Harvard hat seine Bitcoin-ETF-Position im zweiten Quartal 2026 nicht angetastet. Nach zwei Verkaufsquartalen hielt die Universitätsstiftung Ende Juni weiterhin 3'044'612 Anteile am BlackRock-Fonds IBIT im Wert von 101.4 Mio. USD.
Die Harvard Management Company verwaltet das Stiftungsvermögen der Universität von rund 57 Mrd. USD. Als institutioneller Vermögensverwalter mit mehr als 100 Mio. USD Eigenkapital muss sie der SEC vierteljährlich ihre Bestände offenlegen. Dazu zählen US-notierte Aktien und Optionen. Diese 13F-Meldungen zeigen allerdings nur Long-Positionen zum Stichtag, keine Leerverkäufe. IBIT, der iShares Bitcoin Trust von BlackRock, ist der grösste Spot-Bitcoin-ETF am Markt. Harvard baute die Position zunächst bis Ende September 2025 auf einen Höchststand von 6.81 Mio. Anteilen aus. Danach kürzte die Stiftung in zwei Schritten auf 3.04 Mio. Anteile. Gleichzeitig eröffnete sie eine Position im BlackRock-Ether-ETF über 86.8 Mio. USD. Mitte August gingen die Meldungen für das zweite Quartal bei der SEC ein. Die jüngste Meldung zeigt keine weitere Kürzung bei IBIT, dafür den vollständigen Verkauf der Ether-Position.
Harvard stoppt den Verkauf der Bitcoin-ETF-Anteile
Die Stückzahl zum Stichtag entspricht exakt jener von Ende März. Verkauft hat die Stiftung im Quartal also nichts. Der Wert der Position sank dennoch um 15.6 Mio. USD, ausschliesslich wegen des IBIT-Kursrückgangs. Ein Verkauf hätte sich in der Stückzahl niedergeschlagen, nicht allein im Marktwert. Damit unterscheidet sich das zweite Quartal von den beiden Berichtsperioden zuvor, in denen der Rückgang aus tatsächlichen Verkäufen stammte.
Ursprünglich hielt Harvard Ende September 2025 6'813'612 IBIT-Anteile, damals rund 443 Mio. USD wert. Drei Monate später, Ende Dezember, lag der Bestand bei 5'353'612 Anteilen. Im ersten Quartal 2026 folgte schliesslich die grössere Kürzung auf 3'044'612 Anteile, ein Minus von 43%. Insgesamt trennte sich die Stiftung damit binnen zwei Quartalen von 55% ihrer Anteile. Beide Verkaufsquartale fielen in die Phase nach dem Bitcoin-Hoch vom Oktober 2025. Erstmals seit dem Höchststand vom September 2025 blieb der Bestand nun über ein volles Quartal konstant.
Auf der Ethereum-Seite fiel die Entscheidung anders aus. Die erst im Vorquartal aufgebaute Position im BlackRock-Spot-Ether-ETF über 86.8 Mio. USD taucht in der neuen Meldung nicht mehr auf. Harvard hat sie vollständig aufgelöst und keine neue Ethereum-Position eröffnet. Das Ether-Engagement blieb somit auf ein einziges Quartal beschränkt.
Bitcoin bleibt bei Harvard eine Nebenposition
Gemessen am offengelegten Portfolio bleibt der Bitcoin-ETF klein. Der Fonds rangiert nur auf Platz 11 von 19 Beteiligungen und steht für 2.4% des 4.26 Mrd. USD schweren 13F-Portfolios. Deutlich mehr Kapital liegt in Gold. Auf den iShares Gold Trust entfallen 149.5 Mio. USD, auf den SPDR Gold Trust weitere 21.7 Mio. USD. Zusammen sind das 171.2 Mio. USD und somit rund 70% mehr als der Bitcoin-ETF-Bestand.
Die Meldung zeigt zudem nur einen Ausschnitt des Vermögens. Sie erfasst ausschliesslich direkt gehaltene US-notierte Wertpapiere. Der Grossteil der rund 57 Mrd. USD steckt hingegen in privaten Fonds ohne Offenlegungspflicht. Rückschlüsse auf die gesamte Krypto-Allokation der Universität lässt das 13F-Formular daher nicht zu.
Grösste offengelegte Position bleibt Space Exploration Technologies. Harvard hält 12'935'100 SpaceX-Aktien im Wert von 2.21 Mrd. USD, 52% des gesamten 13F-Portfolios. Seit Juni notiert das Raumfahrtunternehmen an der Nasdaq. In seiner Registrierung wies das Unternehmen ebenfalls eigene Bestände von 18'712 BTC aus. Damit ist die Stiftung mittelbar an weiteren Bitcoin-Beständen beteiligt, die in keiner ETF-Zeile ihres Portfolios auftauchen.
Institutionelle Anleger bewegen sich in unterschiedliche Richtungen
Andere Häuser waren im zweiten Quartal aktiver. Morgan Stanley reduzierte den IBIT-Bestand von 17.3 Mio. auf 16.5 Mio. Anteile, ein Minus von 4.5% bei den Stücken. Der Wert der Position fiel jedoch deutlich stärker, um 17.3% auf 548.6 Mio. USD. Ausserdem hält die Bank 2.57 Mio. Anteile am eigenen Morgan Stanley Bitcoin Trust. Dieser Fonds nahm im April den Handel auf, die Position ist 43.3 Mio. USD wert. Das IBIT-Engagement der Bank fällt damit vergleichsweise gross aus, es übersteigt Harvards Bestand um mehr als das Fünffache.
JPMorgan bewegte sich in die Gegenrichtung und erhöhte von 8.3 Mio. auf 10.4 Mio. IBIT-Anteile. Ferner hat das Institut den Bestand am BlackRock-Ether-ETF mehr als vervierfacht, auf rund 14.3 Mio. USD. Auch Tudor Investment Corporation von Paul Tudor Jones kaufte zu und meldet nun 688'529 Anteile über 22.9 Mio. USD. Der Zuwachs im Quartal beträgt 109'446 Anteile. Dieselbe Meldung listet allerdings Put-Optionen auf IBIT mit einem Basiswert von 23.8 Mio. USD. Auffällig ist, dass diese Absicherung die direkte Aktienposition übersteigt. Hinzu kommen Call-Optionen über 4.93 Mio. USD.
Bei den Staatsfonds aus Abu Dhabi änderte sich hingegen nichts. Mubadala Investment Company hielt unverändert 14'721'917 Anteile im Wert von 490.1 Mio. USD, die zweitgrösste Position des Portfolios. Der Abu Dhabi Investment Council meldete ebenfalls unveränderte 8'218'712 Anteile über 273.6 Mio. USD. Insgesamt kommen beide auf rund 764 Mio. USD, etwa 118 Mio. USD weniger als Ende März bei identischer Stückzahl. Zuvor hatte Mubadala seit der erstmaligen Offenlegung Ende 2024 in drei von sechs Quartalen zugekauft. Dartmouth College liess seine drei Krypto-ETF-Positionen ebenso unangetastet. Deren kombinierter Wert sank von 14.6 Mio. auf 12.4 Mio. USD.
Die Zahl der IBIT-Halter wächst trotz Kursrückgang
Der Preisverfall prägt die gesamte 13F-Saison. Bitcoin notiert Mitte August 2026 bei rund 63'000 USD, knapp 30% unter dem Stand zu Jahresbeginn. Vom Höchststand von über 126'000 USD im Oktober 2025 fehlt damit rund die Hälfte. IBIT verwaltete Mitte August dennoch rund 47.35 Mrd. USD Nettovermögen.
Die Zahl der institutionellen Halter wächst trotzdem weiter. Nach Angaben des Bloomberg-ETF-Analysten Eric Balchunas umfasst die 13F-Halterliste von IBIT inzwischen rund 1'500 Institutionen. Für Balchunas sind andere Halter die aussagekräftigeren Signale. Er nennt Tudor Jones, die VAE-Staatsfonds sowie Harvard, Dartmouth und den Pensionsfonds von Texas. Käufe grosser Handelshäuser wie JPMorgan oder Citadel bedeuten ihm wenig. 13F-Meldungen trennen nicht zwischen Eigenbestand und Kundenpositionen. Bei Grossbanken und Market Makern sagt eine IBIT-Zeile deshalb wenig über eigene Markterwartungen aus.








