Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Die weltgrösste Krypto-Börse Binance stellt zum 1. Juli alle Dienste für EU-Kunden ein. Was die Börse offiziell als Rückzug ihres MiCA-Lizenzantrags in Griechenland verkauft, kommt einer faktischen Verdrängung aus dem Markt gleich. Kunden in Frankreich, Polen, Italien und Spanien forderte das Unternehmen auf, ihr Guthaben vor der Frist abzuziehen. Der Hintergrund ist die EU-Verordnung MiCA. Eine CASP-Lizenz aus einem Mitgliedstaat gilt seit Dezember 2024 in allen 27 Ländern, eine Ablehnung wirkt entsprechend EU-weit. Mit dem Ende der Übergangsfrist am 1. Juli wird unlizenzierter Betrieb illegal. Binance reichte den Antrag im Januar ein und durchlief das Verfahren zunächst ohne formale Einwände. Erst spät meldeten griechische, irische und lettische Behörden Geldwäsche-Bedenken an. Gerüchten zufolge soll die EZB massgeblich Druck ausgeübt haben, damit die Lizenz trotz sauberen Verfahrens nicht erteilt wird. Vor dem drohenden Negativbescheid zog Binance den Antrag zurück. Ökonomisch bleibt der Konzern dennoch dominant. Eine neue Lizenz strebt Binance nun in Frankreich an.
Binance zieht den griechischen MiCA-Lizenzantrag zurück und stellt ab 1. Juli alle EU-Krypto-Dienste ein. Kunden müssen Gelder abziehen.
Der digitale Euro rückt näher
Während Brüssel private Börsen an die kurze Leine nimmt, treibt es das eigene digitale Geld voran. Der ECON-Ausschuss des EU-Parlaments hat den Rechtsrahmen für einen digitalen Euro gebilligt und Trilog-Verhandlungen angeordnet. Eine Plenarabstimmung wird Anfang Juli erwartet, die vollständige Umsetzung ist für 2029 angepeilt. Der Vorstoss begründet sich geopolitisch. Der deutsche Abgeordnete Markus Ferber verwies auf die Abhängigkeit von Visa und Mastercard, die 61% der Kartenzahlungen der Eurozone abwickeln. Die EZB-Währung soll online wie offline funktionieren, bargeldähnlichen Datenschutz bieten und für Nutzer gebührenfrei bleiben. Teuer wird sie dennoch. Die Entwicklung kostet bis zum Start 1.3 Mrd. EUR, der Betrieb jährlich rund 320 Mio. EUR. Zentrale Sorge bleibt die Bankenstabilität. Ein Haltelimit von 3’000 EUR pro Person könnte bis zu 699 Mrd. EUR an Einlagen abziehen und kleinere Institute destabilisieren. 58% der Europäer stehen dem Projekt laut EZB ausserdem zurückhaltend gegenüber. Ein digitaler Euro liesse sich nämlich programmieren, sodass Ausgaben eingeschränkt oder an Bedingungen geknüpft werden könnten. Technisch umsetzbar wären zudem negative Zinsen auf Guthaben, Kapitalverkehrskontrollen oder automatische Steuerabzüge. Eine lückenlose Transaktionsüberwachung könnte überdies die finanzielle Privatsphäre erheblich einschränken.Der ECON-Ausschuss des EU-Parlaments hat den Rechtsrahmen für den digitalen Euro genehmigt und Trilog-Verhandlungen angeordnet.
US-Behörden stellen sich gegen den Clarity Act
In den USA gerät ein zentrales Krypto-Vorhaben erneut ins Stocken. Der Digital Asset Market Clarity Act, das bislang umfassendste US-Marktstrukturgesetz, teilt die Aufsicht zwischen SEC und CFTC auf. Das Repräsentantenhaus verabschiedete es im Juli 2025, das Senate Banking Committee billigte es im Mai. Nun wächst der Gegenwind. Im Zentrum steht Section 604, die nicht-verwahrende Software-Entwickler von der Regulierung ausnimmt. Vier grosse Strafverfolgungsverbände warnen, die Klausel behindere Ermittlungen zu Mixern und bestimmten DeFi-Diensten. Auch über 100 katholische Würdenträger und die Gewerkschaftsföderation AFL-CIO meldeten Bedenken an. Die politische Mathematik ist heikel. Die Republikaner halten nur 53 Senatssitze, für die Verabschiedung braucht es 60 Stimmen. Auf dem Prognosemarkt Polymarket fiel die Wahrscheinlichkeit eines Beschlusses im Jahr 2026 von 74% auf 43%. Über 60 Krypto-CEOs verteidigen die Klausel. Senatorin Cynthia Lummis warnt jedoch, bei einem Scheitern könnte das Thema erst 2030 zurückkehren.Vier US-Strafverfolgungsorganisationen warnen, dass Section 604 des Clarity Act Ermittlungen gegen Krypto-Kriminalität behindern würde.
Zuckerberg startet mit Arena einen eigenen Prognosemarkt
Den Boom der Prognosemärkte will nun Meta für sich nutzen. Der Konzern entwickelt unter direkter Aufsicht von Mark Zuckerberg die App „Arena“, die unabhängig von Facebook, Instagram und WhatsApp läuft. Der Start erfolgt zunächst ohne echtes Geld, mit einem Punktesystem im Videospiel-Stil. Ein späterer Übergang zu echten Wetten bleibt offen. Der Markt ist attraktiv. Das Handelsvolumen wuchs von rund 50 Mrd. USD im Jahr 2025 auf 130 Mrd. USD, die Investmentbank Bernstein erwartet bis Ende des Jahrzehnts 1 Bio. USD jährlich. Entsprechend hoch sind die Bewertungen der Pioniere, etwa 22 Mrd. USD für Kalshi und 15 Mrd. USD, die Polymarket anstrebt. Anders als das on-chain laufende Polymarket ist Arena eine zentral kontrollierte App ohne Blockchain. Der Schritt folgt Metas Muster, Konkurrenten zu kopieren, von Stories bis Reels. Überschattet wird der Sektor von Skandalen, darunter ein DOJ-Insiderhandelsfall und Berichte über von Polymarket bezahlte, inszenierte Gewinn-Videos.
Meta entwickelt unter Zuckerberg die Prediction-Market-App Arena als Angriff auf Polymarket und Kalshi, zunächst ohne Echtgeld.
Institutionelle Anleger ziehen sich aus Bitcoin zurück
Ausserdem: Bitcoin fiel diese Woche auf 59’023 USD, den tiefsten Stand seit Oktober 2024. Rund 800 Mio. USD an Long-Liquidationen beschleunigten den Tagesrückgang von 5.4%. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 30.6%, der Fear & Greed Index notiert bei 24 („Extreme Angst“). Der Verkaufsdruck trifft alle Säulen der institutionellen Nachfrage zugleich. Die Spot-ETFs verzeichneten sechs Wochen in Folge Abflüsse von insgesamt 5.94 Mrd. USD, allein BlackRocks IBIT verlor in einer Woche 980 Mio. USD. Auch MicroStrategy gerät unter Druck. Die Aktie fiel unter 90 USD, auf den Bitcoin-Beständen lasten geschätzte 11 Mrd. USD an unrealisierten Verlusten. Erstmals seit 2022 verkaufte das Unternehmen Bitcoin, um seine gestiegenen Dividendenverpflichtungen von rund 1.2 Mrd. USD zu bedienen. Zusätzlich belasten verschobene Zinserwartungen und die Konkurrenz durch KI- und Halbleiteraktien.Bitcoin-Preis fällt unter 60’000 Dollar auf den tiefsten Stand seit Oktober 2024, während Strategy, ETF-Käufer und Retail ausfallen.









