hohe Korrelation zwischen dem Marktwert von Bitcoin und den jeweiligen Stock-to-Flow Werten festgestellt.

Es besteht ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Stock-to-Flow und Marktwert. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhältnis zwischen Stock-to-Flow und Marktwert durch Zufall entsteht, ist nahe Null. „Plan

Der grosse Test des Modells kommt spätestens mit den nächsten Halvings. Also bereits im nächsten Jahr. Nach den Modell Berechnungen müsste der Marktwert von Bitcoin zukünftig eine massive Steigerung erfahren. Umgerechnet auf den Kurs, sollte sich der Preis für Bitcoin aufgrund der kommenden Halvings bereits ab 2021 um 100’000 USD einpendeln. Nach dem übernächsten Halving im Jahre 2024, müsste nach der Modellberechnung bereits ein Kurs von knapp 1.2 Mio. USD pro Bitcoin zu erwarten sein.

Auch traditionelle Finanzunternehmen haben sich bereits an die These herangewagt. So hat die Bayern LB in einer kürzlich erschienenen Studie mit dem Namen „Megatrend Digitalisierung – Läuft Bitcoin Gold den Rang ab?“ eigene Berechnungen vorgenommen. Dazu führt der Autor aus: „In oben aufgeführter Grafik liegen Platin, Palladium und Silber allesamt deutlich über der Regressionsgeraden der jeweiligen Stock-to-flow Werten. Dies spricht dafür, dass deren Marktwerte vornehmlich auf ihren Nutzwerten (als Industriemetalle) basieren und ihre monetären Prämien gering sind. Gold hingegen liegt recht nahe der Regressionsgeraden, was nur folgerichtig ist: Hier ist es genau anders herum: Hohe Nachfrage als Wertaufbewahrungsmittel, aber geringe industrielle Nachfrage. Demnach ist der Stock-to-flow Wert von Bitcoin bereits nahe dem Wert von Gold. Bitcoins Marktwert steigt mit zunehmenden Stock to Flow-Wert linear an.“

„Die nahe an der Regressionsgerade liegenden (blauen) Punkte zeigen
bereits, dass es sich um einen sehr engen Zusammenhang handelt. Auch Teststatistiken
bestätigen dies. Für alle Ökonometrie-Interessierten sei gesagt, dass es sich nicht um eine
„Spurious Regression“ handelt, wo die Teststatistiken unzuverlässig sind. Der Grund: Die
Variablen sind kointegriert, sie folgen also einem gemeinsamen stochastischen Trend.“
„Studienauszug der BayernLB“

Fazit

In der Anwendung des Stock-to-Flow Modells auf Bitcoin, zeigt sich ein ungewöhnlich starker und statistisch relevanter Zusammenhang zwischen dem Marktwert und dessen Verhältnis zu Bestand und Produktion.  Speziell dabei ist die Eigenschaft der über die Zeit exponentiell abnehmenden „Produktion“ neuer Coins.

Beispiel einer Stock-to-Flow Berechnung. Gold weist den höchsten SF Wert mit 62 auf. Es braucht 62 Jahre Produktion, um den aktuellen Goldbestand zu erhalten.

Bitcoin hat derzeit ein Stock-to-Flow-Verhältnis von 27. Aufgrund der Halvings erhöht sich der Stock-to-Flow Wert unweigerlich. So wird Bitcoin bereits nach dem nächsten Halving mit 55 ein ähnlich hoher SF Wert wie Gold aufweisen. Bereits beim übernächsten Halving erhöht sich der Stock-to-Flow Wert auf über 100, ein Verhältnis das bis jetzt noch nie in einem Wert gesehen wurde.

Der grosse Test, ob das Stock-to-Flow Modell zu Bitcoin auch zukünftig als Indikator dienen kann, kommt nach den Halvings 2020 und 2024. Nach den Berechnungen müsste sich der Bitcoin Kurs nach dem Halving 2020 um die 55’000 USD bewegen und sich ab dem Jahr 2021 um Werte von rund 100’000 USD einpendeln.
Ab 2024 wären gemäss dem Modell Werte von 1.2 Mio. USD pro Bitcoin zu erwarten.

Bis dahin dient der Stock-to-Flow-Ansatz aber in jedem Fall als gute Heuristik für das Verständnis von Bitcoin. Abschliessend sei hier erwähnt: Auch das beste statistische Modell kann versagen und somit sind Prognosen aufgrund von Modellberechnungen keinesfalls garantiert!

 

 

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Über den Autor

Redaktion cvj.ch

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