Die Grundlagen von „Staking“

Blockchain-Netzwerke sind öffentliche Infrastrukturen, die von wirtschaftlich motivierten Akteuren unterhalten werden. Bis heute ist die vorherrschende Methode zur Gewährleistung der Sicherheit und des kontinuierlichen Betriebs großer Blockchains das Proof-of-Work-Mining.

Das Proof of Work Mining (PoW) ist die Kerninnovation hinter Bitcoin, wodurch die Existenz von staatenlosem, digitalem Geld erstmals möglich wurde. In den letzten Monaten und Jahren haben sich Blockchain-Netzwerke so entwickelt, dass sie verschiedene Anreizmodelle zur Aufrechterhaltung ihrer Infrastruktur nutzen, ohne eine zentrale Verwaltung zu benötigen. Ein sich deutlich abzeichnender Trend ist die Migration zu Proof-of-Stake Netzwerken (PoS). Bei einem Proof-of-Stake Konsensalgorithmus ist es notwendig, dass die Teilnehmer monetäre Sicherheiten stellen, statt Rechenleistung in Form von Energie zur Verfügung stellen,  wie es beim Proof-of-Work der Fall ist.

Staking erfordert, dass die Nutzer ihre Token auf einer Art Treuhandkonto verwahren. Damit sind sie  berechtigt, an einem Anteil der Gesamtausschüttung zu partizipieren, welches das Netzwerk generiert. Dieses Anreizmodell kann in verschiedenen Kontexten eingesetzt werden; von der Entscheidung, wer am Konsens teilnimmt (wie z.B. bei Smart-Contract-Plattformen wie Tezos, Cosmos, Polkadot und bald auch Ethereum), bis hin zu applikationsspezifischen Anwendungsfällen wie der Bereitstellung von Blockchaindaten für Frontend-Anwendungen (The Graph), oder der Verteilung von Arbeit in On-Demand-Videotranskodierung (Livepeer).

Die Entwicklung der Staking-Wirtschaft

Das Konzept des Stakings hat eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 2012 zurückreicht – die Umstellung auf Proof-of-Stake ist ein Kernstück des Plans von Ethereum und wird sogar im Whitepaper von 2013 erwähnt. Ein Wendepunkt kam 2018/19, als Tezos und Cosmos, zwei angesehene Projekte mit großen Gemeinschaften, eine Industrie von Staking-Anbietern – oft auch Validierer oder Node-Betreiber genannt – ins Leben riefen.

Seither hat sich die Zahl der Staking-Netzwerke kontinuierlich erweitert. Mit wenigen Ausnahmen beruhen die meisten neueren Protokolle auf einer Form von Staking. Dies wird auch deutlich, wenn man sich den kumulativen Wert der Tokens ansieht, die im Laufe der Zeit in Staking eingebunden wurden. Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels sind die Vermögenswerte, die für Staking in verschiedenen Netzwerken verwendet werden, auf über 12 Milliarden US-Dollar angestiegen.

Gesamtwert hinterlegter Staking-Werte in USD  / Quelle Stakingrewards.com

Dieser Trend wird weitgehend durch die Einführung neuer Staking-Netzwerke vorangetrieben und dürfte sich aufgrund neuer Markteinführungen und Migrationen zu Proof-of-Stake, wie z.B. für Ethereum 2.0 geplant, weiter fortsetzen.

Mit 12 Milliarden US-Dollar, die auf dem Spiel stehen, und einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 12,5% belaufen sich die annualisierten Einnahmen in dezentralisierten Staking-Netzwerken bereits auf etwa 1,5 Milliarden USD pro Jahr, was zur Entstehung eines völlig neuen Industriezweigs geführt hat. Dieser konzentriert sich darauf, den Token-Inhabern die Teilnahme in den PoS-Netzwerken durch Staking zu erleichtern.

Die Staking-Industrie

Das Staking erfordert, dass Benutzer ihre Token temporär „einschließen“ und die Node-Infrastruktur sicher betreiben, um Netzwerkbelohnungen zu erhalten. Da die meisten Token-Inhaber nicht über die dafür erforderlichen Fähigkeiten oder Ressourcen verfügen, haben sich verschiedene Optionen für die Teilnahme am Staking ergeben:

  • Eigene Infrastruktur: Token-Inhaber können ihre eigenen Nodes betreiben. Dies erfordert in der Regel umfassende Kenntnisse von Netzwerkprotokollen und Fachwissen über den Aufbau einer sicheren, rund um die Uhr verfügbaren Infrastruktur, so dass diese Option nur für eine kleine Teilgruppe von großen Inhabern und/oder Technologie-Enthusiasten geeignet ist.
  • Verwahrungsanbieter:  Viele zentralisierte Börsen (z.B. Binance oder Kraken) und Verwahrungsanbieter (z.B. Anchorage oder Coinbase Custody) bieten Staking an und ermöglichen es den Benutzern, Belohnungen zu verdienen, wenn sie Tokens auf ihren Plattformen aufbewahren.
  • Unabhängige Staking-Anbieter: In den meisten Staking-Netzwerken können Token-Inhaber den Betrieb der Node-Infrastruktur an unabhängige Anbieter wie Chorus One oder Figment Networks auslagern, ohne die Kontrolle darüber abgeben zu müssen. Durch das Senden einer speziellen Transaktion können Token-Inhaber ihre Rechte gegen eine Gebühr, die automatisch vom Netz abgezogen wird, delegieren.
  • Node-Dienste-Anbieter: Schließlich ermöglichen es Dienste wie die von Bison Trails und Blockdaemon den Token-Inhabern, ihre eigenen Nodes auf verschiedenen Protokollen einzurichten und zu verwalten. Diese White-Label-Lösungen richten sich meist an Parteien, die daran interessiert sind, ihren Kunden Staking unter ihrem Branding anzubieten (z.B. Verwahrer, Börsen, Wallets usw.).

Welche dieser Optionen sinnvoll ist, hängt stark vom Stakeholder und seinen Zielen ab. Wenn Sie daran interessiert sind, mehr über dieses Thema zu erfahren, empfehle ich Ihnen, einen Blick in den Guide von Staking Provider Stakefish zu werfen, der eine gute Orientierungshilfe bei der Auswahl eines Validators bietet, um die verschiedenen Optionen zu bewerten.

Konklusion

Krypto-Assets entwickeln sich von rein spekulativen Investitionen zu produktiven Zwecken. Sei es das Staking, die Bereitstellung von Liquidität oder das Verleihen von Tokens im dezentralisierten Finanzwesen; Inhaber von Krypto-Währungen müssen sich überlegen, wie sie ihre Vermögenswerte in der aufstrebenden dezentralisierten Wirtschaft einsetzen wollen.

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Über den Autor

Felix Lutsch

Felix Lutsch ist Research Analyst bei Chorus One, einer Firma die sich auf Staking-Lösungen für Kryptowährungen (z.B. die Anthem Staking Plattform) und Blockchain Interoperabilität spezialisiert. Er ist ausserdem Verfasser des Staking Economy Email-Newsletters, welcher alle zwei Wochen Updates über die Proof-of-Stake Industrie liefert. Bevor Felix Chorus One beigetreten ist hat er seinen Master in Finance an der Goethe Universität Frankfurt abgeschlossen.

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