Die US-Bundesanwaltschaft in Atlanta hat die Anklage gegen Edward Zimbardi wenige Tage nach seiner Abschiebung aus Fiji öffentlich gemacht. Nach Darstellung der Ermittler brachte der 59-Jährige mehr als 6'000 Investoren um 165 Mio. USD.
Ursprünglich trat „The Crypto Program" nach aussen als Vertriebssystem für Online-Werbepakete auf. Wer 550 USD einzahlte, sollte damit Werbeflächen erwerben und dafür monatlich 25 Prozent Rendite kassieren. Eine garantierte Fixrendite in dieser Höhe gilt allerdings als klassisches Warnsignal für ein Schneeballsystem. Kein reales Geschäft erwirtschaftet sie dauerhaft. Zimbardi, wohnhaft im Ort Flowery Branch im US-Bundesstaat Georgia, betrieb das Programm zwischen Juni 2022 und August 2023. Werbeflächen kaufte er jedoch kaum. Stattdessen setzte der Betreiber die Einlagen an den Devisenmärkten ein und verlor dort zweistellige Millionenbeträge. Mindestens 10 Mio. USD gab er zudem für private Zwecke aus. Frühere Anleger bediente er aus dem Geld neuer Kunden.
Zimbardis Werbepaket-Schema versprach monatlich 25% Rendite
Formal verkaufte „The Crypto Program" keine Kryptowährungen, sondern Werbeplätze im Internet. Anleger zahlten ab 550 USD ein und erhielten dafür angeblich Anteile an Werbepaketen mit monatlicher Ausschüttung. Der Einstieg lag vergleichsweise niedrig und sprach damit Kleinanleger an. Diese Konstruktion ist bei Anlagebetrug im Krypto-Umfeld ein wiederkehrendes Muster. Wer sein Produkt als Werbe- oder Konsumleistung deklariert, hält es formal ausserhalb der Wertpapierregulierung. Prospekt- und Registrierungspflichten entfallen damit. Faktisch handelte es sich dennoch um ein reines Renditeversprechen.
Letztlich hielt die zugesagte Rendite keiner Prüfung stand. Zunächst entsprechen 25 Prozent pro Monat ohne Wiederanlage 300 Prozent im Jahr. Wer die Auszahlungen laufend reinvestiert hätte, käme rechnerisch sogar auf mehr als 1'300 Prozent. Kein Werbegeschäft erwirtschaftet solche Margen, und zwar unabhängig von der Marktlage. Strafverfolger und Aufsichtsbehörden stufen garantierte Fixrenditen daher seit Jahren als eines der deutlichsten Warnsignale ein. Zimbardi bewarb die 25 Prozent trotzdem als feste Grösse.
Die Anklageschrift verfolgt den Weg des Geldes. Statt Werbeflächen zu kaufen, spekulierte Zimbardi mit den Einlagen auf Währungskurse. Mehr als 34 Mio. USD soll er dort verloren haben. Weitere mindestens 10 Mio. USD verwendete er ausserdem für private Zwecke, darunter ein Haus für einen seiner Söhne sowie Unterhaltszahlungen. Ältere Investoren zahlte das Programm gleichzeitig aus den Einlagen neuer Kunden aus. Genau diese Mechanik macht ein System zum Ponzi-Schema. Rund 14 Monate lief die Konstruktion, ehe sie im August 2023 endete.
Flucht nach Fiji endet mit Abschiebung nach Los Angeles
Im Juli 2025 setzte sich Zimbardi nach Fiji ab. Zuvor hatte er erfahren, dass das FBI gegen ihn ermittelte. Das mutmassliche Schema lag zu diesem Zeitpunkt bereits knapp zwei Jahre zurück. Insgesamt über ein Jahr hielt er sich im Südpazifik auf, ausserhalb der unmittelbaren Reichweite amerikanischer Strafverfolger. Der Aufenthalt kostete ihn allerdings mehr als nur Bewegungsfreiheit. Im Mai 2026 blieb er der Hochzeit eines seiner Söhne in Virginia fern, weil er dort eine Festnahme befürchtete.
Am 14. August 2026 schoben die fidschianischen Behörden Zimbardi schliesslich aus. US-Ermittler reisten dafür eigens in den Inselstaat und begleiteten ihn auf dem Rückflug, der in Los Angeles endete. Die Ausweisung hatten die Inselbehörden zuvor mit dem FBI und dem US-Aussenministerium abgestimmt. Drei Tage später sollte der Beschuldigte erstmals vor einem Bundesgericht erscheinen.
Zuständig für das Verfahren ist die Bundesanwaltschaft für den Northern District of Georgia mit Sitz in Atlanta. Dort trat US-Staatsanwalt Theodore Hertzberg vor die Presse und stellte die Anklage vor. Die internationale Dimension des Falls hob er dabei hervor. Zimbardi habe Opfer auf der ganzen Welt gehabt.
Zwölf Anklagepunkte wegen Drahtbetrugs und Geldwäsche
Die Grand Jury in Atlanta hatte die Anklage bereits am 8. Juli 2026 erhoben, gut fünf Wochen vor der Abschiebung. Die Anklageschrift stammt folglich aus der Zeit, in der sich Zimbardi noch in Fiji aufhielt. Insgesamt umfasst sie 25 Punkte. Zwölf davon entfallen auf Drahtbetrug, zwölf auf Geldwäsche und einer auf die Verschwörung zur Geldwäsche. Drahtbetrug greift im US-Recht, sobald Täter ihre Täuschung elektronisch abwickeln. Bei online vertriebenen Anlageprodukten trifft das praktisch immer zu.
Die Geldwäsche-Vorwürfe zielen hingegen auf den Weg der Gelder nach der Einzahlung. Wer Erlöse aus einer Betrugstat über weitere Konten und Vehikel verschiebt, erfüllt nach US-Recht einen eigenständigen Straftatbestand. Deshalb stehen Betrug und Geldwäsche in solchen Verfahren regelmässig nebeneinander. Die Anklagepunkte addieren sich folglich, statt einander zu ersetzen.
Ermittelt hat federführend das Atlanta Field Office des FBI. Zudem wirkten die Börsenaufsicht SEC und die Terminmarktaufsicht CFTC mit. Ferner beteiligte sich das Georgia Secretary of State's Office, das im Bundesstaat die Wertpapieraufsicht wahrnimmt. Die Bandbreite der beteiligten Stellen zeigt, dass die Behörden den Fall nicht als lokales Delikt einordneten. Ein Pflichtverteidiger vertritt Zimbardi vorerst in Los Angeles. Auf eine Bitte um Stellungnahme reagierte er zunächst nicht.
Ermittler sehen Muster bekannter Krypto-Ponzi-Konstruktionen
Auffällig ist an dem Fall weniger das einzelne Grossinvestment als die schiere Masse der Anleger. Über 6'000 Geschädigte und ein Schaden von mehr als 165 Mio. USD bedeuten rechnerisch gut 27'000 USD pro Anleger. Der Einstieg kostete jedoch nur 550 USD. Diese Spanne zeigt somit die Hebelwirkung kleiner Einzeleinlagen, sobald ein System über Monate läuft und viele Konten erreicht.
Das Grundmuster ist den Ermittlern vertraut. Programme mit fester, hoher Monatsrendite stehen bei FBI, SEC und CFTC seit Jahren unter verschärfter Beobachtung. Die Verpackung wechselt von Fall zu Fall, das Renditeversprechen bleibt hingegen konstant. Hertzberg beschrieb bei der Vorstellung der Anklage, warum solche Angebote selbst bei bereits geschädigten Anlegern verfangen.
"Wenn Ihnen jemand monatlich 25% Rendite verspricht und dabei Reue dafür zeigt, Ihr Geld in der Vergangenheit 'versehentlich' verloren zu haben, könnten Sie bereit sein, darauf einzugehen - weil Sie verzweifelt genug sind, Ihr Geld zurückzubekommen." - Theodore Hertzberg, US-Staatsanwalt für den Northern District of Georgia
Ebenso wiederkehrend ist der Verlauf am Ende solcher Verfahren. Beschuldigte in Krypto-Betrugsfällen weichen wiederholt in Staaten mit eingeschränkten Auslieferungsabkommen aus. Über Abschiebungen und die Kooperation lokaler Behörden gelingt der Zugriff trotzdem meist. Das Warnsignal bleibt für Anleger weiterhin die Zusage selbst. Eine garantierte Monatsrendite von 25 Prozent gibt es in regulierten Märkten nicht.








