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    Sie sind hier:Home » Fokus » Legal/Compliance » Kraken gewinnt 22 Mio. Operation Choke Point 2.0-Verfahren
    Kraken öffnet über eine zyprische MiFID-II-Lizenz den US-Aktienhandel für EWR-Kunden, die Schweiz bleibt als Nicht-EWR-Staat aussen vor.

    Kraken gewinnt 22 Mio. Operation Choke Point 2.0-Verfahren

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    von Redaktion cvj.ch am 8. Juli 2026 Legal/Compliance

    Ein Schiedsgericht hat Payward, der Muttergesellschaft der Krypto-Börse Kraken, im Schiedsverfahren gegen Mazars USA 22 Mio. USD Schadenersatz zugesprochen. Auslöser war der Rückzug der Prüfungsgesellschaft aus einem fast abgeschlossenen Audit während der sogenannten Operation Choke Point 2.0.

    Payward betreibt die Krypto-Börse Kraken, eine der grössten Handelsplattformen für digitale Vermögenswerte. Mazars USA wiederum zählte zu den etablierten Prüfungsgesellschaften, die Krypto-Unternehmen auditieren. Von diesem Audit hängen Bankbeziehungen, Lizenzen und Investorenvertrauen unmittelbar ab. Zuvor hatte die Prüfungsgesellschaft Kraken drei Jahre lang geprüft und zwei uneingeschränkte Bestätigungsvermerke ausgestellt. Im Dezember 2023 zog sie sich dann aus dem nahezu fertigen Audit für das Geschäftsjahr 2022 zurück. Als Begründung nannte Mazars die Unsicherheit durch laufende Rechtsverfahren, darunter die im November 2023 eingereichte SEC-Klage. Schriftlich bestätigte die Firma jedoch, es habe keine Meinungsverschiedenheiten, keine Integritätsbedenken und keine Betrugshinweise gegeben. Der Schiedsspruch beziffert den Schaden nun auf 22 Mio. USD. Ein erheblicher Teil davon steht im Zusammenhang mit Krakens Übernahme von TradeStation Crypto. Um den Anspruch durchsetzbar zu machen, beantragte Payward beim Delaware Court of Chancery ein rechtskräftiges Urteil.

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    Warum Mazars den Kraken-Audit kurz vor Abschluss abbrach

    Über drei Jahre hinweg prüfte Mazars USA die Finanzzahlen von Kraken. Zweimal erteilte die Firma ein uneingeschränktes Prüfurteil, die sogenannte Clean Opinion. Der Audit für das Geschäftsjahr 2022 stand kurz vor dem Abschluss, als sich die Prüfungsgesellschaft im Dezember 2023 zurückzog. Fachliche Beanstandungen gab es dabei keine. Schriftlich hielt die Firma vielmehr fest, es bestünden weder Meinungsverschiedenheiten mit dem Management noch Zweifel an Krakens Integrität. Hinweise auf Betrug fand sie ebenfalls nicht.

    Als Grund nannte Mazars dennoch die Unsicherheit aus laufenden Rechtsverfahren, allen voran die im November 2023 eingereichte SEC-Klage gegen Kraken. Der Rückzug fügte sich in ein breiteres Muster. Schliesslich hatte die Mazars-Gruppe bereits im Dezember 2022 sämtliche Proof-of-Reserves-Prüfungen für die Krypto-Branche eingestellt. Die zugehörigen Berichte verschwanden von ihrer Webseite. Ein Prüferwechsel ohne fachlichen Befund trifft eine Börse zudem an einer empfindlichen Stelle. Ohne auditierten Abschluss geraten Bankbeziehungen und Lizenzen unter Druck.

    Payward-Co-CEO Arjun Sethi ordnete den Vorgang in einem Blogbeitrag scharf ein und beschrieb den Audit als existenzielle Infrastruktur.

    „Ein Audit ist kein Gefallen. Es ist Sauerstoff. […] Wenn der eigene Prüfer ohne jeden Befund kündigt, erbt man eine Wolke, die man selbst nicht verursacht hat, und bezahlt dafür, einen Namen reinzuwaschen, der nie schmutzig war." - Arjun Sethi, Co-CEO Payward

    Der Schiedsspruch und die Vollstreckung in Delaware

    Der Schiedsrichter sprach Payward insgesamt 22 Mio. USD Schadenersatz zu. Rund 12.5 Mio. USD davon entfielen laut Berichten auf Komplikationen bei der Übernahme von TradeStation Crypto. Diese gestaltete sich in der Phase ohne gültiges Testat schwieriger. Der Betrag ist für ein Unternehmen von Krakens Grösse finanziell verkraftbar, symbolisch wiegt er jedoch schwerer. Erstmals beziffert ein unabhängiger Schiedsrichter den Schaden, den der Rückzug eines Prüfers während der Regulierungskampagne verursacht hat.

    Ein Schiedsverfahren entscheidet Streitigkeiten ausserhalb der ordentlichen Gerichte, meist vertraulich und mit eng begrenzten Rechtsmitteln. Payward reichte daher am 7. Juli 2026 beim Delaware Court of Chancery ein Gesuch um ein rechtskräftiges Urteil ein. Erst mit einem solchen Urteil lässt sich der Anspruch somit vollstrecken, falls die Gegenseite nicht freiwillig zahlt.

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    Die Bankenkampagne hinter dem Rückzug

    Der Begriff Operation Choke Point 2.0 stammt vom Krypto-Investor Nic Carter. Er bezeichnet eine informelle Kampagne der Biden-Administration, die Banken nach dem FTX-Kollaps von Geschäften mit Krypto-Firmen abhalten sollte. Das Konzept lehnt sich an die gleichnamige Initiative der Obama-Ära an. Diese richtete sich ursprünglich gegen Waffenhändler und andere unerwünschte Branchen. Dokumentiert ist eine Reihe konkreter Massnahmen. Zunächst veröffentlichten Fed, FDIC und OCC am 3. Januar 2023 ein gemeinsames Schreiben zu den Risiken von Krypto-Bankgeschäften. Später verschickte die FDIC nach Angaben von Payward mindestens 25 Schreiben an 24 Banken. Diese sollten Krypto-bezogene Aktivitäten pausieren oder nicht ausweiten.

    Im März 2023 verschwanden innerhalb weniger Tage die beiden zentralen Krypto-Zahlungsnetzwerke des Bankensektors: Silvergates SEN und Signature Banks Signet. Beide Banken kollabierten schliesslich im selben Monat. Ein Gericht wies die SEC-Klage gegen Kraken im März 2025 endgültig ab, ohne Bussgeld und ohne Schuldeingeständnis. Genau diese Klage hatte Mazars als Grund für den Rückzug angeführt. Die Trump-Administration hat die Massnahmen hingegen weitgehend zurückgerollt und untersucht mutmassliche Fälle von unrechtmässigem Debanking.

    Payward führt in seiner Darstellung die FBI-Hausdurchsuchung bei Mitgründer Jesse Powell als Beispiel für Reputationsschäden an. Unabhängige Berichterstattung ordnet diesen Fall allerdings anders ein. Die Durchsuchung galt einem Cyberstalking-Vorwurf rund um eine von Powell mitgegründete Kunst-Non-Profit-Organisation. Mit dem Kraken-Geschäft stand sie nach Angaben seiner Anwälte nicht im Zusammenhang. Die Ermittlungen stellte die Behörde 2025 schliesslich ohne Anklage ein und gab die beschlagnahmten Geräte zurück.

    Kraken nutzt den Fall für den CLARITY Act

    Kraken verknüpft den Schiedsspruch offensiv mit dem laufenden Gesetzgebungsprozess. Der CLARITY Act, offiziell Digital Asset Market Clarity Act, soll die Zuständigkeiten von SEC und CFTC klar abgrenzen. Das Repräsentantenhaus verabschiedete die Vorlage zunächst im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen. Der Senate Banking Committee billigte sie später im Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen. Seit Juni 2026 steht sie unter Calendar No. 423 auf der Senatsagenda.

    Eine Abstimmung blockieren bislang drei Streitpunkte: Ethik- und Insiderhandels-Bestimmungen, Bedenken von Strafverfolgungsbehörden zu Section 604 sowie eine Kontroverse über Stablecoin-Zinserträge. Der Senat kehrt Mitte Juli 2026 aus der Sommerpause zurück. Beobachter werten dies daher als letztes realistisches Zeitfenster vor der August-Pause. Gleichzeitig rückt für Kraken ein möglicher Börsengang näher. Das Unternehmen reichte im November 2025 vertraulich einen Entwurf des Formulars S-1 bei der SEC ein. Einen Börsengang erwarten Beobachter wegen der schwächeren Marktbedingungen letztlich frühestens 2027.

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    Die Redaktion des Crypto Valley Journal berichtet seit 2018 aus Zug, dem Sitz des Schweizer Crypto Valley, über Bitcoin, Krypto, Blockchain und die regulatorische Entwicklung digitaler Vermögenswerte. Hinter der kollektiven Redaktionsstimme steht ein Team aus Autoren mit Hintergrund in Finanzmarkt, Recht und Technologie.

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