Der anonyme Leaker Cyberleek koppelt gestohlene Szenen aus dem Videospiel GTA 6 an den Marktwert seines eigenen Solana-Tokens. Wer Cyberleeks Memecoin kauft, erwirbt jedoch keinen finanziellen Anspruch, sondern nur die Aussicht auf weiteres urheberrechtlich geschütztes Material.
Grand Theft Auto ist eine Videospielreihe von Rockstar Games, die sich seit 1997 rund 475 Mio. Mal verkauft hat. Hinter Rockstar steht der an der NASDAQ notierte Konzern Take-Two Interactive. Der nächste Teil erscheint nach zwei Verschiebungen am 19. November 2026. Für Take-Two ist er das wichtigste Produkt des Jahres.
Entsprechend empfindlich reagierte die Aktie auf die ersten Leak-Videos. Sie fiel vorübergehend um rund 6 Prozent, was die Finanzpresse mit etwa 2.83 Mrd. USD Marktkapitalisierung beziffert und den Veröffentlichungen zuordnet. Einen Teil davon holte der Kurs bis zum 21. August wieder auf. Ein Memecoin wiederum ist ein spekulativer Token ohne Geschäftsmodell und ohne Zahlungsströme. Sein Preis entsteht daher fast ausschliesslich aus dem Handel in Onchain-Pools. Cyberleek nutzt dieses Instrument nun als Schalter über die Freigabe gestohlenen Materials.
Marktkapitalisierung als Freischaltbedingung für Leak-Videos
Die zugehörige Domain für die GTA-Leaks entstand am 14. August, einen Tag später folgte der Mint des Tokens CYBERLEEK. Dessen Fully Diluted Valuation lag zunächst bei rund 55'000 USD. Ab dem 18. August erschienen die ersten Leak-Clips. Als Bedingung für weitere Videos nennt Cyberleek weder eine Geldsumme noch einen Termin. Stattdessen ruft der Leaker jeweils eine Marktkapitalisierung aus, die der eigene Token vor dem nächsten Video erreichen muss. Das Strip-Club-Gameplay erschien genau dann, als die Marktkapitalisierung die zuvor angekündigte Schwelle von 3 Mio. USD überschritt. Jedes seither veröffentlichte Video trägt ausserdem ein Wasserzeichen mit QR-Code, das direkt zum Kauf des Tokens führt.
Wer hinter Cyberleek steht, ist ungeklärt. Ob Einzelperson, Gruppe oder ehemalige Rockstar-Mitarbeiter: keine der kursierenden Zuschreibungen ist belegt. Mehrere angebliche Profile erwiesen sich ebenso als Fälschungen. Die Urheber inszenieren sich weiterhin als Hacktivisten. Mit der Parole „No Disc, No Peace" protestieren sie gegen rein digitale Vorbestellungen.
Käufer erwerben keinen finanziellen Anspruch
Strukturell ist CYBERLEEK kein Anlageprodukt. Käufer erhalten keinen Anspruch auf Zahlungsströme und keine Beteiligung an einem Unternehmen oder Projekt. Ein rechtlich durchsetzbares Stimmrecht entsteht ebenfalls nicht. Die einzige Gegenleistung, die Cyberleek in Aussicht stellt, ist die Freischaltung weiterer urheberrechtlich geschützter Aufnahmen. Die Rendite dieses Tokens ist folglich ein Video.
Der in Aussicht gestellte Nutzen ist zudem kein bestehendes Gut, sondern gestohlenes Material. Gleichzeitig verfolgt Take-Two dessen Verbreitung mit laufenden Löschanträgen. Käufer finanzieren letztlich eine Leistung, die der Rechteinhaber aktiv zu unterbinden versucht. Anders als bei einem Utility-Token mit Zugang zu einem legalen Dienst hängt der Wert hier an der Fortsetzung eines Rechtsbruchs.
Take-Two verfolgt die Identität des Leakers juristisch
Der Rechteinhaber antwortet über die Gerichte. Take-Two Interactive lässt die Videos fortlaufend per DMCA-Meldung entfernen. Ausserdem beantragte der Konzern Subpoenas nach DMCA §512(h) beim U.S. District Court for the Southern District of New York. Solche Anordnungen zielen letztlich auf die Herausgabe von Nutzerdaten durch die Plattformen. Zunächst richteten sich die Anträge gegen Microsoft und Discord, tags darauf auch gegen X und YouTube. Die Richter Andrew L. Carter Jr. und Jennifer L. Rochon unterzeichneten die Anordnungen. Eine formale Zustellung steht noch aus. Nutzerdaten hat bisher keine Plattform offengelegt.
„[Der Zweck ist,] die Identität eines mutmasslichen Rechtsverletzers oder mehrerer Rechtsverletzer zu ermitteln, wobei diese Information ausschliesslich zum Schutz der Rechte von Take-Two verwendet wird." - Take-Two-Anwälte im Antrag beim U.S. District Court for the Southern District of New York
Rockstar Games selbst hat sich zu den Leaks nicht geäussert. Die DMCA-Massnahmen der Muttergesellschaft bleiben deswegen die einzige Reaktion. Wie ernst frühere Fälle endeten, zeigt ein Präzedenzfall aus dem Jahr 2022. Arion Kurtaj, Mitglied der Hackergruppe Lapsus$, stand damals unter Polizeischutz in einem Hotel. Trotzdem lud er rund 90 GTA-6-Videos in ein Forum hoch.
Eine britische Jury stellte im August 2023 fest, dass er Hacking, Betrug und Erpressung begangen hatte. Zu einem Schuldspruch kam es dennoch nicht, weil Gutachter ihn als verhandlungsunfähig einstuften. Im Dezember 2023 ordnete das Gericht deshalb eine unbefristete Unterbringung in einer forensischen Klinik an. Nach Angaben des BBC-Korrespondenten Joe Tidy sitzt er inzwischen in einem regulären Gefängnis. Für November 2026 steht ein Wiederaufnahmeverfahren an.








