MSCI hat eine Konsultation zu einer neuen Eignungsprüfung für „nicht-operative" Unternehmen eröffnet. Eine Simulation mit Daten von Mai 2026 zeigt, dass der Ausschluss unter dieser Methodik Strategy und Metaplanet aus dem MSCI ACWI IMI Index treffen würde.
MSCI ist ein US-Indexanbieter, dessen Aktienindizes passiv verwaltete Fonds und ETFs nachbilden. Fällt ein Unternehmen aus einem solchen Index, verkaufen diese Fonds die Aktie mandatsgebunden. Die Einschätzung des Fondsmanagers ist dafür unerheblich. Ursprünglich hatte der Anbieter im Januar 2026 einen enger gefassten Vorstoss gegen Krypto-Treasury-Firmen (DATs) fallengelassen. Gleichzeitig kündigte er eine breitere Überprüfung nicht-operativer Unternehmen an, deren Ergebnis nun vorliegt. Der Vorschlag reicht diesmal über reine Krypto-Firmen hinaus. Strategy weist in der Simulation eine free-float-adjustierte Marktkapitalisierung von 23.9 Mrd. USD auf. Damit führt der Konzern das Feld der Streichungskandidaten an. Die Kennzahl erfasst nur den frei handelbaren Teil der Aktien und bestimmt somit das Gewicht im Index.
MSCI misst Unternehmen künftig an fünf Kennzahlen
Die vorgeschlagene Methodik arbeitet zweistufig. Zunächst prüft ein Kernscreen, ob die operativen Vermögenswerte eines Unternehmens mehr als 50 Prozent der Gesamtvermögenswerte ausmachen. Wer diese Schwelle hält, bleibt indexfähig; wer daran scheitert, durchläuft hingegen die zweite Stufe. Krypto-spezifische Schwellen enthält der Test allerdings nicht. Er zielt auf die Bilanzstruktur, nicht auf die Art des gehaltenen Vermögenswerts. Ein Rohstoffhalter kann daran ebenso scheitern wie ein Bitcoin-Käufer.
Die zweite Stufe stützt sich auf fünf Finanzkennzahlen: operative Vermögensintensität, Aufwandsintensität, Cashflow, Fair-Value-Intensität und Kapitalabhängigkeit. Als kritisch gelten operative Vermögenswerte unter 20 Prozent der Gesamtvermögenswerte sowie ein operativer Aufwand unter 5 Prozent. Ferner zählen ein negativer operativer Cashflow und nicht-operative Fair-Value-Veränderungen über 5 Prozent der Bilanzsumme dazu. Die fünfte Schwelle betrifft schliesslich eine Kapitalabhängigkeit über 20 Prozent. Diese Kennzahl misst, wie stark ein Unternehmen für sein Wachstum auf frisches Kapital von aussen angewiesen ist. Nicht indexfähig ist ein Unternehmen folglich erst, wenn es den Kernscreen verfehlt und mindestens vier der fünf Kriterien auslöst. Ein einzelner Ausreisser in der Bilanz genügt somit nicht.
Für bestehende Indexmitglieder gelten hingegen mildere Schwellenwerte als für Anwärter auf eine Neuaufnahme. Zudem müssen Mitglieder den Screen bei zwei aufeinanderfolgenden Jahresabschlüssen verfehlen, bevor eine Streichung erfolgt. Ein einmaliges Verfehlen der Schwellenwerte löse keine Neueinstufung aus, hält MSCI im Konsultationsdokument fest. Erforderlich sei vielmehr ein nachhaltiger Wandel der Geschäftsstruktur. Die Prüfung greift also erst, wenn ein Unternehmen dauerhaft mehr Vermögensverwalter als operativer Betrieb ist.
Strategy, Metaplanet und Yellow Cake fallen durch den Kernscreen
In der Simulation mit Mai-2026-Daten verlieren drei Unternehmen ihren Platz im MSCI ACWI IMI Index. Neben Strategy und Metaplanet trifft es ebenfalls die Uran-Investmentfirma Yellow Cake. Die Auswahl ist kein Zufall. Alle drei halten überwiegend Vermögenswerte, die kein laufendes Geschäft speisen, sondern in der Bilanz liegen. Dass mit Yellow Cake auch ein Rohstoffhalter auf der Liste steht, unterstreicht den branchenneutralen Zuschnitt der Methodik. Betroffen wäre also nicht nur Krypto.
Weiterhin kämen drei Konzerne auf eine öffentliche Beobachtungsliste: SharpLink, Center Laboratories und Lydia Holding. Diese Liste führt Unternehmen, deren Bilanzprofil MSCI künftig kritisch prüft, ohne dass unmittelbar eine Streichung anstünde. Für Anleger ist sie dennoch ein Signal.
Der Vorschlag zielt allgemein auf Unternehmen, die nicht-operative Vermögenswerte anhäufen und wenig operativen Cashflow erwirtschaften. Zudem zählt die Abhängigkeit von externem Kapital für das Wachstum dazu. Genau dieses Profil beschreibt das Geschäftsmodell der Bitcoin-Treasury-Firmen. Sie finanzieren Zukäufe über Aktien- und Anleiheemissionen und halten die erworbenen Bestände. Daher erfasst das Raster sie technisch, ohne sie beim Namen zu nennen. Ein ausdrückliches Verbot digitaler Vermögenswerte enthält die Methodik trotzdem nicht.
Passive Fonds müssten Milliarden automatisch abziehen
Die finanzielle Tragweite eines Ausschlusses hängt nicht von der Meinung einzelner Investoren ab. Indexfonds bilden ihre Referenz mechanisch nach und müssen eine gestrichene Aktie deshalb verkaufen. Ob der Kurs günstig steht, ist für diese Mandate unerheblich. Als Referenz für global anlegende Aktienfonds dient dabei der MSCI ACWI IMI. JPMorgan-Analysten bezifferten das Volumen für Strategy bereits 2025 auf rund 2.8 Mrd. USD an passiven Mittelabflüssen.
Eine Schätzung des Branchenverbands Bitcoin For Corporations kam im Dezember 2025 auf 10 bis 15 Mrd. USD. Diese Spanne bezog sich allerdings auf das gesamte Universum der Krypto-Treuhandunternehmen und nicht allein auf Strategy. Der unterschiedliche Zuschnitt erklärt die Distanz zwischen beiden Zahlen.
Gleichzeitig verlangt die Prüfung bei bestehenden Mitgliedern zwei aufeinanderfolgende Jahresabschlüsse unterhalb der Schwellen. Der Indexanbieter begründet das Verfahren mit dem Ziel, die Fluktuation in seinen Indizes zu begrenzen. Wie viel Zeit den betroffenen Unternehmen damit bleibt, ist offen. Strategy und Metaplanet verfehlen die Schwellen in der Simulation jedoch bereits auf Basis ihrer Mai-2026-Zahlen. Wer seine Bilanz rechtzeitig umbaut, bleibt drin.
Zweiter Anlauf gegen Krypto-Treasuries binnen eines Jahres
Das Muster wiederholt sich. Zuvor lief zwischen Oktober und Dezember 2025 eine erste Konsultation, die sich ausdrücklich auf digitale Vermögens-Treuhandunternehmen beschränkte. Sie identifizierte 39 potenziell betroffene Firmen, darunter 18 bestehende Indexmitglieder. Zu diesen zählten Strategy, Riot Platforms und Marathon Digital. 21 weiteren Kandidaten hätte MSCI die künftige Aufnahme ebenfalls verwehrt. Schliesslich rückte MSCI von dem Plan ab und verwies auf weiteren Forschungs- und Konsultationsbedarf.
Die Entscheidung fiel Anfang Januar 2026 gegen einen Ausschluss dieser Firmen. Infolge der Entscheidung stieg die Strategy-Aktie nachbörslich um rund 6 Prozent. Der Kurssprung zeigte, wie eng die Bewertung solcher Unternehmen an ihrem Indexstatus hängt. Später mündete die Ankündigung in den nun vorliegenden Vorschlag. Dessen Zuschnitt ist breiter als beim ersten Anlauf, trifft die Krypto-Treasuries dennoch erneut.
Der Zeitplan ist eng. Zunächst nimmt MSCI Rückmeldungen von Marktteilnehmern bis zum 30.09.2026 entgegen. Die Konsultationsergebnisse sollen bis zum 16.10.2026 vorliegen. Folglich käme bei Annahme der Methodik eine Umsetzung im November-Indexreview infrage. Zwischen Ergebnisbekanntgabe und möglicher Umsetzung lägen vergleichsweise wenige Wochen. Strategy hat sich öffentlich gegen den Vorschlag gestellt.
Digital assets are assets. Index providers should measure markets, not decide which assets companies are allowed to own. MSCI’s proposal puts it out of step with regulators, markets, and its own customers. Bitcoin doesn’t need MSCI. Neither does Strategy. $BTC $MSTR
— Strategy (@Strategy) August 14, 2026








