Was hat sich diese Woche rund um Blockchain und Kryptowährungen getan? Die relevantesten lokalen und internationalen Geschehnisse sowie ansprechende Hintergrundberichte pointiert und kompakt im Wochenrückblick.
Selektierte Artikel der Woche:
Nach Monaten im Kryptowinter kommt wieder Leben in den Markt. Bitcoin legte auf Wochensicht rund 23 Prozent zu und notierte zwischenzeitlich bei 79’300 USD. Drei Auslöser wirkten dabei zusammen. Zum einen warb Trump vor Branchenvertretern im Weissen Haus für den Clarity Act, der Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC verteilen soll. Zum anderen verdoppelt das US-Finanzministerium seine Rückkäufe langlaufender Anleihen auf mindestens 4 Mrd. USD je Operation. Vor allem aber wirkte ein Short-Squeeze, denn über die Woche lösten sich gehebelte Positionen im Wert von über 5 Mrd. USD auf. Auch institutionelles Geld kehrte zurück. Spot-Bitcoin-ETFs sammelten rund 1 Mrd. USD ein, so viel wie zuletzt Mitte Januar. Altcoins zogen noch stärker an, XRP gewann auf Wochensicht 38 Prozent, Ethereum 29 Prozent. Vom Rekordhoch bei 126’080 USD trennen Bitcoin dennoch rund 39 Prozent. Bislang wirkt die Erholung deshalb mechanischer als eine Trendwende.
Bitcoin steigt über 75’000 Dollar, nachdem Trump den Clarity Act forderte und das Finanzministerium seine Anleihen-Rückkäufe verdoppelte.
Steht ein Onshoring von Hyperliquid bevor?
Am selben Gipfel kündigte Trump zudem an, die CFTC arbeite an einem regulierten US-Zugang für Hyperliquid. Die Börse handelt Perpetual Futures, also Kontrakte ohne Verfallsdatum, und arbeitet bisher offshore. Schätzungen zu ihrem Anteil am Handel solcher Kontrakte auf der Blockchain reichen von 38 bis über 70 Prozent. CFTC-Chef Michael Selig hatte bereits im April erklärt, solche Märkte ins Inland holen zu wollen. Der Weg dorthin führt über eine Registrierung als Terminbörse oder über den Status als ausländische Handelsplattform. Beides verlangt Kundenüberwachung und Meldepflichten. Widerstand kommt allerdings von der Börsengruppe ICE und der CME Group. Beide verlangen eine Registrierungspflicht und verweisen auf Risiken der Manipulation. Hyperliquid hält mit einem eigenen Politikbüro dagegen, das im Februar eine Spende von 1 Mio. HYPE erhielt, heute rund 74 Mio. USD. Der HYPE-Token stieg nach Trumps Aussage zweistellig an.
Die CFTC unter Chairman Michael Selig arbeitet laut Trump an einem regulierten Marktzugang für die Perp-DEX Hyperliquid in den USA.
SEC setzt Meilenstein in der Krypto-Regulierung
Nicht nur die CFTC ordnet ihr Feld neu. Die SEC stellte diese Woche „Regulation Crypto Assets“ vor, einen gestuften Rahmen für die Kapitalaufnahme von Krypto-Projekten. Wie viel ein Emittent offenlegen muss, richtet sich künftig nach der Höhe der Emission. Bis 5 Mio. USD greift eine Ausnahme für Startups, die vier Jahre lang von der Registrierung befreit. Bis 75 Mio. USD pro Jahr gilt eine zweite Stufe mit laufender Berichterstattung. Oberhalb dieser Grenze bleibt es jedoch beim regulären Verfahren. Wichtiger noch ist der bedingte Safe Harbor. Ein Token kann demnach aufhören, als Wertpapier zu gelten, sobald das Team seine Arbeit daran einstellt. Damit greift die Behörde die alte Streitfrage auf, ob Token dauerhaft dem Wertpapierrecht unterliegen. Zudem dürfen einzelne Bundesstaaten keine eigenen Pflichten mehr verlangen. Kommissarin Hester Peirce nannte den Entwurf einen Schritt auf einem langen Weg. Die Frist für Kommentare beginnt danach mit der Veröffentlichung im Federal Register.
Die neuen Krypto-Emissionsregeln der SEC befreien Angebote bis 5 Mio. USD vier Jahre von der Registrierungspflicht des Bundes.
MSCI will Strategy wieder aus Indizes werfen
Nicht nur Behörden entscheiden über den Zugang von Krypto-Assets zum Kapitalmarkt. Der Indexanbieter MSCI, dessen Indizes zahlreichen ETFs zugrunde liegen, prüft erneut einen Filter für nicht-operative Unternehmen. Eine Simulation mit Daten aus dem Mai zeigt, dass Strategy und Metaplanet danach aus dem ACWI IMI Index fielen. Für die Firmen wäre das teuer, denn gebundene Fonds müssten die Aktien verkaufen, unabhängig von der Marktlage. Strategy führt die Liste an, mit 23.9 Mrd. USD an frei handelbarem Börsenwert. Analysten von JPMorgan schätzten mögliche passive Abflüsse allein dort auf rund 2.8 Mrd. USD. Der Filter greift jedoch erst, wenn ein Unternehmen mindestens vier von fünf Kennzahlen reisst. Bestehende Mitglieder müssen zudem zwei Geschäftsjahre in Folge durchfallen. Strategy hält dagegen, ein Indexanbieter solle Märkte messen statt über erlaubte Vermögenswerte entscheiden. Rückmeldungen nimmt MSCI bis Ende September an, Ergebnisse folgen im Oktober.
Eine neue MSCI-Methodik für nicht-operative Firmen könnte den Ausschluss von Strategy und Metaplanet aus dem ACWI IMI auslösen.
Goldlobby schiesst gegen Bitcoin
Ausserdem: David Tait, Chef des World Gold Council, erwartet einen Fall von Bitcoin gegen null. Der Verband vertritt die Goldminen und wirbt bei Anlegern für Gold als Anlageklasse. Tait stützt sich dabei nicht auf ein Modell, sondern nennt es „pure trader instinct“. Sein Argument: Bitcoin habe als Absicherung versagt und verhalte sich wie ein Risikowert mit hohem Beta. In Stressphasen wie dem US-Iran-Konflikt legte Gold zu, während Bitcoin nachgab. Das Interview stammt zwar aus dem Mai, ging aber erst jetzt auf X viral. Bemerkenswert ist der Rest der Aussage. Tait empfiehlt trotzdem, beide Anlagen zu halten. Stablecoins nimmt er ausdrücklich aus und sieht Nutzen in Zahlungen und Abwicklung. Der Interessenkonflikt liegt dabei offen, denn sein Verband wirbt um genau jenes Kapital. Zudem plant der Rat selbst eine Plattform für tokenisiertes Gold, ein Testlauf soll Ende 2026 folgen.
Der Gold-Lobby-Chef David Tait erwartet für Bitcoin einen Kurs von null, während BlackRocks IBIT in 341 Tagen 70 Mrd. USD einsammelte.







