Die strategische Bitcoin Reserve der USA steckt laut einer Bloomberg-Recherche in einem Zuständigkeitsstreit zwischen Finanz- und Handelsministerium fest. Gleichzeitig ist ungeklärt, ob der Staat Bitcoin angesichts seiner Kursvolatilität überhaupt unbefristet halten darf.
Die "Strategic Bitcoin Reserve" ist ein staatliches Reserve-Programm, das der Bund primär mit Bitcoin aus straf- und zivilrechtlichen Einziehungen speist. Es handelt sich also um Bitcoin, den US-Behörden bei Ermittlungen und Gerichtsverfahren beschlagnahmt haben und der anschliessend in Bundesbesitz übergeht. Die Gründungsverfügung untersagt jeden Verkauf dieser Bestände. Gleichzeitig soll das Programm die USA als globales Zentrum für Kryptowährungen positionieren. Ein separates U.S. Digital Asset Stockpile verwaltet daneben andere beschlagnahmte Krypto-Assets. Trump unterzeichnete die Executive Order 14233 im März 2025 und beauftragte das Finanz- sowie das Handelsministerium mit budgetneutralen Ankaufsstrategien. Ausserdem mussten alle Bundesbehörden ihre Digital-Asset-Bestände offenlegen. Der Bundesbestand liegt inzwischen bei über 20 Mrd. USD in Bitcoin. Laut Arkham Intelligence zählen die USA damit zu den grössten bekannten staatlichen Haltern. Nun zeigt die Bloomberg-Recherche jedoch, dass die rechtliche Grundlage dafür noch immer fehlt.
Zuständigkeitsstreit zwischen Treasury und Commerce blockiert die Reserve
Im Zentrum der Recherche steht eine simple, aber ungeklärte Frage, welche Behörde die Reserve überhaupt verwalten darf. Zunächst sind Zweifel aufgekommen, ob das Finanzministerium die Bestände rechtlich führen darf. Beide Ministerien verfolgen unterschiedliche Mandate. Das Finanzministerium verwaltet traditionell die Vermögenswerte des Bundes, das Handelsministerium ist hingegen für Wirtschafts- und Handelspolitik zuständig. Als Alternative prüft die Regierung daher, die Reserve stattdessen im Handelsministerium anzusiedeln. Damit steht 16 Monate nach der Gründungsverfügung nicht einmal fest, wer den Staatsfonds operativ kontrolliert. Ursprünglich hatte die Executive Order beide Ministerien gemeinsam beauftragt, ohne die Zuständigkeit klar zuzuweisen. Die Verfügung räumte dem Finanzministerium zudem 60 Tage ein, um rechtliche Empfehlungen samt nötiger Gesetzesänderungen vorzulegen. Diese Frist verstrich, ohne dass eine belastbare Struktur entstand.
Das Office of Legal Counsel des Justizministeriums schaltete sich zwischenzeitlich ein. Diese Abteilung legt für die Exekutive verbindlich aus, was rechtlich zulässig ist. Bei strittigen Kompetenzfragen gibt ihre Einschätzung folglich oft den Ausschlag. Die Behörde erklärte, sie arbeite eng mit dem Finanz- und dem Handelsministerium zusammen. Ebenfalls sucht das DOJ nach rechtlich gangbaren Optionen für die Umsetzung. Diese vorsichtige Formulierung deutet darauf hin, dass eine tragfähige Struktur bislang fehlt. Weder das Finanz- noch das Handelsministerium reagierten auf Anfragen. Das Weisse Haus hält öffentlich am Vorhaben fest, räumt aber indirekt ein, dass die Struktur noch offen ist.
„Präsident Trump führte Wahlkampf mit der Vision, Amerika als globale Hauptstadt für Kryptowährungen und andere Zukunftstechnologien zu etablieren. Um diese Vision umzusetzen, prüft die Trump-Regierung weiterhin die beste Struktur für die stragische Bitcoin-Reserve und das U.S. Digital Asset Stockpile." - Liz Huston, Sprecherin des Weissen Hauses
Unbefristete Bitcoin-Haltefrist bleibt rechtlich in der Schwebe
Neben der Zuständigkeit wirft die Executive Order eine zweite Rechtsfrage auf. Sie schreibt vor, die Reserve-Bestände unbefristet zu halten und niemals zu verkaufen. Ob ein derart volatiler Vermögenswert wie Bitcoin dauerhaft gehalten werden kann, ist laut Bloomberg jedoch ungeklärt. Genau hier kollidiert der politische Anspruch mit der praktischen Ausgestaltung. Ein dauerhaftes Halten bindet den Staat an einen Kurs, der stark schwankt, ohne dass eine Notverkaufs-Option vorgesehen wäre.
Die Begründung für das Verkaufsverbot lieferte das Weisse Haus bereits im März 2025. Frühere Regierungen veräusserten eingezogene Bitcoin oft rasch und zu niedrigeren Kursen als heute. Verfrühte Bitcoin-Verkäufe hätten die Bundesregierung zuvor über 17 Mrd. USD gekostet. Daher behandelt die Verfügung Bitcoin ausdrücklich als langfristigen Reservewert. Die Kursvolatilität stellt diesen Grundsatz allerdings vor eine offene juristische Frage.
Kongress will strategische Bitcoin-Reserve per Gesetz absichern
Parallel zur exekutiven Unsicherheit versucht der Kongress, die Reserve gesetzlich zu verankern. Ein Gesetz würde der Reserve zudem ein dauerhaftes Fundament geben, das eine Executive Order nicht bietet. Ein Nachfolger im Weissen Haus könnte die Verfügung sonst jederzeit aufheben. Senatorin Cynthia Lummis und der Abgeordnete Nick Begich brachten den BITCOIN Act ursprünglich im März 2025 ein. Der Entwurf sieht den Kauf von bis zu 1 Million Bitcoin über fünf Jahre vor, finanziert über budgetneutrale Strategien.
Vorangekommen ist das Vorhaben bislang kaum. Der BITCOIN Act ist inzwischen Teil der breiteren Marktstruktur-Gesetzgebung rund um den Clarity Act. Diese soll klären, welche Behörde welche Kryptowerte beaufsichtigt. Ein für Januar 2026 angesetztes Markup verzögerte sich, weil Republikaner und Demokraten bei Stablecoin-Zinsen und DeFi-Regulierung keine Einigung fanden. Somit hängt auch die gesetzliche Absicherung an einem festgefahrenen Verfahren.
Einen zweiten Weg eröffneten Begich und der Abgeordnete Jared Golden später im Mai 2026. Ihr überparteilicher American Reserve Modernization Act würde die strategische Bitcoin-Reserve ausdrücklich im Finanzministerium verankern. Ausserdem sähe er ein eigenes Stockpile für Nicht-Bitcoin-Bestände vor. Damit adressiert der Entwurf genau jene Zuständigkeitsfrage, die die Exekutive bislang nicht lösen konnte.
Staatlicher Bitcoin-Bestand von über 20 Milliarden Dollar ohne Rechtsrahmen
Trotz aller offenen Fragen bleibt der Bestand selbst beträchtlich. Der Bund hält Bitcoin im Wert von über 20 Mrd. USD. Laut Arkham Intelligence zählt er damit zu den grössten bekannten staatlichen Haltern weltweit. Ein Vermögen dieser Grössenordnung bewegt sich somit noch immer ohne geklärten rechtlichen Rahmen. Letztlich setzt eine belastbare Lösung entweder die stockenden Gesetzesinitiativen oder eine neue exekutive Struktur voraus.
Auf der politischen Ebene bleibt es unterdessen still. Patrick Witt, Krypto-Berater des Weissen Hauses, hatte im April 2026 eine grosse Ankündigung zu den nächsten Schritten in Aussicht gestellt. Sie sollte in den darauffolgenden Wochen folgen. Bislang ist sie ausgeblieben. Insgesamt steht die Reserve sinnbildlich für eine Krypto-Politik, die langsamer vorankommt, als das Gründungs-Narrativ suggerierte.








