Präsident Kassym-Jomart Tokajew hat ein Dekret zur Förderung der kasachischen Krypto-Industrie unterzeichnet. Kernstück ist eine Krypto-Steuerbefreiung, die Handelserträge auf lizenzierten, regulierten Plattformen von der Einkommensteuer freistellt.
Das Dekret ist kein isoliertes Einzelgesetz, sondern eine gemeinsam ausgearbeitete Massnahme dreier Institutionen. Beteiligt waren das Ministerium für Künstliche Intelligenz und digitale Entwicklung (MAIDD), die Nationalbank Kasachstans und das Astana International Financial Centre (AIFC). Der Erlass erweitert den bestehenden Rahmen für digitale Vermögenswerte. Tokajew unterzeichnete ihn am 7. Juli 2026, einen Tag später gab das MAIDD ihn öffentlich bekannt. Rechtlich baut die Massnahme auf dem Gesetz über digitale Vermögenswerte von 2023 sowie der seit 1. Mai 2026 geltenden Lizenzpflicht für unbesicherte Krypto-Börsen auf. Inhaltlich bündelt das Dekret drei Hebel, nämlich die Steuerbefreiung für Handelserträge, Stablecoin-Mechanismen für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr sowie eine neue Energieregel für Mining-Betriebe.
Steuerbefreiung für Krypto-Handel auf lizenzierten Plattformen
Die zentrale Massnahme des Dekrets zielt zunächst auf reguliertes Kapital. Einkommen aus dem Handel mit digitalen Vermögenswerten bleibt künftig steuerfrei, sofern die Geschäfte auf lizenzierten, in Kasachstan regulierten Plattformen ablaufen. Damit koppelt die Regierung den Steuervorteil unmittelbar an die Nutzung genehmigter Infrastruktur. Wer hingegen über unregulierte Kanäle handelt, geht leer aus. Der Anreiz wirkt daher als Sog in Richtung der lizenzierten Börsen, die bei der Nationalbank registriert sein müssen.
Ergänzend führt das Dekret einen freiwilligen Offenlegungsmechanismus ein. Anleger können digitale Vermögenswerte, die sie bisher auf unregulierten ausländischen Plattformen hielten, offenlegen und danach auf lizenzierte inländische Plattformen transferieren. Auf diese Weise fliessen bislang im Ausland geparkte Bestände schliesslich zurück ins regulierte System. Der Steueranreiz und die Offenlegung greifen somit ineinander, denn beide lenken Kapital in dieselbe kontrollierte Struktur.
Federführend bei der Ausarbeitung waren MAIDD, Nationalbank und AIFC. Zhaslan Madiyev, Minister für Künstliche Intelligenz und digitale Entwicklung, verknüpft die Massnahme mit einem klaren standortpolitischen Ziel. Die Regierung will dadurch ausländisches Kapital und Fachkräfte in ein transparentes, staatlich kontrolliertes System lenken. Der Steuerverzicht ist folglich weniger Geschenk als Instrument der Standortpolitik.
„Unser Ziel ist es, Kasachstan zu einem Anziehungspunkt für globales Kapital und Fachwissen zu machen, während maximale Transparenz gewährleistet wird." - Zhaslan Madiyev, Minister für Künstliche Intelligenz und digitale Entwicklung
Stablecoins sollen grenzüberschreitende Zahlungen erleichtern
Neben dem Handel adressiert das Dekret den Zahlungsverkehr. Stablecoins sind digitale Token, deren Wert an eine Referenzwährung wie den US-Dollar gekoppelt ist. Das macht sie für Zahlungen berechenbarer als volatile Kryptowährungen. Der Erlass sieht daher vor, Mechanismen für den Einsatz solcher Token in der grenzüberschreitenden Zahlungsabwicklung zu entwickeln.
Im Fokus stehen dabei Import- und Exportgeschäfte. Kasachstan positioniert Stablecoins somit nicht als Spekulationsobjekt, sondern als Infrastruktur für den Aussenhandel. Für ein rohstoffexportierendes Land, dessen Handel stark von internationalen Zahlungswegen abhängt, zielt der Ansatz auf schnellere und günstigere Abwicklung. Traditionelle Auslandsüberweisungen laufen über mehrere Korrespondenzbanken und kosten Zeit sowie Gebühren. Stablecoin-Transfers versprechen hingegen eine direktere Abwicklung. Konkrete technische Vorgaben nennt das Dekret an dieser Stelle allerdings noch nicht.
Mining-Betriebe erhalten Zugang zu Begleitgas-Strom
Der dritte Hebel betrifft die Energieversorgung des Minings. Das Dekret erlaubt, Begleit- und Erdgas aus Öl- und Gasfeldern zur Stromerzeugung für Mining-Betriebe zu nutzen. Voraussetzung ist, dass der Staat das Gas nicht für eigene Zwecke benötigt. Begleitgas fällt bei der Ölförderung an; andernfalls fackeln Betreiber es häufig ab, verbrennen es also ungenutzt.
Kasachstan zählt seit Jahren zu den weltweit führenden Standorten für Bitcoin-Mining. Nach Daten des Cambridge Centre for Alternative Finance lag das Land 2022 auf Platz 3 der globalen Hashrate-Rangliste. Diese Position beruhte ursprünglich auf günstigem Strom. Nach einer Regulierungswelle und wiederholten Netzengpässen geriet der Sektor jedoch unter Druck, und ein Teil der Miner verliess das Land.
Mit der Freigabe von Begleitgas erschliesst die Regierung eine zusätzliche Energiequelle für die Branche. Für Mining-Betreiber senkt sonst ungenutztes Gas ausserdem die Stromkosten, ohne das öffentliche Netz zusätzlich zu belasten. Gleichzeitig verknüpft der Erlass die Krypto-Industrie enger mit dem dominierenden Öl- und Gassektor des Landes. Das Land baut eine bestehende Standortstärke letztlich gezielt aus.
Vom Gesetz von 2023 zur geplanten Staats-Reserve
Das Juli-Dekret steht am vorläufigen Ende einer mehrjährigen Regulierungslinie. Die rechtliche Grundlage bildet das Gesetz über digitale Vermögenswerte von 2023. Seit dem 1. Mai 2026 gilt zudem eine Lizenzpflicht für unbesicherte Krypto-Börsen, die sich bei der Nationalbank registrieren müssen. Zuvor hatte Tokajew den Regulatoren eine Frist bis 2026 für ein umfassendes Digital-Asset-Gesetz gesetzt. Der neue Erlass erweitert diesen Rahmen, statt ihn neu zu schreiben.
Parallel treibt die Führung ein staatliches Reserveprojekt voran. In seiner Rede zur Lage der Nation kündigte Tokajew im September 2025 einen staatlichen Digital Asset Fund an. Verwalten soll ihn die Investmentgesellschaft der Nationalbank. Später konkretisierte die Nationalbank im November 2025 Pläne für einen Krypto-Reservefonds im Volumen von 500 Mio. bis 1 Mrd. USD. Speisen soll ihn ein Mix aus konfiszierten Vermögenswerten, zurückgeführten Auslandsbeständen und Mining-Erlösen. Ferner betonte Notenbankchef Timur Suleimenov, der Fonds werde primär in ETFs und Aktien von Digital-Finance-Unternehmen investieren. Bei direkter Krypto-Exponierung solle er vorsichtig vorgehen.
Insgesamt zeichnet sich damit ein staatlich orchestrierter Ansatz ab. Wo das Schweizer Crypto Valley von unten wuchs, steuert Kasachstan seinen Krypto-Sektor gezielt von oben, mit Regulierung als Standortinstrument statt als Abwehrmechanismus.








