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    Irans Zentralbank duldet Kryptowährungen für Exportzahlungen, obwohl die USA vier iranische Krypto-Börsen sanktioniert haben.

    Iran toleriert Kryptowährungen für Exportzahlungen trotz Sanktionen

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    von Redaktion cvj.ch am 9. September 2026 Legal/Compliance

    Irans Zentralbank hat laut einem Bericht der Financial Times ihre Devisenkontrollen gelockert und toleriert Kryptowährungen bei Exportzahlungen. Exporteure nutzen dafür vor allem USDT, den an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin von Tether.

    Ein Stablecoin ist ein Token, dessen Wert an eine Referenzwährung gebunden ist, bei USDT an den Dollar. Halter erhalten damit Dollar-Exposure ohne Dollar-Bankkonto, meist über das Tron-Netzwerk mit seinen niedrigen Transaktionsgebühren. Iranische Exporteure müssen ihre im Ausland erzielten Erlöse normalerweise über staatlich überwachte Kanäle zurückführen. Die Kurse liegen dort häufig unterhalb des freien Marktes. Der Krypto-Weg umgeht diese Pflicht hingegen. Neu ist der Rückgriff auf Kryptowährungen in Irans Aussenwirtschaft nicht. Elliptic schätzte den iranischen Anteil am globalen Bitcoin-Mining bereits 2021 auf rund 4.5%. TRM Labs bezifferte das Iran zugeordnete Krypto-Volumen 2025 auf rund 9.9 Mrd. USD. Ein Jahr zuvor waren es 11.4 Mrd. USD. Vier inzwischen von den USA sanktionierte Börsen wickelten davon 78% ab.

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    Exporteure umgehen Irans Wechselkurskontrollen über Kryptowährungen

    Die Devisenordnung der Islamischen Republik verpflichtet Exporteure zur Rückführung ihrer Auslandserlöse. Der Umtausch läuft über staatlich überwachte Kanäle, zu Kursen, die deutlich unter dem freien Marktkurs liegen können. Für Unternehmen ist das deshalb ein Abschlag auf jede Lieferung. Der Abstand zwischen amtlichem und freiem Kurs bestimmt, wie gross dieser Abschlag ausfällt. Wer Zahlungen hingegen in USDT annimmt, verkauft sie über eine inländische Krypto-Börse oder tauscht sie auf offenen Märkten. Somit sinkt die Abhängigkeit vom amtlichen Kurs.

    Formell geändert hat sich allerdings nichts. Der Bericht beschreibt eine Verschiebung in der Durchsetzungspraxis, kein veröffentlichtes Gesetz und keine formelle Direktive der Zentralbank. Kein öffentliches Dokument weist Kryptowährungen als autorisierte Settlement-Methode für Exporteure aus. Die Zentralbank reagierte zudem nicht auf eine Anfrage der Financial Times. Exporteure bewegen sich daher in einer geduldeten Grauzone. Die Duldung liesse sich ohne formellen Akt wieder zurücknehmen.

    US-Sanktionen treffen Irans grösste Krypto-Börsen

    Im Juni 2026 designierte das US-Finanzministerium vier iranische Handelsplätze: Nobitex, Wallex, Bitpin und Ramzinex. Die Massnahme stützt sich auf die Executive Orders 13224 und 13902, wie aus der Mitteilung des Treasury hervorgeht. Als Begründung nennt das Finanzministerium Terrorfinanzierung und Sanktionsumgehung. Gleichzeitig blockiert die Designierung Vermögenswerte der vier Börsen in US-Jurisdiktion. Insgesamt wickelten die vier Börsen nach Zahlen von TRM Labs rund 7.7 Mrd. USD ab. Das entspricht 78% des Iran zugeordneten Krypto-Volumens des Jahres 2025.

    Nobitex ist der grösste dieser Handelsplätze. Über die Börse liefen nach Angaben des Finanzministeriums mehr als 50% der iranischen digitalen Zuflüsse 2025. Wallex kam auf 12%, Bitpin auf 10%. Ramzinex wickelte ebenfalls Transaktionen über 2.45 Mrd. USD ab. Zudem blockierte OFAC mehrere iranische Staatsangehörige, darunter Nobitex-Chairman und Mitgründer Amir Hossein Rad sowie CEO Seyed Ali Khoee.

    Gestoppt hat die Designierung den Fluss allerdings nicht. Drei Monate später beschreibt der Bericht der Financial Times die Krypto-Nutzung im Exportgeschäft als Normalzustand. Sanktionen gegen Börsen treffen zunächst die Infrastruktur, nicht das zugrunde liegende Zahlungsbedürfnis. Solange Handelspartner USDT akzeptieren, verlagert sich das Volumen tendenziell auf andere Adressen und Vermittler.

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    Tether-Sperre zeigt die Grenzen der Sanktionsumgehung

    Schon zuvor, Ende April 2026, fror Tether rund 344 Mio. USD in USDT auf zwei Tron-Adressen ein. Laut OFAC kontrollierte Irans Zentralbank diese Adressen als Teil eines Netzwerks, das Erlöse aus illegalen Ölverkäufen verschob. Ermittler brachten sie ferner mit Strukturen der Revolutionsgarde IRGC in Verbindung. Die Revolutionsgarde ist eine eigenständige Streitkraft und steht ebenfalls unter US-Sanktionen. Auf Tron blieben die Transaktionen gültig, nur das Guthaben war nicht mehr übertragbar. Der Eingriff erfolgte jedoch auf Ebene des Emittenten, nicht auf Ebene der Blockchain.

    Genau darin liegt der Zielkonflikt der Stablecoin-Nutzung. Einerseits ist USDT auf Tron günstig, schnell und liefert Dollar-Exposure ohne Zugang zum Dollar-Bankensystem. Andererseits kann Tether einzelne Adressen sperren, was bei Bitcoin technisch ausgeschlossen ist. Wer Sanktionen über USDT umgeht, tauscht somit Bankrisiko gegen Emittentenrisiko.

    Für Finanzinstitute ausserhalb der USA reicht das Risiko über den heimischen Markt hinaus. Designierte iranische Börsen gelten im US-Sanktionsrecht als iranische Finanzinstitute. US-Personen dürfen daher grundsätzlich keine Geschäfte mit ihnen machen. Nach dem OFAC-Regelwerk trifft das Risiko weiterhin auch Nicht-US-Institute, sofern sie designierte Börsen materiell unterstützen.

    Warum Krypto-Kriminalität laut Chainalysis unter 1% bleibt

    Chainalysis erfasste für 2025 mindestens 154 Mrd. USD an Zuflüssen auf illegale Adressen. Das ist ein Plus von 162% gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil illegaler Aktivität am zugeordneten Transaktionsvolumen liegt dennoch unter 1%, wie der Crypto Crime Report 2026 ausweist. Gegenüber 2024 ist dieser Anteil jedoch nur leicht gestiegen. Nicht zugeordnetes Volumen bleibt in beiden Richtungen aussen vor.

    Hinter dem Anstieg stehen vor allem sanktionsbezogene Flüsse. Sie bilden in der Taxonomie von Chainalysis eine eigene Kategorie und wachsen darin am schnellsten. Die Kategorie umfasst Zahlungen an Adressen sanktionierter Personen, Unternehmen und Jurisdiktionen. Der an sanktionierte Adressen geflossene Wert legte um 694% gegenüber dem Vorjahr zu. Treiber waren vor allem Russland mit dem Rubel-Token A7A5 sowie Iran-Bezüge. Ein grosser Teil dieser Statistik entsteht folglich durch Sanktionsverstösse, nicht durch Betrug oder Ransomware.

    Die Zahlen sind Untergrenzen. Chainalysis revidiert Vorjahreswerte regelmässig nach oben, weil die Zuordnung von Adressen über Zeit weiterläuft. Für 2024 stieg die Schätzung letztlich von 40.9 auf 57.2 Mrd. USD. Ebenso wenig lassen sich die beiden Datensätze miteinander verrechnen. Beide Firmen nutzen ausserdem eigene Attributionsdatensätze. TRMs 9.9 Mrd. USD für Iran sind keine Teilmenge der 154 Mrd. USD, sondern eine Schätzung mit eigener Methodik. Sie umfasst ein- und ausgehende Transaktionen iranischer Dienste und Entitäten, überwiegend gewöhnlichen Handel und Ersparnisse. TRM selbst liest das anhaltende Volumen als Ausdruck struktureller Nachfrage, nicht als spekulativen Handel.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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