Revolut hat mit EURR seinen ersten eigenen Euro-Stablecoin angekündigt, einen Token im festen Verhältnis von 1 EURR zu 1.00 EUR. Emittent ist das Stripe-Tochterunternehmen Bridge, der Start erfolgt zunächst für ausgewählte Kunden in Dänemark, Polen und Portugal.
Revolut ist eine britische Neobank, die Konto, Kartenzahlung, Wertpapierhandel und Krypto-Handel in einer App bündelt. Nach Unternehmensangaben nutzen weltweit rund 80 Mio. Retail-Kunden die Plattform, davon über 16 Mio. den Krypto-Bereich. Ein Stablecoin ist ein Token, dessen Wert über hinterlegte Reserven an eine Fiatwährung gekoppelt bleibt. Bei EURR ist das der Euro, reguliert nach der EU-Verordnung MiCA. Die App bindet den Token zudem vollständig ein und soll den Wechsel zwischen Euro und Krypto on-chain ermöglichen. Später im Jahr 2026 soll EURR in weiteren Märkten des Europäischen Wirtschaftsraums verfügbar werden. Der globale Stablecoin-Markt, in den die Neobank damit eintritt, kommt insgesamt auf eine Marktkapitalisierung von rund 290 Mrd. USD.
Die Stripe-Tochter Bridge gibt Revoluts EURR aus
Herausgeber des Tokens ist Bridge Building S.A., eine auf Stablecoin-Infrastruktur spezialisierte Firma im Besitz von Stripe. Bridge hält und verwaltet ferner die Reserve-Assets, die EURR decken, und zwar nach den Anforderungen von MiCA. Ihren Aufsichtssitz hat die Firma in Luxemburg. Die dortige Behörde CSSF hat Bridge sowohl als Crypto-Asset Service Provider (CASP) als auch als E-Geld-Institut (EMI) zugelassen. Die Zulassungen laufen unter den Nummern N00000012 und W00000024. Erstere deckt Krypto-Dienstleistungen ab, letztere die Ausgabe elektronischen Geldes. Die regulatorische Verantwortung für den Token liegt somit nicht bei Revolut selbst. Vertrieb, App und Kundenbasis steuert hingegen die Neobank bei.
Bislang beschränkte sich das Angebot auf den Handel mit Token anderer Emittenten. Mit EURR trägt erstmals ein Produkt den eigenen Namen. Product Owner Iman Olya verweist auf das Kerngeschäft der Neobank. Diese habe erst versteckte Gebühren und Reibungsverluste beim Währungsumtausch beseitigt, nun folge Krypto. Das Unternehmen nennt den Euro-Token zudem einen „ersten Schritt" hin zu einer breiteren Stablecoin-Strategie. Weitere, an andere Währungen gekoppelte Token sollen folgen. Damit rückt der Anbieter näher an das Geschäftsmodell regulierter Emittenten heran. Die Reserven führt er allerdings nicht selbst. Emil Urmanshin, Head of Crypto and New Bets bei Revolut, ordnet den Schritt entsprechend breit ein.
"EURR verbindet 80 Millionen Revolut-Kunden direkt mit On-Chain-Finanzwesen. Indem wir unsere globale Grösse und lizenzierte Bankinfrastruktur mit sofortigem, euro-denominiertem Zugang zum Krypto-Ökosystem kombinieren, erschliessen wir realen Stablecoin-Nutzen, den weder eine traditionelle Bank noch ein krypto-natives Unternehmen bieten kann." - Emil Urmanshin, Head of Crypto and New Bets, Revolut
Zwei Stablecoins teilen sich den Ticker EURR
Das Kürzel EURR ist im europäischen Markt allerdings nicht neu. StablR, ein auf Malta lizenzierter Emittent, gibt bereits einen MiCA-konformen Euro-Stablecoin unter genau diesem Ticker aus. Ausserdem führt das Unternehmen den Dollar-Token USDR. Die maltesische Finanzaufsicht MFSA erteilte StablR im Juli 2024 eine EMI-Lizenz. Seit Dezember 2024 hält Tether ferner eine Kapitalbeteiligung an dem Emittenten. Die Tokenisierung läuft über Tethers Plattform Hadron, der Handel findet auf Ethereum und Solana statt.
Zwei unabhängige Produkte tragen damit dasselbe Ticker-Symbol. Hinter Revoluts EURR stehen Bridge und Stripe, hinter dem älteren Token StablR und Tether. Emittent, Lizenzstruktur und Vertriebsweg unterscheiden sich vollständig, eine Verbindung zwischen den beiden Anbietern ist nicht bekannt. Beide Token gehören ebenfalls zur MiCA-Kategorie der euro-gedeckten E-Geld-Token. Die Aufsicht liegt jedoch in verschiedenen Ländern.
In Wallets und Kurslisten erscheinen sie weiterhin unter demselben Kürzel. Für Anleger, die Reserven, Kurse oder Vertragsadressen eines „EURR" prüfen, ist die Zuordnung deshalb entscheidend. Tether baut sein Europa-Geschäft seit der Beteiligung über StablR und Hadron auf.
Tether zieht sich aus Revolut zurück
Zum EURR-Start verschwindet gleichzeitig der grösste Stablecoin der Welt von der Revolut-Plattform. Neueinzahlungen in USDT stoppte der Anbieter zunächst Ende Juli 2026. Den vollständigen Rückzug setzte Revolut schliesslich auf den 31. August 2026 an. Bis dahin müssen Nutzer bestehende Bestände umschichten oder abziehen. Restbestände wandelt die Plattform danach automatisch in Fiat um. Dahinter steht die europäische Regulierung. Tether verzichtet auf eine MiCA-Registrierung für USDT. Der Konzern kritisiert unter anderem die Vorgabe, mindestens 60% der Reserven in europäischen Bankeinlagen zu halten. Handelsplätze im EWR nehmen nicht registrierte Token folglich aus dem Angebot.
Auf Revolut entsteht damit eine Lücke im Angebot, in die EURR direkt hineinstösst. Der neue Token ist von Beginn an auf MiCA ausgelegt, weil ein lizenzierter Emittent die Reserven führt. EURR rückt daher in die Rolle eines regulatorisch zugelassenen USDT-Ersatzes im europäischen Vertrieb. Der Rückzug betrifft nur die Revolut-Plattform, Tethers Europa-Geschäft bleibt davon unberührt. Für Kunden in Dänemark, Polen und Portugal ändert sich vorerst wenig, zumal der Zugang auf ausgewählte Nutzer begrenzt bleibt.
USDT und USDC halten knapp 89% des Stablecoin-Markts
Revolut ist nicht die erste etablierte Zahlungsfirma mit eigenem Stablecoin. PayPal brachte PYUSD bereits 2023 an den Markt. Im vergangenen Jahr kündigten ausserdem Visa, Klarna und mehrere global tätige Banken eigene Initiativen an. Der Anwendungsfall hat sich dabei verschoben. Ursprünglich dienten Stablecoins vor allem als Handelswährung an Krypto-Börsen. Später rückte der Zahlungsverkehr in den Vordergrund. Dort gelten die Token als schnelle und günstige Alternative zu klassischen Überweisungen.
An den Marktanteilen ändert der Zustrom neuer Anbieter dennoch wenig. Tethers USDT kommt auf eine Marktkapitalisierung von 183.2 Mrd. USD, Circles USDC auf 73.7 Mrd. USD. Der gesamte Stablecoin-Markt liegt bei rund 289.8 Mrd. USD, auf die beiden Marktführer entfallen somit knapp 89%. Circles USDC erreicht vergleichsweise rund 40% der Kapitalisierung von USDT. Bloomberg beziffert den Anteil unter Verweis auf DefiLlama-Daten auf rund 85%. Neue Emittenten konkurrieren also um gut ein Zehntel des Markts. Euro-gekoppelte Token bleiben darin eine Randgrösse.

Regulatorisch hatte die Anlageklasse zuletzt Rückenwind. US-Präsident Donald Trump setzte vor gut einem Jahr ein Gesetz zur Regulierung von Stablecoins durch. Die Marktzahlen folgen diesem Impuls jedoch nicht. Seit Jahresbeginn 2026 stagniert die gesamte Marktkapitalisierung weiterhin. Visas Nutzungsdaten zeigen ebenfalls eine Abkühlung der Transaktionsvolumen 2026, nachdem sie seit Mitte 2023 gestiegen waren. Ein regulatorischer Durchbruch übersetzt sich letztlich nicht automatisch in Volumen. Revolut tritt insgesamt in einen Markt ein, der nicht mehr wächst. Für die Neobank zählt weniger das Marktwachstum als der Zugang zu den eigenen 80 Mio. Kunden.








