Diese Woche lancierte Trade.xyz auf der dezentralen Börse Hyperliquid einen synthetischen Perpetual-Future auf die SpaceX-Aktie. Der Kontrakt SPCX-USDC eröffnete bei 150 USD pro Aktie. Wenige Stunden später stand der Kurs bei 216 USD; eine implizierte Bewertung von rund 2.56 Bio. USD.
In den ersten zwölf Stunden wechselten Volumen von über 40 Millionen USD den Besitzer, das 24-Stunden-Volumen lag bei 33 Mio. USD und das Open Interest bei 21.8 Mio. USD. Das Produkt ist cash-settled in USDC und vermittelt keinerlei Anspruch auf echte SpaceX-Aktien. Damit liegt die On-Chain-Bewertung deutlich über dem offiziellen IPO-Ziel von 1.75 Bio. USD, das SpaceX gemäss CNBC und Bloomberg in seinem vertraulichen Filing vom 1. April anstrebt.

HIP-3-Framework als technische Grundlage
Hyperliquid betreibt eine dezentralisierte On-Chain-Derivate-Börse mit Rund-um-die-Uhr-Handel. Das sogenannte HIP-3-Framework erlaubt Drittanbietern, eigene Perpetual-Märkte auf der Plattform zu vertreiben. Genau dieses Modell nutzt Trade.xyz für die Pre-IPO-Kontrakte. Seit dem Start hat HIP-3 laut Dune Analytics über 120 Mrd. USD Volumen verarbeitet. Am 8. April generierten die HIP-3-Deployer bereits 48.1 Prozent des gesamten Plattformvolumens.
Rechtlich unterscheidet sich der SPCX-Kontrakt klar von tokenisierten Aktienmodellen. Tokenisierte Pre-IPO-Produkte für Anthropic und OpenAI auf der konkurrierenden Plattform PreStocks brachen vergangene Woche um rund 50 Prozent ein, nachdem beide Unternehmen mitgeteilt hatten, Aktienübertragungen via Special Purpose Vehicles seien gemäss ihren Corporate Bylaws nichtig. Der SPCX-Kontrakt umgeht dieses Problem konstruktiv. Er repräsentiert keinen Aktienanspruch, sondern lediglich einen Cash-Wettpreis auf die Bewertung.
Coinbase wurde diese Woche offizieller USDC-Treasury-Deployer für Hyperliquid. Parallel lancierte 21Shares den THYP ETF auf den HYPE-Token. Beide Schritte verleihen der Plattform institutionelle Anbindung, die noch vor wenigen Monaten gefehlt hat.
Cerebras liefert den Beleg für die Preisfindung
Am 1. Mai lancierte Trade.xyz den ersten HIP-3-Pre-IPO-Perp auf Cerebras Systems unter dem Ticker CBRS. Eine Stunde vor der Nasdaq-Eröffnung handelte der On-Chain-Kontrakt bei rund 340 USD. Anschliessend eröffnete die Aktie bei 350 USD, der IPO-Preis hatte bei 185 USD gelegen. Die Abweichung der Hyperliquid-Preisfindung vom späteren Eröffnungskurs betrug damit rund drei Prozent. Traditionelle Secondary-Market-Plattformen lagen beim Cerebras-Pricing rund 35 Prozent daneben.

Der Präzedenzfall stützt die These, dass kontinuierliche On-Chain-Märkte private Bewertungen präziser abbilden als illiquide Sekundärmarkt-Plattformen. Die SPCX-Bewertung übersteigt das offizielle SpaceX-Ziel bereits um über 25 Prozent. Polymarket beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass SpaceX bei Börsenschluss am Listing-Tag eine Bewertung über 1.3 Bio. USD aufweist mit 91 Prozent.
Der HYPE-Token reagierte unmittelbar. Am Tag des SPCX-Listings stieg HYPE um sieben Prozent auf 45.25 USD, ein Sieben-Monats-Hoch. Year-to-Date liegt der Token bei plus 70 Prozent, während Bitcoin im selben Zeitraum 13 Prozent, Ethereum 30 Prozent und Solana 33 Prozent eingebüsst haben. Das Open Interest in HYPE-Futures kletterte seit dem 12. Mai um 27 Prozent auf 2.01 Mrd. USD.
Regulatorischer Druck und der IPO-Fahrplan
Die Intercontinental Exchange und die CME Group haben die CFTC aufgefordert, potenzielle Market-Integrity-Risiken von Hyperliquid zu adressieren. Beide US-Börsenbetreiber verweisen auf das pseudonyme Handelsumfeld der Plattform. Das Hyperliquid Policy Center kontert, die Plattformtransparenz sei "feindlich gegenüber Insider-Trading", weil jeder Trade On-Chain öffentlich einsehbar bleibt. Hyperliquid-Gründer Jeff Yan traf zuletzt US-Gesetzgeber und sprach von parteiübergreifendem Interesse an Krypto-Regulierung.
SpaceX selbst reichte am 1. April vertraulich eine Draft Registration bei der SEC ein. Bloomberg, CNBC und Reuters bestätigten die Einreichung. Das Bookrunner-Syndikat umfasst Morgan Stanley, Goldman Sachs, JPMorgan, Bank of America und Citigroup als Hauptbanken, dazu 16 weitere Institute. Insgesamt begleiten 21 Banken das Listing. Das angestrebte Fundraising von 75 Mrd. USD würde den bisherigen IPO-Rekord von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 mit 29 Mrd. USD um mehr als das Doppelte übertreffen.
Elon Musk hält rund 42 Prozent des Eigenkapitals, kontrolliert aber über Super-Voting-Aktien rund 79 Prozent der Stimmen. Bei erfolgreicher Platzierung wäre er die erste Person, die zwei separate Unternehmen mit einer Billionenbewertung an die Börse führt. Starlink schloss 2025 mit 9.2 Mio. Abonnenten und über 10 Mrd. USD Umsatz ab. Die Übernahme von xAI im Februar 2026 in einem All-Stock-Deal trieb die SpaceX-Bewertung von 1.0 auf 1.75 Bio. USD. Ausserdem hält SpaceX Insidern zufolge 8'285 Bitcoin in Coinbase Prime Custody, die Position soll erstmals im S-1 offengelegt werden. Die Roadshow startet planmässig am 4. Juni, das Pricing folgt am 11. Juni, das Listing auf Nasdaq am 12. Juni 2026.







