Ein Kurssprung von rund 9 Prozent binnen 24 Stunden hat Bitcoin über 75'000 Dollar getragen. Auslöser waren Donald Trumps Forderung nach einem US-Marktstrukturgesetz und die angekündigte Verdopplung der Anleihen-Rückkäufe des US-Finanzministeriums.
Der Clarity Act ist das zentrale US-Marktstrukturgesetz für digitale Vermögenswerte. Er soll klären, welche Kryptowerte als Wertpapiere gelten und welche als Waren. Gleichzeitig würde er die Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC verteilen und eine föderale Aufsichtsstruktur schaffen. Ursprünglich passierte der Entwurf bereits 2025 das Repräsentantenhaus. Im Senat liegt er seither fest. Mitte August empfing Trump deshalb die Chefs grosser Kryptofirmen und Börsenbetreiber im Weissen Haus. Bitcoin hatte seit dem Frühjahr zwischen 60'000 und 70'000 Dollar gependelt. Diese Woche brach der Kurs auf rund 76'400 Dollar aus. Zudem verdoppelt das Finanzministerium seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen auf mindestens 4 Mrd. USD pro Operation.
Trumps Krypto-Gipfel setzt den Clarity Act auf die Agenda
Am Treffen im Weissen Haus versammelte sich die Führungsriege der US-Kryptobranche. Coinbase-CEO Brian Armstrong sass ebenso am Tisch wie Kraken-Co-CEO Arjun Sethi, Ripple-CEO Brad Garlinghouse und Chainlink-Labs-CEO Sergey Nazarov. Ebenfalls geladen waren die Gemini-Mitgründer Cameron und Tyler Winklevoss. Aus der etablierten Börsenwelt kamen Nasdaq-CEO Adena Friedman und ICE-Chef Jeffrey Sprecher. Am Tisch sassen ausserdem SEC-Chef Paul Atkins und CFTC-Chef Mike Selig, deren Behörden das Gesetz mit neuen Zuständigkeiten ausstatten würde. Die Teilnehmerliste zeigt somit, wie eng Kryptobörsen und traditionelle Marktinfrastruktur inzwischen verzahnt sind.
Trump nutzte den Termin für öffentlichen Druck auf den Kongress. Der Präsident verknüpfte das Gesetz mit dem Wettbewerb gegen China und verlangte vom Senat eine rasche Abstimmung. Die Demokraten sperren sich jedoch gegen eine Abstimmung.
„Wir brauchen den Kongress, der den nächsten Schritt macht und den Clarity Act verabschiedet, eine faire Version des Clarity Act. Es ist eine sehr, sehr starke, gut strukturierte Gesetzgebung, die uns vor China und allen anderen die Nase vorn behalten lässt." - Donald Trump, US-Präsident
Die Märkte reagierten trotzdem unmittelbar. Am Tag vor dem Treffen notierte Bitcoin bei rund 68'000 Dollar. Später kletterte der Kurs auf 72'000 Dollar, in den folgenden Handelstagen dann über 75'000 Dollar. Auffällig ist, dass die Bewegung allein auf einer Absichtserklärung beruht. Beschlüsse fielen in Washington keine. Der Handel preist folglich eine Gesetzgebung ein, die noch nicht existiert.
Anleihen-Rückkäufe dämpfen die Zinssorgen
Der zweite Impuls kam nicht aus der Kryptopolitik, sondern aus dem Anleihenmarkt. Das US-Finanzministerium kündigte am selben Tag an, seine Rückkäufe längerlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Bei einem Rückkauf erwirbt der Staat eigene, bereits umlaufende Anleihen am Sekundärmarkt. Somit sinkt das ausstehende Volumen in den betroffenen Laufzeiten. Das stützt die Kurse. Künftig setzt das Ministerium mindestens 4 Mrd. USD pro Operation ein, zuvor waren es maximal 2 Mrd. USD. Der Zeitraum läuft vom 9. September bis zum 4. November.
Der Zeitpunkt kam nicht überraschend. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen hatte den höchsten Stand seit rund zwei Jahrzehnten erreicht. Vergleichbare Sätze gab es zuletzt vor der Finanzkrise. Dieser Markt gilt als Gradmesser für die langfristigen Inflations- und Verschuldungserwartungen. Steigende Langfristzinsen verteuern daher die Staatsfinanzierung und belasten zinssensitive Anlagen. Nach der Ankündigung gab die Rendite zunächst um rund 10 Basispunkte nach. Am Folgetag zog sie allerdings wieder an.
Für den Kryptomarkt zählt weniger die Zinsbewegung selbst als das Signal dahinter. Interveniert ein Finanzministerium am langen Ende der Zinskurve, lockert das die Finanzierungsbedingungen. Der Zusammenhang wirkt indirekt. Für institutionelle Anleger bleibt er jedoch relevant, weil sinkende Renditen sicherer Staatsanleihen die relative Attraktivität volatiler Anlagen erhöhen. Die Rückkäufe starten allerdings erst im September. Ihre Wirkung auf die Zinskurve steht folglich noch aus.
Institutionelles Geld bestätigt die Kursbewegung
Die Kursbewegung stützt sich nicht allein auf Terminmarkt-Spekulation. Am Tag des Weisse-Haus-Treffens flossen 517 Mio. USD in die US-Spot-ETFs auf Bitcoin, der grösste Tageswert seit Anfang Mai. BlackRocks IBIT steuerte davon 284.7 Mio. USD bei. Einen Tag später kamen weitere 606 Mio. USD hinzu. Insgesamt sammelten die Fonds in der Woche bis zum 20. August netto rund 1 Mrd. USD ein. Das war der stärkste Wochenzufluss seit Mitte Januar. Zuflüsse in Spot-ETFs gelten als Indikator für reguliertes Kapital, weil die Fonds die Coins physisch hinterlegen müssen. Hingegen lassen sich Hebelpositionen am Terminmarkt binnen Stunden auflösen.
Die krypto-nahen Aktien zogen ebenfalls an. Strategy gewann am Tag des Treffens rund 13 Prozent und legte am Folgetag weitere 9 Prozent zu. Coinbase stieg zunächst um 11 Prozent, danach um weitere 6 bis 8 Prozent. Beide Titel bewegten sich damit stärker als der Bitcoin-Kurs. Das japanische Bitcoin-Treasury-Unternehmen Metaplanet hielt Mitte August rund 43'000 BTC. Für das erste Halbjahr 2026 wies es zudem eine Bitcoin-Rendite von 9.6 Prozent aus.
Ein Teil des Anstiegs stammt letztlich aus erzwungenen Positionsauflösungen. Der Kursanstieg löste eine Liquidationswelle von rund 3 Mrd. USD aus. Solche Kaskaden verstärken Bewegungen in beide Richtungen. Gleichzeitig griff die Risikobereitschaft auf den breiteren Markt über. XRP legte um 17.7 Prozent zu, Cardano um 13.1 Prozent und Dogecoin um 11.5 Prozent. Ether kam vergleichsweise langsam voran. Der Kurs gewann 5.6 Prozent, Solana 6.2 und BNB 6.7 Prozent. Insgesamt speist sich die Bewegung aus zwei Quellen, institutionellen Zuflüssen und gehebelter Spekulation.
Clarity Act bleibt im Senat blockiert
Der regulatorische Auslöser der Rally existiert bislang nur als Entwurf. Ursprünglich sollte der Senat noch vor der Sommerpause über den Clarity Act abstimmen. Anfang August verschob die Kammer den Termin, nach Streit über Ethikregeln und Widerstand aus dem Bankensektor. Dennoch eröffnete der Senat im selben Monat die erste Verfahrensstufe. Eine prozedurale Abstimmung über die Aufnahme der Beratung steht deshalb für den 15. September an. Sie entscheidet noch nicht über den Inhalt. Ohne Bundesgesetz bleibt die Einordnung einzelner Token weiterhin Sache der Aufsichtsbehörden.
Die Erfolgsaussichten haben sich seit dem Aufschub verschlechtert. Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket bepreisen eine Verabschiedung im laufenden Jahr mit 16 bis 24 Prozent. Zuvor lag die Kalshi-Notierung bei 25 Prozent. Schliesslich verkürzen die Zwischenwahlen im November das verbleibende Zeitfenster im Senat. Trumps Auftritt verschiebt daher keine Mehrheiten.








