PostFinance stellt ihr Ethereum-Staking per Mitte August 2026 auf flexible Laufzeiten um und streicht die Zwölf-Wochen-Bindung. Neu lösen Kunden das Unstaking selbst aus, die Bank führt die Aufträge zweimal pro Woche aus.
PostFinance ist die Retailbank der Schweizerischen Post und betreut rund 2.5 Mio. Kundinnen und Kunden. Beim Staking stellen Anleger ihre ETH-Bestände zur Absicherung des Netzwerks bereit. Dafür erhalten sie Rewards, ohne selbst eine Validator-Infrastruktur zu betreiben. Zunächst eröffnete das Institut im Februar 2024 das Kryptogeschäft, als erste systemrelevante Schweizer Bank. Die Verwahrung übernimmt seither die Sygnum Bank. Ethereum-Staking kam im Januar 2025 dazu, ursprünglich mit fixer Zwölf-Wochen-Laufzeit und wöchentlicher Auszahlung der Erträge. Netzwerkweit sind derzeit rund 42.3 Mio. ETH gestakt, 34.7% des zirkulierenden Angebots. Die Basisrendite liegt gleichzeitig bei nur noch rund 2.7%.
Das Ethereum-Staking von PostFinance läuft neu ohne feste Sperrfrist
Bisher band PostFinance gestakte ETH für zwölf Wochen. Diese Frist entfällt ersatzlos. Kunden entscheiden künftig selbst, wann sie ihre Position wieder auflösen. Ein Unstaking-Auftrag hängt somit an keinem Kalendertermin mehr. Die Bank bündelt Staking- und Unstaking-Aufträge allerdings und führt sie in zwei Fenstern pro Woche aus. Zwischen Entscheid und Ausführung können also mehrere Tage liegen. Die alte Zwölf-Wochen-Frist stammte übrigens aus dem Produktdesign der Bank und nicht aus dem Ethereum-Protokoll.
Der zweite Eingriff betrifft die Erträge. Staking-Rewards flossen bisher wöchentlich separat auf das Konto. Künftig schreibt der Anbieter sie automatisch der bestehenden Staking-Position gut, wodurch ein Zinseszins-Effekt entsteht. Ein separater Auszahlungsschritt entfällt folglich. Für längerfristig gehaltene Positionen erhöht die Reinvestition den kumulierten Ertrag, ohne dass Anleger die Gutschriften manuell nachstaken müssen. Gleichzeitig verlieren Nutzer den regelmässigen Zahlungsstrom, der bisher ohne eigenes Zutun auf dem Referenzkonto landete. Alexander Thoma, Leiter Digital Assets bei PostFinance, begründet den Umbau mit den Erwartungen der Kundschaft.
"Mit der Weiterentwicklung reagiert PostFinance auf die steigenden Erwartungen von Krypto-Anleger:innen nach mehr Flexibilität und einer Nutzererfahrung, die sich an den Standards des Ethereum-Ökosystems orientiert." - Dr. Alexander Thoma, Leiter Digital Assets, PostFinance
Zu den Konditionen äussert sich die Mitteilung nicht. Gemäss der Produktseite der Bank liegt der Mindestbetrag bei 0.1 ETH. Ausserdem behält das Institut dort 20% der erhaltenen Rewards ein, mindestens 1 USD, und belastet den Betrag vierteljährlich dem Referenzkonto.
Die Ethereum-Warteschlange zeigt die Grenzen der Flexibilität
Ethereum kennt seit dem Shapella-Upgrade vom April 2023 technische Abhebungen aus dem Staking. Zuvor liessen sich einmal hinterlegte ETH überhaupt nicht abziehen. Seither ist der Ausstieg möglich, aber nicht sofort. Eine vertraglich fixe Sperrfrist existiert im Protokoll jedoch nicht. Stattdessen regeln variable Warteschlangen den Ein- und Austritt von Validatoren, deren Länge sich nach der Nachfrage im Netzwerk richtet. Das neue PostFinance-Modell rückt somit näher an die Protokollrealität heran. Gebündelt bleibt es trotzdem, denn zwei feste Zeitfenster pro Woche sind keine Ausführung in Echtzeit.
Wie weit Wunschtermin und tatsächliche Wartezeit auseinanderliegen können, zeigt die aktuelle Auslastung. Am 17. August 2026 standen 2.23 Mio. ETH in der Eintritts-Warteschlange. Das entsprach rund 39 Tagen Wartezeit. Die Austritts-Warteschlange war zum selben Zeitpunkt praktisch leer, mit zwei Validatoren und 64 ETH. Wer einsteigen will, wartet derzeit deutlich länger als wer aussteigt. Für Bankkunden addiert sich das interne Ausführungsfenster zudem zu dieser Netzwerkwartezeit. Ein bankseitiges Zeitfenster hilft daher wenig, wenn die Kette selbst der Engpass ist.
Diese Nachfrage hat einen Preis. Die Basisrendite auf Konsens-Ebene ist 2026 auf rund 2.66 bis 2.78% gefallen. Erträge aus MEV kommen variabel hinzu. Garantiert sind sie nicht. Je mehr ETH gestakt sind, desto breiter verteilen sich die Emissionen des Netzwerks auf die Validatoren. Eine Staking-Quote von 34.7% ist damit selbst Teil der Erklärung. Bei Bankkunden schmälert ausserdem die anteilige Gebühr den Nettoertrag. Flexibilität allein löst dieses Problem nicht.
PostFinance baut ihr Krypto-Angebot seit dem FINMA-Kompromiss aus
Den regulatorischen Rahmen für Bank-Staking setzte die FINMA im Dezember 2023. Ihre Aufsichtsmitteilung 08/2023 benennt Bedingungen für die Verwahrung gestakter Kryptowerte. Erfüllt eine beaufsichtigte Verwahrstelle diese Kriterien, gelten die Werte im Konkursfall als Depotwerte nach Art. 16 Ziff. 1bis Bankengesetz. Der Liquidator sondert sie dann aus, statt sie als bilanzwirksame Einlage zu behandeln. Ohne diese Voraussetzungen bleibt hingegen offen, ob der gestakte Bestand im Konkurs geschützt ist. Die Aufsicht selbst bezeichnet die Aussonderbarkeit als ungeklärt, solange Gesetzgebung oder Rechtsprechung die Frage nicht entschieden haben. Für Kunden bleibt damit ein Restrisiko, das sich nicht abschliessend beziffern lässt.
Vorausgegangen war Kritik aus der Branche. Swiss Blockchain Federation und Crypto Valley Association hatten zuvor vor einer pauschalen Banklizenzpflicht für Staking-Dienstleister gewarnt. Die Aufsicht wählte schliesslich benannte Kriterien statt einer generellen Lizenzpflicht. Die Mitteilung erschien am 20. Dezember 2023. Folglich war der Weg für regulierte Schweizer Anbieter frei.
PostFinance nutzte ihn als erstes Institut dieser Grösse. Im Februar 2024 startete die Bank Handel und Verwahrung von Kryptowährungen. Die Custody bleibt vollständig in der Schweiz. Die Schweizerische Nationalbank führt PostFinance neben der Raiffeisen Gruppe und der Zürcher Kantonalbank als national systemrelevant. Im Juli 2024 kamen fünf Kryptowährungen zu den ursprünglich elf hinzu. Später folgte das Ethereum-Staking im Januar 2025. Heute umfasst das Angebot Bitcoin und 21 weitere Coins.
PostFinance kündigt Staking-Ausbau auf weitere Netzwerke an
Bei Ethereum soll es nicht bleiben. Der Anbieter will das Staking schrittweise auf weitere Proof-of-Stake-Netzwerke ausweiten. Details dazu kündigt die Bank für 2027 an, konkrete Netzwerke oder Zeitpunkte nennt sie bislang nicht. Die Ankündigung bleibt deshalb vorerst eine Richtungsangabe. Ein breiteres Angebot verringert die Abhängigkeit von der Ethereum-Rendite, zumal deren Basis zuletzt gesunken ist.
Allein ist das Institut im Schweizer Markt längst nicht mehr. Bis Mitte 2026 bieten praktisch alle grösseren Kantonalbanken ebenfalls Krypto-Dienstleistungen an. Dazu zählen die Zürcher, die Luzerner und die Zuger Kantonalbank. Ferner kommen die Krypto-Spezialbanken Sygnum und AMINA hinzu, vormals SEBA. Mit rund 2.5 Mio. Kunden erreicht PostFinance jedoch ein Publikum, das Spezialbanken nicht bedienen. Ein Staking-Produkt ohne feste Sperrfrist senkt für diese Zielgruppe die Einstiegshürde.







