Coinbase hat bei der US-Börsenaufsicht SEC die Zulassung für Aktien-Perpetuals beantragt, die rund um die Uhr handelbar wären. Vor einem Start in den USA braucht die Börse jedoch zusätzlich die Zustimmung der Terminmarktaufsicht CFTC.
Aktien-Perpetuals sind Terminkontrakte ohne Verfallsdatum. Trader wetten damit auf die Kursbewegung einer Aktie, ohne das Papier zu besitzen. Ein Rollover der Position entfällt ebenfalls. Solche Kontrakte laufen rund um die Uhr, nicht nur während der regulären Börsenzeiten. Der Handel wäre damit auch an Wochenenden möglich. Coinbase reichte das sogenannte notice registration form Ende August bei der Behörde ein. Chief Policy Officer Faryar Shirzad bestätigte den Schritt Anfang September auf X. Das Produkt führt die Börse ausserdem bereits seit März 2026, allerdings ausschliesslich für Nutzer ausserhalb der USA. Als Basiswerte dienen dort Apple, Microsoft, NVIDIA und Amazon.
Der doppelte Zulassungsweg über SEC und CFTC
Das eingereichte Dokument ist ein notice registration form, mit dem die Börse die Aufsicht über das Listing in Kenntnis setzt. Die SEC prüft dabei das Wertpapier-Element, die CFTC das Termingeschäft. Welche Formularnummer und welcher Regelungsrahmen dahinterstehen, hat das Unternehmen bislang nicht offengelegt. Shirzad machte die Einreichung Anfang September öffentlich, zuvor war sie bei der SEC eingegangen. Für einen Handelsstart genügt die Zustimmung der Wertpapieraufsicht jedoch nicht.
Perpetuals sind Derivate, und für den US-Terminmarkt ist die Commodity Futures Trading Commission zuständig. Coinbase braucht daher nach einer SEC-Freigabe zusätzlich grünes Licht der CFTC, bevor US-Kunden die Kontrakte handeln dürfen. Der Zeitplan hängt somit an zwei voneinander unabhängigen Verfahren. Einen Termin hat das Unternehmen für keines der beiden genannt. Die Zuständigkeit der Wertpapieraufsicht ergibt sich daraus, dass Einzelaktien als Wertpapiere gelten. Ein Derivat auf einen einzelnen Titel folgt folglich demselben Regime. Eine CFTC-Freigabe hält Coinbase für Krypto-Perpetuals bereits seit Mai 2026. Aktien als Basiswert deckt diese Genehmigung nicht ab. Ohne beide Genehmigungen darf Coinbase das Produkt US-Kunden nicht anbieten. Zudem verwies Shirzad bei der Ankündigung auf die Nachfrage ausserhalb der USA, die das Unternehmen seit dem Frühjahr selbst bedient.
"Equity Perps haben international nachweislich Nachfrage, und wir freuen uns auf die Aussicht eines regulierten Zugangswegs für US-Investoren." - Faryar Shirzad, Chief Policy Officer, Coinbase
Aktien-Perpetuals laufen seit März ausserhalb der USA
Der Antrag ist keine Produktneuheit, sondern die Ausweitung eines laufenden Geschäfts auf den Heimatmarkt. Seit März 2026 bietet die Börse Perpetual Futures auf einzelne Aktien an, zunächst allerdings nur für Nutzer ausserhalb der USA. Vier Basiswerte stehen dort zur Verfügung: Apple, Microsoft, NVIDIA und Amazon. Alle vier Titel stammen aus dem US-Technologiesektor. Insgesamt existiert die technische und operative Infrastruktur bereits. Offen ist im Wesentlichen der regulatorische Zugang. Die Serie der Anträge fällt zudem in eine Phase, in der die CFTC dem 24/7-Handel offener gegenübersteht.
Diesen Zugang bereitete die Aufsicht schrittweise vor. Im Mai 2026 genehmigte die CFTC auf Ebene ihres Stabs erstmals Bitcoin-Perpetual-Futures für den US-Markt. Freigaben erhielten gleichzeitig Coinbase und die Terminbörse KalshiEX. Zuvor hatte es in den USA keine Freigabe dieser Art gegeben. Damit liess die Aufsicht das Format der unbefristeten Terminkontrakte erstmals onshore zu, wenngleich nur für Krypto-Basiswerte.
Einen Monat später weitete die Behörde den Rahmen aus. Im Juni 2026 veröffentlichte sie ein Request for Comment zu Perpetuals auf Rohöl sowie zum 24/7-Handel generell. Damit stand nicht nur ein einzelnes Produkt zur Diskussion, sondern die Handelszeiten des gesamten regulierten Terminmarkts. Aktien-Perpetuals von Coinbase reihen sich folglich in diese Öffnung ein. Innerhalb von vier Monaten verschob sich damit der Rahmen von Krypto-Basiswerten über Rohstoffe bis zu Einzelaktien.
Kalshi geht denselben Weg über die Indexroute
Coinbase konkurriert dabei nicht allein um die neue Produktkategorie. Kalshi reichte am 18. August 2026 bei der CFTC einen Antrag für Perpetuals auf einen Aktienindex ein. Basiswert ist der MerQube U.S. Large Cap Index, ein Pendant zum S&P 500. Der Index bildet grosskapitalisierte US-Aktien ab. Ausserdem beantragte die Plattform Perpetuals auf Kupfer. Kupfer fällt als Rohstoff ebenfalls unter die Zuständigkeit der CFTC. Beide Kontrakte zielen auf klassische TradFi-Basiswerte statt auf Kryptowährungen.
Der entscheidende Unterschied liegt im Zulassungsweg. Kalshis Index-Antrag braucht keine SEC-Freigabe, weil breit diversifizierte Aktienkörbe regulatorisch der CFTC zugeordnet sind. Coinbase muss hingegen zuerst die Wertpapieraufsicht passieren. Kalshi durchläuft somit ein Verfahren, Coinbase zwei. Wirtschaftlich erfüllen beide Produkte letztlich dieselbe Funktion: eine Position auf US-Aktienrisiko, rund um die Uhr handelbar.
Beide Anbieter kommen aus derselben Richtung. Ursprünglich hatten Kalshi und Coinbase lediglich CFTC-Freigaben für Krypto-Perpetuals erhalten, bevor sie nun in Aktien, Indizes und Rohstoffe expandieren. Der Wettbewerb um 24/7-Derivate verschiebt sich damit von den Krypto-Basiswerten in das Kerngeschäft der etablierten Terminbörsen.
Hyperliquid dominiert den Markt ausserhalb der US-Regulierung
Der grösste Teil des globalen Perpetuals-Handels läuft traditionell ausserhalb der US-Regulierung. Dieses Volumen liegt vor allem bei crypto-nativen und dezentralen Plattformen, allen voran Hyperliquid. Hyperliquid ist eine dezentrale Handelsplattform für Perpetuals ohne zentralen Betreiber. Regulierte US-Plattformen konnten dieses Segment zunächst gar nicht bedienen, bis die CFTC im Mai 2026 die erste Freigabe erteilte. Um genau dieses Volumen spielen die regulierten US-Anbieter nun.
Die Politik adressiert diesen Weg offen. Präsident Donald Trump erklärte im August 2026 im Weissen Haus, CFTC-Chair Michael Selig arbeite an einer US-Ansiedlung von Hyperliquid. Diese solle vollständig regelkonform erfolgen. Gleichzeitig verhandelt Hyperliquid Labs Berichten zufolge mit Payward, der Muttergesellschaft von Kraken, über einen regulierten US-Markteintritt. Auch die Offshore-Seite bewegt sich also in Richtung einer US-Zulassung.
Für Coinbase entscheidet letztlich der Ausgang beider Verfahren über die Position in einem Markt, der sich gerade neu sortiert. Kommt die Freigabe, kann die Börse ein international erprobtes Produkt in den grössten Aktienmarkt der Welt tragen. Bleibt sie aus, bedienen andere Plattformen die Nachfrage weiterhin, entweder über die Indexroute oder von offshore aus. Über den Zeitpunkt entscheiden schliesslich zwei Aufsichtsbehörden, nicht das Unternehmen.








