UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank, Banque Cantonale Vaudoise und Swiss Stablecoin AG gaben heute eine gemeinsame Testphase für einen Stablecoin bekannt. Der Digitalfranken (CHFD) soll während des gesamten Jahres 2026 in einer kontrollierten Umgebung getestet werden.
Gemessen werden soll die technische und regulatorische Machbarkeit eines regulierten Franken-Stablecoins. Neu an diesem Projekt ist die Machtkonstellation: Nicht dezentralisierte Netzwerke, sondern ein Bankenkonsortium unter Staatsaufsicht soll den digitalen Franken treiben. Swiss Stablecoin AG stellt die technische Infrastruktur bereit. PostFinance arbeitet bereits seit Februar 2024 mit der Firma zusammen und bietet über diesen Kanal Krypto-Services an.
Die Testphase bleibt bewusst klein. Transaktionen sollen unter 1 Million CHF liegen – klein genug für Fintech-Sandbox-Ausnahmen. Damit treten neben die SNB-Initiative Helvetia auch private Marktkräfte. Die Frage, wie Zentralbank und Privatsektor parallel digitale Franken-Szenarien erkunden, wird zentral für die Schweizer Finanzinfrastruktur.
Regulatorisches Umfeld im Umbruch
Die Sandbox antwortet auf anhaltende Rechtsunsicherheit, nicht auf regulatorische Grüngabe. Die FINMA publizierte 2024 neue Richtlinien: CHF-gebundene Token gelten als Publikumsdeposits. Bank- oder Fintech-Lizenz sind daher erforderlich. Im Oktober 2025 eröffnete der Bundesrat schliesslich eine Konsultation zum Finanzinstitutgesetz (FinIA). Geplant sind zwei neue Kategorien: Zahlungsinstitute für Stablecoin-Emission und Kryptoinstitute für Verwahrung. Die Konsultation läuft bis Februar 2026. Gesetzsumsetzung wird aber erst ab 2027 erwartet.
Hier entsteht eine Spannungslinie. Die Swiss Bankers Association fordert in ihrem Positionspapier vom April 2025 mehr: Banken sollen Stablecoins direkt ausgeben dürfen, ohne zusätzliche Zahlungsinstituts-Lizenzen. Swiss Stablecoin AG und die beteiligten Banken müssen dagegen unter heutigen Regeln agieren. Eine Zahlungsinstituts-Lizenz ist Voraussetzung. Der FinIA-Reformprozess könnte die Spielregeln mittelfristig verschieben – oder auch nicht. Die Sandbox testet insofern nicht nur Technologie. Sie erkundet, ob ein Mittelweg zwischen SNB-Zentralisierung und dezentralen Stablecoins haltbar ist.
Blockchains im Bankensektor: Was technisch funktioniert
Die Initiative baut auf bewiesener technischer Machbarkeit auf. Im September 2025 führten UBS, PostFinance und Sygnum die erste rechtsverbindlich bindende Interbank-Blockchainzahlung mit Deposit-Tokens durch. Blockchains interessieren demnach nicht nur Krypto-Spekulanten, sondern auch traditionelle Bankenprozesse. Was heute über SIC-RTGS-Leitungen läuft, bekommt auf öffentlichen Blockchains parallele Schienen.
Ein Franken-Stablecoin brächte drei konkrete Vorteile: schnellere Abrechnungen, 24/7-Verfügbarkeit und Kompatibilität mit dezentralen Finanzprotokollen. Doch eine technische Frage bleibt offen. Die früheren Tests liefen auf Ethereum. Für die 2026er Sandbox ist nicht offiziell bestätigt, welche Plattform verwendet wird. Ethereum, eine private DLT oder eine Konsortium-Blockchain – die Wahl ist entscheidend und bislang ungeklärt.
Eine Private Blockchain mit beschränktem Teilnehmerkreis unterscheidet sich grundlegend von Ethereum. Die Unterschiede liegen in Dezentralisierung, Zweitmarktliquidität und internationaler Interoperabilität. Die kommenden Monate zeigen, ob die Teilnehmer Technologie-Offenheit bevorzugen oder bankeneigene Kontrollmechanismen.
Bisher kein erfolgreicher Franken-Stablecoin
Über die Jahre scheiterten diverse Fintech-Projekte für Stablecoins auf Schweizer Franken. Das aktuelle Projekt hingegen steigt direkt mit den Schwergewichten ein. UBS ist das grösste Finanzinstitut der Schweiz. PostFinance, ZKB und Raiffeisen gelten als systemrelevant. Regionale Banken erweitern die Glaubwürdigkeit. Banken bringen bestehende Kundenbeziehungen, Compliance-Infrastrukturen und Versicherungen mit. Sie können Stabilität bieten, die kein Start-up leistet. Dies wiederholt sich global: USDC von Circle wuchs schneller als dezentralisierte Alternativen, weil etablierte Finanzinstitute dahinterstanden.
Global zeigt sich allerdings auch der Druck. Die EU-Verordnung MiCA trat im Dezember 2024 vollständig in Kraft. Sie zwingt Stablecoin-Emittenten zu 1:1-Deckung mit sofortiger Rückzahlung. Schweizer Banken müssen MiCA-konform sein, falls sie in die EU expandieren. Die Schweiz etabliert ihren Standard jetzt, bevor europäische und internationale Konkurrenz den Markt dominiert. Global stiegen Stablecoin-Transaktionen 2025 auf USD 33 Billionen – ein Anstieg um 72% gegenüber 2024. Die CHF-Stablecoin-Marktkapitalisierung lag im April 2025 dagegen nur bei USD 40 Millionen. Das entspricht 0.13% des globalen Markts. Ein Schweizer Stablecoin wäre auch eine Antwort auf die eigene Marginalisierung.
Parallele Projekte: Helvetia und die SNB
Die Sandbox läuft parallel zu Projekt Helvetia, der SNB-Initiative für digitales Zentralbankgeld. Die SNB testet zwei Wege: ein Wholesale-CBDC für Finanzinstitutionen und einen synchronisierten Ansatz über die SIC-RTGS-Schnittstelle. Das Projekt wurde bis mindestens Mitte 2027 verlängert. Ethereum dient als experimentelle Test-Plattform.
SNB und Privatwirtschaft konkurrieren nicht – sie testen parallel verschiedene Wege. Eine SNB-CBDC positioniert sich eher als Wholesale-Lösung für Banken. Ein privater CHF-Stablecoin ermöglicht eher Retail-Zahlungsverkehr oder DeFi-Integration. Längerfristig bleibt offen, wie sich die Rollen verteilen.








