Die Swiss Blockchain Federation (SBF) stuft die Schweiz in ihrem ersten globalen SBF-Benchmark auf Rang 6 von 15 Finanzplätzen ein, mit 75.62 von 100 Punkten. Daher verlangt der Verband schnellere FINMA-Verfahren und einen praxistauglichen Rahmen für CHF-Stablecoins.
Die SBF vertritt die Anliegen der Schweizer Blockchain-Branche gegenüber Politik und Behörden. Sie versteht sich als Public-Private-Initiative aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Ihr Benchmark misst, welche Standorte bei der regulierten Infrastruktur für tokenisierte Wertschriften, Anleihen und Fonds am besten aufgestellt sind. Ursprünglich im Dezember 2017 als Blockchain Taskforce gestartet, formierte sich der Verband 2018 als SBF, Präsident ist Heinz Tännler. Den neuen Report "Infrastructure First" erstellte die SBF mit Unterstützung der AMINA Bank und der Anwalts- und Steuerkanzlei MME. Die folgenden Zahlen stammen aus Medienmitteilung und Medienkit der SBF. Der Report vergleicht insgesamt 15 Standorte in elf Dimensionen. Vor der Schweiz liegen die USA, Singapur, das Vereinigte Königreich, Deutschland und Japan, Luxemburg folgt knapp dahinter.
Rang 6 hängt an 0.12 Punkten
An der Spitze der Rangliste stehen die USA mit 85.00 Punkten. Dahinter folgen Singapur mit 83.25 und das Vereinigte Königreich mit 80.00 Punkten. Danach verdichtet sich das Feld. Deutschland kommt auf 76.88, Japan auf 76.38 und die Schweiz auf 75.62 Punkte. Luxemburg liegt mit 75.50 nur 0.12 Punkte zurück, Frankreich folgt mit 74.12 auf Rang 8. Zwischen Rang 4 und Rang 8 liegen somit weniger als drei Punkte. Am Ende der Liste stehen schliesslich Liechtenstein mit 64.25 und die Cayman Islands mit 50.25 Punkten.
Die Schweiz steht zudem an einer Kategoriengrenze. Der Report teilt die Standorte in drei Gruppen ein, "Leading" ab 82 Punkten, "Advanced" von 76 bis 82 und "Developing" unter 76. Mit 75.62 liegt die Schweiz folglich knapp unter der Schwelle zu "Advanced". Zu Japan auf Rang 5 fehlen ihr 0.76 Punkte, zur Spitze hingegen 9.38. Im Mittelfeld entscheiden somit Bruchteile eines Punktes über die Reihenfolge.
Spitzenwerte bei Recht und Infrastruktur, Rückstand beim Tempo
In drei der elf Dimensionen erreicht die Schweiz den Höchstwert aller 15 Standorte. Bei der DLT-Infrastruktur erhält sie 9.5 von 10 Punkten, bei Regulatory Certainty und Legal Finality jeweils 9.0. Ausserdem liegt sie bei Banking & Custody und bei der Geldwäschereibekämpfung mit 8.5 sowie bei der geopolitischen Stabilität mit 9.0 gleichauf mit den Besten. Die SBF führt diese Stärke auf einen frühen Rechtsrahmen zurück. Das DLT-Gesetz ist seit August 2021 vollständig in Kraft, erste FINMA-Lizenzen für digitale Vermögenswerte hatte die Aufsicht zuvor bereits 2019 vergeben.
Beim Umsetzungstempo, im Report "Implementation Momentum" genannt, kommt die Schweiz jedoch nur auf 6.0 Punkte. Die USA erreichen hier 9.0. Tiefer als die Schweiz liegen lediglich Australien mit 5.5 und die Cayman Islands mit 5.0. Noch grösser ist die Lücke bei Marktgrösse und Liquidität, wo 5.0 Schweizer Punkte den 10.0 der USA gegenüberstehen. Schwächer schneiden dort nur Liechtenstein und die Cayman Islands ab. Singapur auf Rang 2 erreicht mit 8.5 beim Tempo und 8.0 bei der Marktgrösse vergleichsweise hohe Werte. Bei AI x Blockchain und Talent kommt die Schweiz auf 7.8 Punkte, die USA erneut auf 9.0.
Für das Gesamtergebnis ist die Gewichtung entscheidend. Tempo, Marktgrösse und AI x Blockchain zählen jeweils 15%, zusammen also 45% des Gesamtwerts. Die drei Schweizer Spitzendisziplinen DLT-Infrastruktur, Regulatory Certainty und Legal Finality kommen zusammen hingegen auf 25%. Der Report legt damit den Schwerpunkt auf Umsetzung und Marktwirkung. Rechnet man die publizierten Schweizer Einzelwerte mit diesen Gewichten zusammen, ergeben sich rund 75.7 Punkte, was sich bis auf Rundung mit dem Gesamtwert deckt. Im Quadranten aus regulatorischer Reife und Umsetzungstempo steht die Schweiz mit rund 9.2 zu 6.0 Punkten allein im Feld "Mature but Deliberate". Singapur und Luxemburg gelten als "Systematic Leaders", die USA, das Vereinigte Königreich, Deutschland, Japan, Frankreich und die VAE als "Fast Movers".
Fünf Forderungen an FINMA und Politik
Die SBF benennt drei Lücken: das Umsetzungstempo, die geringe Markttiefe samt schwacher internationaler Anbindung sowie den Weg von AI x Blockchain und Talent in skalierbare Anwendungen. Daraus leitet der Verband fünf Forderungen ab. Zunächst soll die FINMA Innovation als strategisches Ziel verankern und ihre Lizenzverfahren klarer, schneller und berechenbarer gestalten. Für CHF-Stablecoins und digitale Geldformen verlangt die SBF ferner einen technologieneutralen, verhältnismässigen und risikobasierten Rahmen. Die übrigen Punkte zielen auf den Markt. Der Verband will den internationalen Zugang verbessern, etwa über eine Weiterentwicklung des Abkommens mit dem Vereinigten Königreich für digitale Finanzdienstleistungen. Hinzu kommen interoperable Verbindungen zu internationalen Handels-, Verwahr- und Abwicklungsplattformen sowie ein schnellerer Markteintritt von Technologie und Talent. Eine schwächere Aufsicht strebe man jedoch nicht an, betont die SBF.
Gleichzeitig treffen die Forderungen auf laufende Gesetzgebung. Mit der Revision des Finanzinstitutsgesetzes (FinIG) will der Bundesrat zwei neue Bewilligungskategorien schaffen, das Zahlungsmittelinstitut und das Krypto-Institut. Eine besondere Art von Stablecoins sollen künftig nur Zahlungsmittelinstitute ausgeben dürfen. Die neue Kategorie soll zudem die bisherige Fintech-Bewilligung ersetzen. Die Vernehmlassung zur Vorlage lief von Oktober 2025 bis Februar 2026. Laut der Politikübersicht der SBF liegen die Vorlagen zu FinIG und Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG) weiterhin beim Bundesrat. Mit den Botschaften rechnet der Verband im ersten Halbjahr 2027, eine gemeinsame Beratung im Parlament wäre ebenfalls 2027 möglich. Die Forderungen der SBF fallen somit in eine Phase, in der die Weichen für die nächste Regulierungsrunde gestellt werden.

Strategisch rät die SBF davon ab, New York, London oder Singapur zu kopieren. Die Schweiz soll sich vielmehr als neutraler und international vernetzter Standort für institutionelle digitale Vermögenswerte positionieren. Gemeint sind tokenisierte Anleihen, Fonds, Sicherheiten und Private-Market-Assets, dazu Verwahrung und programmierbare grenzüberschreitende Abwicklung.
Wie es nach dem SBF-Benchmark weitergeht
Die Empfehlungen knüpfen an frühere Positionen des Verbands an. Bereits das 12-Punkte-Programm der SBF vom Mai 2025 forderte FINMA-Bewilligungen innert sechs Monaten, Innovation als Ziel der Aufsicht und eine technologieneutrale Regulierung von Stablecoins. Der Benchmark stellt diese Anliegen nun in einen internationalen Vergleich.
Konkret wird es bereits in den kommenden Wochen. Am 17. November 2026 findet zunächst ein Hearing des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) zur "Optimierung Finanzmarktregulierung" statt. Danach folgen die Botschaften zu FinIG und FinfraG. Den vollständigen Report mit Länderprofilen und internationalen Fallbeispielen bietet die SBF über ihre Website an.
"Die Schweiz hat ein starkes Fundament. Aber wir dürfen nicht annehmen, dass rechtliche Qualität und Vertrauen allein ausreichen. Wir müssen beides wieder schneller in internationale Relevanz, konkrete Anwendungen und dauerhafte Wertschöpfung übersetzen." - Heinz Tännler, Präsident, Swiss Blockchain Federation








