Der Zürcher Vermögensverwalter Descartes Finance lanciert mit "Minimum Risk BTC" eine neue Vorsorgestrategie. Sie nimmt Bitcoin systematisch in die Modellportfolios für Säule-3a- und Freizügigkeitsdepots auf. Die Bitcoin-Allokation liegt je nach Risikostufe zwischen einem und fünf Prozent.
Damit ergänzt Descartes seine bestehenden Strategien "Passiv" und "Minimum Risk", die unverändert bleiben. Das Unternehmen ist seit 2016 aktiv, eigentümergeführt und bankunabhängig. CEO Adriano Lucatelli und Verwaltungsratspräsident Rino Borini führen das Geschäft. Nach eigener Darstellung ist Descartes der erste digitale Vermögensverwalter der Schweiz, der Bitcoin in die strategische Vermögensallokation von Vorsorge-Modellportfolios integriert.
Verwaltete Allokation statt Selbstbedienung
Der zentrale Unterschied zu bisherigen Krypto-Angeboten in der Säule 3a liegt im Allokationsentscheid. Bei finpension und VIAC, die seit Dezember 2021 beziehungsweise März 2024 Bitcoin-Optionen anbieten, wählen Kundinnen und Kunden die Beimischung manuell. Dieses Modell der reinen Auftragsausführung überlässt die Risikobeurteilung dem Anleger.
Descartes geht den umgekehrten Weg. Das Portfoliomanagement bestimmt die Bitcoin-Quote anhand eines quantitativen Optimierungsmodells und passt sie an die Risikostufe an. Das Engagement läuft über das BlackRock iShares Bitcoin ETP (Ticker IB1T) an der SIX Swiss Exchange. BlackRock legte das physisch besicherte Produkt im März 2025 auf, die Gesamtkostenquote beträgt 0.15 Prozent pro Jahr. Coinbase Custody International übernimmt die Verwahrung. Bei Descartes liegen die Verwaltungsgebühren all-in zwischen 0.64 und 0.74 Prozent pro Jahr, ohne separate Bitcoin-Gebühr.
"Unser Anspruch ist es, diese Verantwortung aktiv wahrzunehmen, statt sie de facto an die Kundschaft zu delegieren." - Adriano Lucatelli, Gründer und CEO, Descartes Finance
Erwartete Rendite und Volatilität nach Risikostufe
Die von Descartes publizierten Erwartungswerte zeigen, wie die Bitcoin-Beimischung die Renditeprofile verschiebt. Risikostufe 1 hebt die erwartete Rendite gegenüber "Minimum Risk" von 0.35 auf 1.26 Prozent, die Volatilität klettert von 3.44 auf 3.76 Prozent. Bei Stufe 5 verdoppelt sich die Renditeerwartung beinahe: von 3.87 auf 8.65 Prozent. Die Volatilität steigt dort auf 10.50 statt 8.64 Prozent. Die oberen Stufen von "Minimum Risk BTC" nähern sich den Renditeerwartungen der reinen Indexstrategie "Passiv" an, bleiben aber unter deren Volatilität.
Die Argumentation für kleine Bitcoin-Quoten stützt sich auf externe Studien. Bitwise zeigte 2024, dass eine Beimischung von 2.5 Prozent in einem klassischen 60/40-Portfolio die Sharpe Ratio von 0.551 auf 0.762 hebt. Fidelity Digital Assets identifizierte die ersten 50 bis 100 Basispunkte als effizientesten Allokationsbereich. Oberhalb von fünf Prozent flacht der Effekt auf die Sharpe Ratio ab, gleichzeitig nimmt das Drawdown-Risiko deutlich zu. Descartes selbst publizierte im März 2025 eine Simulation für die freie Vermögensverwaltung. Dort hob eine 5-Prozent-Beimischung die Sharpe Ratio von 0.21 auf 0.58.
Descartes setzt seit rund einem Jahr Bitcoin in der freien Vermögensverwaltung ein. Diese Erfahrungen dienen als Grundlage für den Vorstoss in die regulierte Vorsorge. Das Unternehmen folgt damit einem Muster, das auch internationale institutionelle Vermögensverwalter wählen: erst freies Vermögen, dann Vorsorgegelder.
Schweizer 3a-Markt und institutionelle Adoption
Der Schweizer Säule-3a-Markt umfasst nach Schätzungen rund 120 Milliarden CHF an Wertschriften- und Kontolösungen. Die Maximaleinzahlung 2026 liegt bei 7'258 CHF pro Jahr, das Medianvermögen über alle Altersgruppen beträgt 30'400 CHF. Seit 2025 sind ausserdem rückwirkende Einkäufe in die Säule 3a für Beitragslücken möglich. Der strukturelle Trend geht klar in Richtung Wertschriftenlösungen, weg vom verzinsten Sparkonto.
In dieses Umfeld stösst Descartes mit einem Produkt, das die Allokationsverantwortung übernimmt. Adressiert wird ein Klientel, die zwar von Bitcoin im Vorsorgeportfolio profitieren möchte, die Quotenwahl aber nicht selbst treffen will. Während finpension eine Flatrate von 0.39 Prozent pro Jahr und VIAC ähnlich tiefe Konditionen aufrufen, positioniert sich Descartes höherpreisig. Dafür liefert der Anbieter ein aktives Portfoliomanagement. Die Wahl des BlackRock-Produkts mit einer Kostenquote von 0.15 Prozent ist konsequent. Es ist das günstigste Bitcoin-ETP an der SIX und bietet mit knapp einer Milliarde Euro verwaltetem Vermögen einen liquiden Basiswert.
Die Lancierung reiht sich in eine breitere Bewegung institutioneller Schweizer Anbieter ein. Bitcoin gilt dort nicht mehr als Spekulationsobjekt, sondern als strategischer Portfoliobaustein. Ob weitere Schweizer Vermögensverwalter dem Beispiel folgen und Bitcoin ebenfalls in ihre verwalteten Vorsorgeportfolios aufnehmen, dürfte sich in den kommenden Quartalen zeigen.







