Sberbank, Russlands grösste Bank, plant den Start einer Krypto-Wallet in ihren Apps Sberbank Online und SberInvestments bis zum 1. Dezember 2026. Der Zeitplan hängt vom Inkrafttreten des russischen Digital-Asset-Gesetzes ab, das im September wirksam werden soll.
Sberbank kontrolliert rund ein Drittel aller Bankaktiven Russlands und betreibt das grösste Filialnetz des Landes. Das mehrheitlich staatlich kontrollierte Institut will Privatkunden über die bestehenden Apps direkten Zugang zu Kryptowerten geben, ohne separaten Krypto-Anbieter. Kirill Tsarev, First Deputy Chairman des Exekutivvorstands, kündigte den Start „innert Monaten" nach Inkrafttreten des Gesetzes an. Bereits im Dezember 2025 sammelte der Konzern mit Russlands erstem Bitcoin-besicherten Kredit an den Miner Intelion Data Erfahrung. Das Gesetz „On Digital Currency and Digital Rights" durchläuft am 21. Juli 2026 die zweite und dritte Lesung in der Duma.
Sberbanks Wallet-Start hängt vom Gesetzestext ab
Der angepeilte Dezember-Termin ist kein fixes Datum, sondern eine bedingte Zielmarke. Zunächst muss der Gesetzgeber den finalen Text veröffentlichen, bevor die Bank die technische Umsetzung abschliessen kann. Tsarev machte deutlich, dass der Konzern erst nach Vorliegen der Regulierung aktiv wird.
„Sobald die Regulierung vorliegt, werden wir einen Service für unsere Kunden vorbereiten. Im Kern handelt es sich um eine Krypto-Wallet, die wir zuerst in Sberbank Online und SberInvestments einführen werden." - Kirill Tsarev, First Deputy Chairman Sberbank
Die Wallet integriert sich damit direkt in die zwei zentralen Apps des Konzerns. Sberbank Online dient dem klassischen Banking, SberInvestments hingegen bündelt die Wertpapier- und Anlagefunktionen. Kunden sollen Kryptowährungen damit ohne separaten Anbieter halten und verwalten können.
Der genaue Zeitplan hängt allerdings von zwei Vorbedingungen ab. Nötig sind die Publikation des finalen Gesetzestexts und die Verfügbarkeit aktualisierter Sber-Apps in den App Stores. Android-Nutzer erhalten die neue Oberfläche voraussichtlich vor iOS-Nutzern. Der Dezember-Termin ist somit an einen regulatorischen und einen technischen Schritt gebunden, die beide erst noch erfolgen müssen.
Russlands Digital-Asset-Gesetz schafft ein Lizenzsystem
Das Digital-Asset-Gesetz schafft erstmals einen regulierten Rahmen für den russischen Krypto-Markt. Es etabliert ein Lizenzsystem für fünf Kategorien von Marktteilnehmern: Börsen, Broker, Verwaltungsgesellschaften, Depotstellen und Wechselstuben. Sämtliche Kategorien unterstehen zudem der Aufsicht der Zentralbank Russlands.
Für Privatanleger setzt der Rahmen hingegen enge Grenzen. Nicht-qualifizierte Kleinanleger dürfen unter Testbedingungen jährlich bis zu rund 300'000 Rubel (rund 3'800 USD) handeln. Ferner müssen sich Marktteilnehmer bis zum 1. Juli 2027 offiziell registrieren lassen. Ab demselben Datum greifen straf- und verwaltungsrechtliche Sanktionen für Verstösse.
Der Gesetzgebungsprozess zog sich allerdings länger hin als geplant. Die Duma verabschiedete die erste Lesung im April 2026 mit 327 von 340 Stimmen. Ursprünglich war die finale Verabschiedung für spätestens 1. Juli 2026 vorgesehen, doch langwierige Abstimmungen mit Regierungsbehörden verzögerten den Prozess. Die zweite und dritte Lesung sind nun für den 21. Juli 2026 angesetzt. Schliesslich folgen Föderationsrat und die Unterschrift von Präsident Putin. Vladimir Chistyukhin, First Deputy Chairman der Zentralbank, rechnet damit, die Vorschriften bis Oktober fertigzustellen und dem Justizministerium zu übermitteln.
Weitere russische Banken folgen Sberbanks Beispiel
Sberbank ist nicht der einzige russische Finanzkonzern, der auf das neue Gesetz reagiert. VTB und die T-Bank Group planen ebenfalls eigene digitale Depots für Kryptowährungen, sobald die Regulierung in Kraft tritt. Die Moscow Exchange (MOEX) strebt gleichzeitig den Start von Krypto-Handelsoperationen bis Ende 2026 an.
VTB, Russlands zweitgrösste Bank, bereitet ausserdem Spot-Krypto-Handel vor. Dieser Dienst richtet sich zunächst an vermögende Privatkunden mit mindestens 1.3 Mio. USD an Vermögenswerten. Die Grossbanken sichern sich folglich früh eine Position in einem Markt, der bislang keiner regulierten Infrastruktur unterlag.
Sberbank selbst hat den Boden für das Geschäft bereits bereitet. Berichten zufolge weitete der Konzern die Emission digitaler Finanzanlagen 2025 auf rund 408 Mrd. Rubel aus, deutlich über dem Vorjahresniveau. Zusammen mit dem Bitcoin-besicherten Pilotkredit an Intelion Data zeigt sich daher ein Institut, das Krypto-Dienste schrittweise in sein Kerngeschäft überführt.
Sanktionsdruck treibt Russlands Kurswechsel bei Krypto-Assets
Russlands Öffnung markiert keine ideologische Kehrtwende, sondern eine pragmatische Reaktion auf äusseren Druck. Historisch verfolgte das Land eine restriktive Linie. Im Januar 2022 forderte die Zentralbank ein umfassendes Verbot von Kryptowährungen. Im Juli 2022 unterzeichnete Putin ein Gesetz, das Krypto-Zahlungen im Inland einschränkte.
Der Kurswechsel vollzog sich später schrittweise. Seit dem 1. November 2024 ist industrielles Krypto-Mining legalisiert, zudem existiert ein experimentelles Rechtsregime für grenzüberschreitende Krypto-Abwicklungen. Inlandszahlungen mit Krypto bleiben weiterhin verboten, während grenzüberschreitende Transaktionen unter Lizenz erlaubt werden sollen.
Als zentraler Treiber gilt der Sanktionsdruck. Russische Banken suchen daher alternative Kanäle für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, nachdem der Zugang zu westlichen Systemen eingeschränkt wurde. Zusätzlich diskutieren die Gesetzgeber eine Regel zum Abheben von bis zu 100'000 Rubel (rund 1'300 USD) auf Non-Custodial-Wallets. Beschlossen ist sie jedoch noch nicht.








