VanEck hat den ersten US-Spot-BNB-ETF unter dem Ticker VBNB an der Nasdaq gelistet. Damit erhält BNB, die viertgrösste Kryptowährung nach Marktkapitalisierung, erstmals ein reguliertes US-Spot-Vehikel.
BNB ist ursprünglich der native Token der BNB Chain. Die Layer-1 wurde von der Kryptobörse Binance lanciert und positioniert sich heute als Community-Blockchain für DeFi- und Web3-Anwendungen. Das Asset rangiert mit einer Marktkapitalisierung von rund 88 Mrd. USD auf Platz vier der grössten Kryptowährungen. VanEck reichte das erste S-1 bereits im Mai 2025 ein. Damit war der Vermögensverwalter der erste Antragsteller für ein US-Spot-Produkt auf BNB überhaupt. Zunächst folgten bis zum Launch fünf Amendments. Ursprünglich enthielt das Filing Staking-Bestimmungen, die der Anbieter Ende 2025 jedoch strich. Hintergrund war die regulatorische Unsicherheit. Zum Listing-Zeitpunkt notiert BNB bei rund 655 USD. Die Sponsor Fee liegt bei 0.39%. Die physische Verwahrung erfolgt zudem über Anchorage Digital Bank.
VanEck schliesst die letzte Lücke im US-Spot-Krypto-ETF-Markt
Mit VBNB endet eine Aufholjagd, die im Januar 2024 mit der Zulassung der ersten US-Spot-Bitcoin-ETFs begann. Später folgten im Mai 2024 die Ethereum-Pendants. Anschliessend erweiterte die SEC den Kreis schrittweise um Solana, XRP, Litecoin, Avalanche, Dogecoin, Chainlink, Polkadot, HBAR und Hyperliquid. BNB war zuletzt das einzige Top-5-Asset ohne reguliertes US-Spot-Vehikel. Somit schliesst der Launch eine seit langem offene Lücke im institutionellen Produktangebot.
Für VanEck reiht sich VBNB ebenfalls in ein wachsendes Krypto-Sortiment ein. Der Anbieter führt bereits HODL für Bitcoin und ETHV für Ethereum. Dazu kommen das Ende 2025 lancierte VSOL für Solana sowie VAVX für Avalanche. Insgesamt verwaltet das Haus über 5.2 Mrd. USD in digitalen Asset-Lösungen. In Europa betreibt es zusätzlich 29 weitere Krypto-ETPs. Zur Einordnung des Marktpotenzials lohnt der Blick auf die etablierten Vehikel. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs halten zusammen rund 86.45 Mrd. USD. Die Ethereum-Pendants kommen vergleichsweise auf rund 11.60 Mrd. USD. Folglich bewegt sich VBNB in einem Markt, dessen Volumenpotenzial sich an diesen Benchmarks messen lassen muss.
Physische Verwahrung, 0.39% Fee und kein Staking zum Start
VBNB ist physisch besichert und hält BNB direkt im Bestand. Die Verwahrung übernimmt Anchorage Digital Bank N.A. mit Sitz in Sioux Falls, South Dakota. Die Lagerung erfolgt ausschliesslich im Cold Storage. Die Sponsor Fee liegt bei 0.39% und bewegt sich somit im üblichen Korridor jüngerer US-Spot-Altcoin-ETFs.
Beim Thema Staking schlug VanEck einen vorsichtigen Kurs ein. Das ursprüngliche S-1 vom Mai 2025 enthielt zunächst Staking-Bestimmungen. Der Vermögensverwalter nahm sie jedoch Ende 2025 aus dem Prospekt. Allerdings hält das Endprospekt eine Hintertür offen: Der Sponsor kann nach eigenem Ermessen Staking über Drittanbieter einführen. Kommuniziert würde der Schritt per Prospekt-Supplement oder per SEC-8-K-Meldung. Daher bleibt Staking optional und an die regulatorische Entwicklung gekoppelt.
Auffällig ist der Gebühren-Kontrast zum Vorgänger VSOL. Beim Solana-ETF im Vorjahr verzichtete der Anbieter komplett auf Sponsor Fees bis zu einem AuM von 1 Mrd. USD. Der Fee-Waiver diente damit als aggressives Akquisitions-Instrument für frühe Mittelzuflüsse. Eine vergleichbare Strategie hat das Unternehmen für den BNB ETF hingegen nicht kommuniziert. VBNB startet folglich von Tag eins mit der vollen Gebühr.
„BNB war eines der wenigen grossen Krypto-Assets ohne ein US-Spot-ETP. Das haben wir jetzt geändert." - Kyle DaCruz, Director of Digital Assets Product, VanEck
BNB Chain als Fundament für institutionelle Nachfrage
Hinter dem Asset steht ein Netzwerk mit substanzieller Nutzungsaktivität. Die BNB Chain verarbeitet täglich über 14 Millionen Transaktionen und zählt mehr als 2.5 Millionen Daily Active Users. Der Stablecoin-Supply auf dem Netzwerk übersteigt ferner 16 Mrd. USD. Damit zählt die Chain zu den grössten Settlement-Layern für USD-pegged Token. Gleichzeitig lief das Netzwerk 2025 ohne Ausfallzeit. Der Höchststand erreichte bis zu 31 Millionen Transaktionen pro Tag bei Blockzeiten von 0.45 Sekunden.
Dynamisch entwickelt sich ebenfalls der Bereich tokenisierter Realwerte. Real World Assets auf der BNB Chain liegen aktuell bei 3.6 Mrd. USD. Das RWA-TVL wuchs allein im ersten Quartal 2026 um über 1 Mrd. USD auf ein damaliges Allzeithoch von 3.5 Mrd. USD. Der gesamte DeFi-TVL der Chain summiert sich auf rund 5.6 Mrd. USD. Weiterhin zielt die technische Roadmap für 2026 auf 20'000 Transaktionen pro Sekunde und eine Finalität im Sub-Sekunden-Bereich. Genau diese Kennzahlen führt VanEcks Senior Investment Analyst Patrick Bush letztlich als Begründung dafür an, dass BNB für institutionelle Investoren ein überzeugendes Asset darstelle.
VanEck setzt sich gegen Grayscale als Erstlister des BNB-ETFs durch
Im Wettlauf um den ersten US-Spot-BNB-ETF lag VanEck zeitlich klar vorne. Der Vermögensverwalter reichte am 6. Mai 2025 das initiale S-1 ein. Damit legte er als erster Antragsteller die Vorlage für ein reguliertes US-BNB-Vehikel auf den Tisch der SEC. Grayscale folgte erst rund acht Monate später mit dem eigenen Antrag für den Grayscale BNB ETF (GBNB). Insgesamt arbeitete VanEck bis zum Launch fünf Amendments ein. Bemerkenswert ist das Timing der jüngsten Updates. Sowohl VanEck als auch Grayscale reichten am 18. Mai 2026 parallel überarbeitete Filings ein. Beobachter werten das als typisches Muster für koordiniertes SEC-Feedback an mehrere Antragsteller.
James Seyffart von Bloomberg Intelligence hatte nach diesem parallelen Schritt kommentiert, die Aktualisierungen deuteten auf konkretes SEC-Feedback und einen nahen Launch hin. Mit VBNB hat sich diese Einschätzung schliesslich bestätigt. Grayscale GBNB bleibt hingegen ausstehend. Der Anbieter hat bislang zudem keine Sponsor Fee für sein Produkt kommuniziert. Damit fehlt dem Konkurrenten der entscheidende Differenzierungs-Hebel im Wettbewerb um institutionelle Mittelzuflüsse. Somit setzt sich VanEck nicht nur als Erst-Filer, sondern auch als Erstlister durch. Der Vermögensverwalter sichert sich den First-Mover-Vorteil in einem Marktsegment, dessen institutionelles Volumen sich erst noch entwickeln muss.







