Anthony Scaramucci führt die jüngste Verkaufswelle bei Bitcoin auf eine runde Zahl zurück. Viele Halter der ersten Stunde sahen 100'000 USD pro Coin als ihre magische Zahl und stiegen dort aus.
Scaramucci begann seine Laufbahn 1989 bei Goldman Sachs und gründete SkyBridge Capital im Jahr 2005. Die Investmentfirma legt vor allem Dachfonds auf und zählte zu den frühen institutionellen Bitcoin-Käufern. Ausserhalb der Finanzbranche wurde er 2017 bekannt, als er unter Präsident Donald Trump elf Tage lang Kommunikationsdirektor im Weissen Haus war. Seit 2009 führt er zudem die Konferenzreihe SALT. Seine Aussagen fielen im Interview mit The Block am Wyoming Blockchain Symposium in Jackson Hole. Zu der geladenen SALT-Veranstaltung kamen Mitte August rund 500 Investoren, Entwickler und Regulierer.
Bitcoin war im Oktober 2025 auf ein Allzeithoch von 126'198 USD gestiegen, bevor der Kurs bis Juni 2026 auf rund 58'000 USD fiel. Das entspricht einem Rückgang von etwa 54%. Scaramucci stuft das dennoch als moderat ein. Historische Bärenmärkte kosteten Bitcoin 75 bis 80%.
OGs verkauften bei 100'000 USD pro Bitcoin
Als OGs gelten in der Branche Investoren, die Bitcoin seit den frühen Jahren halten. Viele von ihnen sassen 10 bis 15 Jahre auf ihren Positionen. Sie überstanden mehrere Zyklen, ohne zu verkaufen. Sechsstellige Kurse blieben für diese Gruppe lange ein abstraktes Ziel. Sie dienten eher als Referenzpunkt denn als konkretes Kursziel. Erst als der Kurs die Marke tatsächlich erreichte, wurde daraus ein Ausstiegssignal. Runde Marken bündeln ausserdem Aufmerksamkeit und Orders an einem einzigen Punkt. Der Verkaufsdruck kam damit aus dem Kreis der überzeugtesten Halter. Scaramucci beschrieb diesen Mechanismus gegenüber The Block.
"Ehrlich gesagt, viele OGs, die ihre Position 10, 15 Jahre gehalten haben, sahen 100'000 USD pro Coin als magische Zahl für sich an - und sie verkauften." - Anthony Scaramucci, SkyBridge Capital
Zu Jahresbeginn war der Markt gespalten. Einerseits erwartete ein Teil der Anleger einen Bitcoin-Superzyklus, in dem institutionelle Nachfrage die alten Muster ausser Kraft setzt. Andererseits hielten viele Marktteilnehmer am historischen Vier-Jahres-Rhythmus fest, der sich am Halving orientiert. Beide Lager stützten sich auf dieselbe Kursgeschichte, zogen aber gegenteilige Schlüsse. Diese Zweiteilung prägte die Positionierung über Monate. Als der Markt den Wendepunkt erreichte, setzten sich die Verkaufserwartungen durch. Somit wurde die Erwartung selbst zum Auslöser. Scaramucci spricht von einer selbsterfüllenden Prophezeiung.
Den Ausschlag gab eine Zielmarke, die über Jahre in den Köpfen verankert war. Bis Juni 2026 verlor Bitcoin dann rund 54% gegenüber dem Höchststand. Verglichen mit früheren Bärenphasen fiel dieser Rückgang mild aus. Auffällig ist, dass der Markt dieses Angebot ohne den üblichen Einbruch aufnahm.
Institutionen rücken an die Stelle der OG-Verkäufer
John Darsie ordnet diesen Halterwechsel als Teil eines Reifungsprozesses ein. Der CEO von SALT ist zugleich Partner bei SkyBridge Capital und sieht den Markt aus der Vermittlerperspektive. Nach seiner Darstellung trennen sich langjährige Halter und Libertäre von Teilen ihrer Bestände. Libertäre halten Bitcoin vor allem als Gegenentwurf zum staatlichen Geldsystem. Institutionen, Finanzberater und Family Offices nehmen Bitcoin dagegen zunehmend in ihre Anlagemischung auf. Family Offices verwalten das Vermögen einzelner Familien über mehrere Anlageklassen hinweg. Dadurch verschiebt sich, wer den Kurs künftig bewegt.
Diese Verschiebung hat laut Darsie zu einer tieferen Volatilität beigetragen. Der Halterkreis wächst und verliert dabei an ideologischer Prägung. Darsie hält die Entwicklung für gesund, sofern sich Bitcoin weiter als Wertspeicher etabliert. Als Wertspeicher gilt ein Vermögenswert, der Kaufkraft über lange Zeiträume erhält. Für institutionelle Anleger verschiebt sich damit auch die Frage nach der Gegenpartei. Angebot wandert von Überzeugungstätern zu Käufern mit Anlagerichtlinien und Mandat.
Am Symposium in Jackson Hole zeigte sich der neue Käuferkreis in konkreter Form. Darsie zufolge reisten Staatsfonds aus Singapur und dem Nahen Osten an. Ebenfalls vertreten waren Pensionskassen, Stiftungen und Family Offices. Diese Allokatoren wollen Kapital in Bitcoin, liquide Krypto-Assets und Venture-Investments einsetzen. Ihr Interesse deckt damit die gesamte Bandbreite des Sektors ab.
Nach dem Halving 2028 erwartet Scaramucci Bitcoin über 100'000 USD
Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen beschreibt Scaramucci als aussergewöhnlich ruhig. In einem CNBC-Interview verwies er auf neun Wochen mit der engsten Volatilitätsspanne seit fünf Jahren. Seitdem der Iran-Krieg im Februar 2026 begann, bewegte sich der Kurs kaum. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung notierte Bitcoin bei rund 65'000 USD. Kurz zuvor hatte ein Short-Squeeze Short-Positionen im Volumen von 179 Millionen USD liquidiert. Bei einem Short-Squeeze müssen Leerverkäufer ihre Positionen zurückkaufen, was den Kurs zusätzlich treibt.
Für die kommenden Monate erwartet Scaramucci weiterhin eine Seitwärtsbewegung. Den nächsten grossen Katalysator sieht er erst rund 20 Monate entfernt. Gemeint ist das Halving 2028, bei dem sich die Blockbelohnung für Miner erneut halbiert. Von diesem Zyklus erwartet er die Rückkehr über 100'000 USD. Ein kurzfristiger Ausbruch nach oben braucht daher einen neuen Anstoss. Trotz der schwachen ersten Jahreshälfte bleibt seine Grundhaltung positiv.
Diese Einschätzung teilt der Markt nicht geschlossen. Gemäss Forbes erwarten einzelne Analysten einen weiteren Rückgang auf 57'000 bis 58'500 USD. In der Woche vor dem Symposium flossen zudem aus US-Spot-Bitcoin-ETFs netto rund 390 Millionen USD ab. Diese Fonds halten Bitcoin direkt und bilden den Kurs eins zu eins ab. Solche Abflüsse zeigen, dass der institutionelle Kanal in beide Richtungen funktioniert. Entsprechend bleibt die Spannbreite der Erwartungen gross.
Frühere Prognosen und eigene Positionierung
Seine Einschätzungen sollten Anleger allerdings einordnen können. Im April 2024 nannte Scaramucci 170'000 USD als Bitcoin-Ziel für den damaligen Zyklus. Begründet hatte er das mit dem Halving und den neu zugelassenen Spot-ETFs. Der Zyklus erreichte seinen Höchststand dann im Oktober 2025 bei 126'198 USD. Sein Ziel verfehlte er damit um rund ein Viertel. Auffällig ist dabei die Parallele zur heutigen Aussage. Auch seine Erwartung für 2028 stützt sich auf die Halving-Mechanik.
Hinzu kommt die eigene Positionierung. SkyBridges Flaggschiff-Fonds hielt zuletzt 64% seines Vermögens in digitalen Assets. Gemäss Bloomberg verlor er 18% im vierten Quartal 2025 und weitere 12.9% im ersten Quartal 2026. Sein Volumen lag zuletzt bei rund 1.3 Milliarden USD. Auf dem Höhepunkt verwaltete SkyBridge 2015 dagegen etwa 9 Milliarden USD. Scaramuccis Marktaussagen betreffen damit direkt das eigene Buch.
Anleger versuchen zudem, aus dem Fonds herauszukommen. Bei einem Rückkaufangebot reichten sie rund 792'000 Anteile ein. Zurückgekauft wurden davon nur etwa 64'000, also 8.1%. Bereits 2022 hatte SkyBridge 30% der eigenen Anteile an FTX Ventures verkauft. Wenige Wochen später meldete die Kryptobörse Insolvenz an. Scaramucci hatte deren Gründer zuvor öffentlich unterstützt und holte den Anteil später zurück.
KI und Blockchain als Scaramuccis nächste Wette
Über den Bitcoin-Kurs hinaus setzt Scaramucci auf eine Konvergenz von KI und Blockchain. Er erwartet, dass KI-Agenten künftige Transaktionen höchstwahrscheinlich über Blockchains abwickeln. Solche Agenten handeln im Auftrag von Nutzern und lösen Zahlungen selbständig aus. Ein Agent könnte damit Rechenleistung, Daten oder Dienste eigenständig bezahlen. Sie benötigen deshalb Zahlungswege, die ohne manuelle Freigabe funktionieren. Genau dort sieht der SkyBridge-Gründer den Berührungspunkt beider Technologien.
Darsie verweist auf eine Entwicklung, die bereits läuft. Bitcoin-Miner verlagern einen Teil ihrer Kapazität in KI-Rechenleistung. Beide Anwendungen konkurrieren um dieselbe Rechen- und Energieinfrastruktur. Ferner nennt er Energie, KI, Robotik, Fintech und digitale Assets als grosse Themen des kommenden Jahrzehnts. Damit beschreibt die Liste zugleich das Suchraster der Allokatoren, die nach Jackson Hole gereist sind.
Die Kapitalgeber am Symposium suchten nicht nur Bitcoin-Engagements. Venture-Investments standen ebenso auf ihrer Liste wie liquide Krypto-Assets. Scaramuccis These trifft damit auf ein Publikum, das solche Infrastruktur-Wetten ohnehin prüft. Einen Zeitplan für die Konvergenz von KI und Blockchain nennt er allerdings nicht.








