Strategy hat Ende Juni und Anfang Juli 2026 insgesamt 3'588 Bitcoin für rund 216 Mio. USD verkauft, um Dividenden auf seine Vorzugsaktien STRC & Co. zu finanzieren. Es ist der grösste Bitcoin-Verkauf des Unternehmens seit der Abkehr von der „Never Sell"-Strategie.
Strategy, vormals MicroStrategy, ist ein US-Softwareunternehmen, das seine Bilanz seit 2020 systematisch in Bitcoin umschichtet. Über Aktien- und Anleiheemissionen stieg der Konzern schliesslich zum grössten börsennotierten Bitcoin-Halter der Welt auf. Ausserdem gab das Unternehmen mehrere Vorzugsaktien-Linien mit festen Dividenden aus, darunter STRF, STRE, STRK, STRD und STRC. Unter Mitgründer und Executive Chairman Michael Saylor galt bis Mai 2026 die Maxime „Never Sell". Später durchbrach der Konzern diese Linie erstmals seit 2022 mit einem kleinen Verkauf von 32 Bitcoin. Ende Juni 2026 kündigte Strategy schliesslich mit dem „BTC Monetization Program" einen strukturierten Rahmen für grössere, wiederholte Verkäufe an. Nach dem jüngsten Verkauf hält das Unternehmen noch 843'775 Bitcoin, erworben für rund 63.69 Mrd. USD. Die Dollar-Reserve beträgt 2.55 Mrd. USD.
Bitcoin-Verkäufe finanzieren die Strategy-Vorzugsdividenden
Der Verkauf war kein spontaner Notverkauf, sondern Teil eines im Voraus angekündigten Programms. Strategy legte ihn am 6. Juli 2026 über ein SEC-Filing offen, das den Verkauf auf 3'588 Bitcoin über mehrere Handelstage bezifferte. Am 29. Juni 2026 hatte das Unternehmen das „BTC Monetization Program" im Rahmen eines „Digital Credit Capital Framework" vorgestellt. Dieses erlaubt bedingte Bitcoin-Verkäufe von bis zu 1.25 Mrd. USD, um Dividenden auf die Vorzugsaktien zu bedienen. Ferner umfasst der Rahmen Rückkaufermächtigungen von je 1 Mrd. USD für die Digital-Credit-Vorzugsaktien und für die Stammaktien. Insgesamt sind das 2 Mrd. USD.
Gleichzeitig hob das Unternehmen die Dividende auf die STRC-Vorzugsaktie um 50 Basispunkte auf 12 Prozent an, wirksam ab Juli 2026. Mit 12 Prozent liegt die STRC-Dividende deutlich über gängigen Anleiherenditen. Daher erhöht die angehobene Ausschüttung den laufenden Kapitalbedarf spürbar. Die Erlöse aus dem Verkauf dienen zwei Zwecken. Sie finanzieren die laufenden Ausschüttungen auf die Linien STRF, STRE, STRK, STRD und STRC. Zudem füllen sie die dafür reservierte Dollar-Reserve wieder auf. Der Rahmen soll die Dividendenzahlungen planbar machen, ohne dass der Konzern auf kurzfristige Notverkäufe angewiesen ist. Somit verknüpft er seine Bitcoin-Bestände direkt mit den Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Vorzugsaktionären. Michael Saylor bestätigte die Transaktion über die Plattform X und nannte die zentralen Kennzahlen.
These were the Q2 quarterly dividends on $STRF, $STRE, $STRK, and $STRD, and the full monthly dividend for June on $STRC.
— Michael Saylor (@saylor) July 6, 2026
Strategy bricht mit der „Never Sell"-Doktrin
Bis vor kurzem stand Strategy für eine kompromisslose Haltung: einmal gekaufte Bitcoin wieder abzustossen, galt als ausgeschlossen. Diese „Never Sell"-Doktrin prägte die Kommunikation des Unternehmens über Jahre. Für ein Unternehmen, dessen Börsenwert eng an den Bitcoin-Bestand gekoppelt ist, war das ein bemerkenswerter Schritt. Ende Mai 2026 durchbrach der Konzern sie jedoch erstmals seit 2022 und veräusserte 32 Bitcoin für rund 2.5 Mio. USD.
Danach folgten zunächst wieder Zukäufe. Anfang Juni erwarb das Unternehmen 1'550 Bitcoin, Ende Juni weitere 520, womit der Bestand vorübergehend auf 847'363 Bitcoin stieg. Der jüngste Verkauf reduzierte ihn später auf 843'775 Bitcoin. Auffällig ist die Grössenordnung. Mit 3'588 veräusserten Bitcoin übertrifft die aktuelle Transaktion den ersten Mai-Verkauf um mehr als das Hundertfache.
Hinter dem Kurswechsel steht eine formale Vorgabe des Verwaltungsrats. Sie verlangt eine Mindestdeckung von zwölf Monaten für Dividenden- und Zinsverpflichtungen. Folglich veräussert das Unternehmen Bitcoin, sobald die Reserve die Zwölf-Monats-Schwelle unterschreitet. Bei jährlichen Verpflichtungen von rund 1.76 Mrd. USD entspricht die Reserve von 2.55 Mrd. USD derzeit etwa 17.4 Monaten Deckung.
JPMorgan warnt vor „Two-Way-Risk" im Bitcoin-Markt
Der Strategiewechsel blieb an der Wall Street nicht unbemerkt. Analysten von JPMorgan unter Nikolaos Panigirtzoglou warnten Anfang Juli 2026 vor den Folgen. Die neue Verkaufspolitik schaffe ein vermeidbares „Two-Way-Risk" für den gesamten Kryptomarkt. Der Grund liegt in der Marktstellung des Unternehmens. Laut JPMorgan investierte Strategy seit Jahresbeginn 2026 rund 13.7 Mrd. USD in Bitcoin. Das entspricht etwa 70 Prozent der geschätzten Netto-Zuflüsse in digitale Assets. Insgesamt hält der Konzern rund 4 Prozent der Bitcoin-Versorgung.
Wird ein derart dominanter Käufer zum wiederkehrenden Verkäufer, verändert das die Angebotsdynamik. Bei steigenden Kursen verstärkt die Nachfrage von Strategy den Auftrieb, bei fallenden erhöhen die Verkäufe den Abwärtsdruck. JPMorgan empfiehlt deshalb eine höhere Reservedeckung von 24 bis 36 Monaten. Eine höhere Deckung würde Strategy unabhängiger von kurzfristigen Kursschwankungen machen. Dafür müsste das Unternehmen allerdings Stammaktien unter dem Nettoinventarwert ausgeben.
Besonders sensibel reagieren die Vorzugsaktien selbst. Die STRC-Linie fiel Ende Juni 2026 rund 25 Prozent unter ihren Nennwert. Kleinanleger halten schätzungsweise 8.8 Mrd. USD dieses als „stabiles Einkommen" vermarkteten Instruments. Der Kursrückgang deutet darauf hin, dass sie die vermeintlich sichere Dividende neu bewerten. Kritiker verweisen zudem auf einen reflexiven Mechanismus. Der mNAV setzt den Börsenwert ins Verhältnis zum Wert der gehaltenen Bitcoin. Fällt der Aktienkurs unter diesen Wert, sinkt also der mNAV unter 1.0x. In diesem Fall wird die Ausgabe neuer Aktien verwässernd statt wertsteigernd. Somit erschwert das die üblichen Kapitalbeschaffungswege und könnte den Verkaufsdruck auf die Reserven erhöhen.
Unrealisierter Milliardenverlust belastet die MSTR-Aktie
Der Verkauf fällt in eine Phase erheblicher Bilanzverluste. Für das zweite Quartal 2026 verbuchte Strategy einen grösstenteils unrealisierten Verlust von 8.32 Mrd. USD auf seine Bitcoin-Bestände. Der Bilanzwert dieser Bestände lag per 30. Juni 2026 bei 49.67 Mrd. USD. Der Buchverlust spiegelt allerdings vor allem den gesunkenen Bitcoin-Kurs wider, nicht tatsächliche Abflüsse.
Ebenso reagierte der Aktienmarkt. Die MSTR-Aktie fiel im vorbörslichen Handel um 2 Prozent auf 98.88 USD. Im Verlauf des vergangenen Monats verlor sie rund 26 Prozent. Der durchschnittliche Einstandspreis der Bitcoin-Bestände liegt bei 75'476 USD je Einheit. Der Konzern verkaufte jedoch zu einem Durchschnitt von rund 60'000 USD, während der Marktpreis zuletzt bei etwa 61'653 USD notierte. Auf Wochensicht notierte Bitcoin rund 3 Prozent höher, bei einer Marktkapitalisierung von etwa 1.24 Bio. USD. Letztlich trennte sich das Unternehmen von seinen Bitcoin unter dem eigenen Einstandspreis.









