Bitcoin notiert wieder um 78'000 USD, nachdem der Kurs tags zuvor kurzzeitig auf 79'388 USD gestiegen war. Zum dritten Mal in wenigen Wochen scheiterte die grösste Kryptowährung damit an der psychologisch wichtigen 80'000-USD-Marke.
Ethereum, Solana und XRP gaben nach einer Intraday-Rally wieder nach, weil kurzfristige Trader Gewinne realisierten. Die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung liegt bei 2.61 Bio. USD, bei einem 24-Stunden-Handelsvolumen von 144.04 Mrd. USD. Bitcoin hält eine Dominanz von 60.11%, ein klassisches Muster für eine von Bitcoin getragene Marktphase. Ethereum gewinnt auf Tagesbasis 1.45% auf 2'357.90 USD, Solana steigt um 2.16% auf 86.14 USD, Dogecoin legt 0.84% auf 0.09631 USD zu. Alle drei Altcoins fielen allerdings von ihren Tageshochs zurück.
Waffenstillstand und Whale-Käufe treiben die Rally
Die Aufwärtsbewegung der vergangenen Woche hat zwei klare Auslöser. US-Präsident Donald Trump verlängerte den US-Iran-Waffenstillstand am 21. April auf unbestimmte Zeit. Zuvor hatte Iran am 18. April die Strasse von Hormuz geschlossen, woraufhin die USS Spruance am 19. April das iranische Schiff "Touska" im Golf abfing. Die Deeskalation entlastete Risikoanlagen weltweit.

Parallel kaufte Strategy, das ehemalige MicroStrategy, am 20. April 34'164 BTC für 2.54 Mrd. USD zu einem Durchschnittspreis von 74'395 USD. Es handelt sich um den drittgrössten Einzelkauf des Unternehmens und den grössten seit über einem Jahr. Der Gesamtbestand stieg damit auf 815'061 BTC, womit Strategy erstmals mehr Bitcoin hält als BlackRocks IBIT-ETF. Die kumulierten Ausgaben für Bitcoin liegen nun bei rund 61.56 Mrd. USD, der Durchschnittseinstandspreis bei 75'527 USD.
Die institutionellen Zuflüsse setzen sich fort. IBIT verzeichnete Wochenzuflüsse von 871 Mio. USD und verwaltet mittlerweile knapp 64 Mrd. USD. Global flossen in der vergangenen Woche 1.4 Mrd. USD in Krypto-ETFs, angeführt von Produkten auf Bitcoin und Ethereum. Seit Jahresbeginn haben sich die Krypto-ETF-Zuflüsse damit auf 2.3 Mrd. USD gedreht und aus dem negativen Terrain erholt.
Derivatemarkt bleibt defensiv positioniert
Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Spot-Nachfrage und Derivateflüssen. Die Funding Rates für BTC-Perpetual-Futures sind seit 47 aufeinanderfolgenden Tagen negativ. Das ist der längste negative Streak seit November 2022, als FTX kollabierte. Negative Funding Rates bedeuten, dass Short-Positionen eine Prämie an Long-Positionen zahlen müssen - ein Indikator für defensive Marktausrichtung.
Trotz dieser Skepsis stieg das Open Interest in BTC-Perpetuals im Vormonat um rund 12%. Neue Short-Positionen entstehen also auf höheren Kursniveaus. Die Liquidationsdaten stützen dieses Bild. Zwangsliquidationen erreichten in den vergangenen 24 Stunden rund 210 Mio. USD, davon entfielen 71.6 Mio. USD auf Bitcoin. Short-Liquidationen in Höhe von etwa 180 Mio. USD sind im Bereich zwischen 80'000 und 85'000 USD aufgereiht. Ein nachhaltiger Durchbruch über die Widerstandsmarke könnte daher einen Short Squeeze auslösen. Unterhalb von 77'300 USD stehen demgegenüber rund 71 Mio. USD an Long-Positionen unter Druck.
On-Chain-Daten zeigen Angebotsverknappung
Die strukturellen Daten liefern eine bullische Lesart. Laut Bitfinex Alpha fielen die BTC-Bestände auf zentralisierten Börsen auf 2.41 Mio. BTC, ein Sieben-Jahres-Tief. Das entspricht 5.88% des Umlaufangebots. Whale-Adressen akkumulierten in den vergangenen 30 Tagen 270'000 BTC - die grösste monatliche Akkumulation seit 2013.
Das Stablecoin-Angebot wuchs in den vergangenen sieben Tagen um 2.54 Mrd. USD auf insgesamt 320 Mrd. USD. Solche Liquiditätszuflüsse in Stablecoins gelten als potenzielles "Trockenpulver" für Spot-Käufe. Technisch trifft der Kurs derzeit auf den sogenannten True Market Mean von Glassnode bei rund 78'200 USD, der die durchschnittliche Kostenbasis aktiv gehandelter Coins abbildet. Der realisierte Preis der kurzfristigen Halter liegt bei rund 69'400 USD und gilt als entscheidende Unterstützungszone.
Während der geopolitischen Krise outperformte Bitcoin auch traditionelle sichere Häfen deutlich. Seit Beginn der Hormuz-Eskalation legte BTC 7.1% zu, Aktien verloren 6.5%, Gold büsste 10.1% ein. Diese Relativperformance stärkt die Narrative von Bitcoin als Makro-Hedge, die institutionelle Käufer wie Strategy zuletzt betont hatten.
DeFi-Stress trübt das Altcoin-Bild
Während Bitcoin profitiert, belasten Sicherheitsvorfälle den Altcoin-Bereich. Der KelpDAO-Exploit am 20. April verursachte einen Verlust von 292 Mio. USD, parallel dazu büsste Drift Protocol 285 Mio. USD ein. Die DeFi-Verluste im April 2026 summieren sich damit auf 606 Mio. USD. Innerhalb von 48 Stunden fiel der Total Value Locked im DeFi-Sektor um rund 15 Mrd. USD.
Der Fear & Greed Index steht trotz der Kurserholung bei 33 Punkten und damit weiter im Angstbereich. Angebotsverknappung auf Börsen, defensive Positionierung im Derivatemarkt und Sicherheitsprobleme in DeFi erklären zusammen, warum die Rally bisher schmal bleibt. Bitcoin zieht Kapital an. Spekulative Altcoin-Segmente haben Mühe, Momentum aufzubauen.
Historisch folgte auf vergleichbare negative Funding-Streaks 2021 und 2022 jeweils eine starke Bitcoin-Rally. Ob die aktuelle Konsolidierung nahe 78'000 USD diesem Muster folgt, hängt von den Spot-Käufen ab. Konkret müssen Strategy und die ETFs die Short-Flüsse im Derivatemarkt dauerhaft absorbieren. Die 80'000-USD-Marke bleibt der zentrale technische Referenzpunkt, die 69'400 USD der kurzfristige Halt nach unten.








